Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 17 (1913)
- Issue
- Kongreß-Ausgabe II (4.9.1913)
- Date
- 1913-09-04
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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Nt, II 31 nach dieser Richtung war fruchtbringend. Die Zahlen beweisen es. Ich freue mich, mich auch darin in Uebereinstimmung mit ihm zu befinden, daß ich nicht nur eine Ausbreitung, sondern eine Festigung der Organisation und eine Vertiefung unserer Ideen in ihr konstatieren kann. Wir wünschen ebenso nachdrücklich wie das Engere Aktionskomitee, die radikale Betonung der nationalen Grundlage unserer Bewegung. (Bravo!) Dennoch möchte ich davor warnen, daß wir in dieser Frage uns allzusehr auf eine Theoretisierung des Nationalismus einlassen. (Sehr richtig!) Die Begründung unserer nationalen Anschauung kann nur mit der Begründung der Notwendigkeit unserer Arbeit erfolgen und die Erziehung im nationalen Sinne darf nur geschehen durch die möglichste Anlehnung an Palästina, an die palästinensische Arbeit und an die Entwicklung des palästinensischen Judentums. (Beifall.) Unsere lebendige Sorge muß es sein, die Finanzmittel der Bewegung auf eine sicherere Grundlage zu stellen. Ich habe — um jedes Mißverständnis von vornherein zu vermeiden — unter diesen Finanzmitteln nur die dem Aktionskomitee dienenden, die Schekolim und den Zentralfonds verstanden und ich wünsche und hoffe, daß gerade bezüglich des Zentralfonds dieser Kongreß eine feste und gesunde Basis schaffen wird, die dem Aktionskomitee die Möglichkeit gibt, für die Folge ruhiger an seine Arbeit gehen zu können. Ich stimme auch darin mit Heirn Dr. Hantke überein, daß die Konzentration des Engeren Aktionskomitees an einem Orte nicht die Fesselung dieser einzelnen Mitglieder eben an diesem Orte bedeuten darf. So begrüßen wir mit besonderer Genugtuung die Reisen unserer Mitglieder des E. A. C., die der Verbreitung unserer Idee galten, und vor allem die gewaltige Demonstration unserer Idee, die durch die Reise unseres Herrn So ko low nach Amerika erfolgte. (Beifall.) Ueber die politische Arbeit werde ich ebenfalls nicht im einzelnen sprechen. Es genügt zu betonen, daß dasEngere Aktionskomitee entschlossen ist, den politischen Charakter des Zionismus zu wahren. Wir wissen, daß die politische Arbeit unter schwierigen Umständen erfolgt. Wir zollen dem politischen Takt und der politischen Klugheit der Vertreter des politischen Ressorts im E. A. C. hohen Dank. Ein merkwürdiger Vorwurf ist bezüglich dieser politischen Arbeit von Leuten erhoben worden, die sich gewissermaßen als die einzigen Hüter des heiligen Grals, in dem alle politische Weisheit verborgen ist, betrachten. Es wird behauptet, daß E. A- C. habe eist ans Ruder kommen müssen, um sich mit dem politischen Mantel zu umhüllen, um gleichsam seine Blößen zu decken. Unsere Widersacher in diesem Punkte in unseren eigenen Reihen befinden sich leider in der Situation des französischen Adels zur Zeit der Restauration: Sie haben nichts gelernt und nichts vergessen. (Sehr richtig!; Wohl haben wir die praktische Palästinas beit lange Jahre stürmisch gefordert und wohl sind wir glücklich, daß diese stürmische Forderung heute nicht mehr notwendig ist. Die praktische Arbeit in Palästina freilich ist uns die Voraussetzung jeder politischen Tätigkeit. (Bravo! Lebhafter Beifall.) Diese praktische Arbeit wird jetzt geleistet mit Emst, mit Entschiedenheit, mit vollem Verständnis ihrer Bedeutung. Jetzt ist Zeit, von Politik zu reden, aber indem wir der Arbeit des E. A. C. zustimmen, übernehmen wir zugleich die Verpflichtung, dafür zu sorgen, daß die Entwicklung dieser Arbeit in gleicher Weise, wie bisher möglich ist. Das verpflichtet uns weiter nach meiner Meinung und nach der Meinung vieler meiner Freunde, die Revision eines auf dem letzten Kongresse sanktionierten Kompromisses vorzunehmen. Die geschäftliche Leitung unserer Bank gehört einem Direktorium. Wir werden Gelegenheit haben, die Berichte dieses Direktoriums zu hören und unsere geschäftlichen Einwendungen zu machen. Aber neben dieser geschäftlichen Täiigkeit geht eine andere, die über ihr steht, das ist nämlich, zu bestimmen, nach welchen Richtlinien die Bank zu arbeiten hat. (Lebhafte Zustimmung.) Diese Bestimmung muß unserer obersten Behörde überlassen bleiben. (Starker Beifall.) Diese Bestimmung dürfen nur jene treffen, die in der ganzen Bewegung über unser Wohl und unser Wehe entscheiden. Ich werde darum dafür eintreten, daß die Identität des Aufsichtsrates der Bank, der diese Einrichtung bestimmt, mit dem Aktionskomitee auf diesem Kongresse hergestellt wird. Ebenso ist der Aufsichtsrat identisch mit dem Verwaltungsrat des Nationalfonds. Bedarf es in diesem Kreise noch einer Betonung, daß es absolut ei forderlich ist, eines unserer wichtigsten Institute, den Nationalfonds, in Einklang zu bringen mit dem Willen und Wünschen unserer obersten Leitung? (Beifall.) Aus den gleichen Gründen, ja aus wichtigeren noch müssen wir fordern, daß das große Aktionskomitee zugleich Verwaltungsrat des Nationalfonds ist. Es sind bedeutsame Beschlüsse auf diesem Konkrcsse zu fassen. Gehen wir ihnen mit Ernst entgegen, aber beobachten wir eines: wenn wir unserem Aktionskomitee die Möglichkeit geben zu der Arbeit, dann ist es unsere Pflicht auf diesem Kongresse, die gesunde und die normale Basis, die wie Herr Dr. Hantke mit Recht hervorhob ursprüngliche Basis zur Arbeit zu schaffen. (Beifall und Händeklatschen.) Adolf Böhm (Wien. Beifall): Ich kann meine Rede nicht beginnen, ohne meinem Gefühle der tiefen Dankbarkeit gegen unsere heutige Leitung Ausdruck zu geben. Es ist dies ein Gefühl, das nicht nur mich bewegt, sondern, wie ich glaube, die weitaus überwiegende Majorität. Dieses Gefühl entstammt nicht etwa einem parteimäßigen Empfinden, es ist nicht etwa darauf zurückzuführen, daß wir vielleicht deshalb glücklich sind, daß unsere ^Richtung" ans Werk gelangte, sondern dem Beobachten und Miterleben der großartigen Tätigkeit der heutigen Leitung. (Beifall und Händeklatschen.) Wenn wir fragen: »Hat die Leitung dem entsprochen, was wir von ihr erwartet haben“, dann können wir nicht mit einem einfachen „Ja“ antworten, sondern wir müssen sagen: „Sie hat alles übertroffen, was wir von ihr erwartet haben“. (Beifall.) Jeder von uns, auch derjenige, der von vornherein und seit Jahren für diese Leitung gekämpft hat, hat bei sich gewußt, daß es im besten Grade ein Versuch ist. Daß sie in der Tat gut sein wird, das konnten wir am letzten Kongresse noch nicht so bestimmt wissen wie heute. Und was haben wir von dem Aktionskomitee verlangt? Wir haben gesagt: Wir vermissen einen Zusammenhang der Zentrale mit den einzelnen Gliedern, wir verlangen, daß vom Herzen unserer Organisation, vom Sitze des engeren Aktionskomitees (so waren die Worte) ein lebendiger Blutstrom durch alle Glieder unserer Organisationkreise und ich glaube, wenn irgend eine Forderung, die wir damals an die neu zu wählende Leitung erhoben, erfüllt ist, dann ist es diese. Die zionistische Organisation ist schon vor Jahren ein mechanisches, erstarrtes Gebilde gewesen und besaß kein einheitliches Leben. Die Organisation war aufgewühlt durch innere Kämpfe, das Gefühl des Zusammenhanges war nur schwach vorhanden, noch weniger daß Gefühl eines einheitlichen Willens zur gemeinsamen Arbeit. Daß uns das A. C dieses Gefühl gegeben, das ist seine größte Tat, und sie ist so groß, daß es keine Kritik der Einzelhandlungen gibt, die dieses Verdienst mindern könnte. Denn das Wichtigste einer Leitung ist eben dieses: Wir sind eine durchaus freiwillige Organisation und zur freudigen Mitarbeit kann niemand gezwungen werden. Das große Geheimnis, das eine Leitung besitzen muß, ist, diese freiwillige Mitarbeit herauszuholen. Diese Aufgabe muß sie erfüllen, sie muß die Leute beseelen, damit sie nicht verdrossen abseits stehen, sondern daß sie freiwillig mit Freude, mit Selbstgefühl, Selbstbewußtsein und Stolz die Arbeit leisten. Diese freudige Mitarbeit hat das Aktionskomitee aus uns herausgeholt und deshalb konnte Professor Warburg von einer neuen Periode des Zionismus sprechen. (Beifall.) Das Referat des Herrn Dr. Hantke unterschreibe ich vollständig. Ich habe nichts hinzuzufügen; ich möchte nur betonen, was speziell mich und meine näheren Freunde ganz besonders angenehm berührt hat, ist die scharfe nationale Stellung nach außen. Das war früher nicht so. Früher hat man Frieden gepredigt, Kompromisse. Heute geht aus den Worten des Aktionskomitees ein Geist des Aufrechtseins, ein Geist des Unbedingten hervor. Und wir haben die Ueberzeugung, daß das Aktionskomitee begriffen hat, daß wir radikal sein werden, oder nicht sein werden. (Beifall.) Die Hebräisierung unserer Organisation. Hoher Kongreß! Ich weiß so gut wie Sie, daß es eine Histadruth gibt und weiß, daß sie sich bemüht, etwas zu leisten. Aber mein Standpunkt ist: