Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 17 (1913)
- Issue
- Kongreß-Ausgabe II (4.9.1913)
- Date
- 1913-09-04
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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Nr. II 27 - DIE^ELT ständlich nur insoweit, als uns von Ihnen, geehrter Kongreß, auch die Macht gegeben worden ist, unsere Kontrollpflicht auszuüben. (Beifall.) Es sind nun innerhalb unserer Organisation deswegen gegen unsere Institutionen in Palästina und gegen uns selbst sehr heftige Angriffe erhoben und von der antizionistischen Presse mit Schadenfreude aufgegriffen und weitergetragen worden. Wir konstatieren, daß diese Angriffe sachlich unbegründet sind (Stürmischer Beifall) und sind bereit, in der Diskussion auf jeden einzelnen Rede und Antwort zu stehen. (Stürmischer Beifall.) In diesem uns wahrlich unangenehmen Kampf stärkt uns vor allem eine Tatsache, die neu und vielen überraschend auf diesem Kongreß zum ersten Male in die Erscheinung tritt: Die offizielle Zustimmung des palästinensischen Judentums. (Beifall.) Ist es doch in diesem Jahre zum ersten Male unseren näheren Freunden gelungen, eine Schekel Sammlung größeren Stils in Palästina zu veranstalten, die Zahl der Schekel in Palästina von einigen Hundert auf 2000 zu steigern. (Beifall.) Ist doch das jüdische Palästina auf diesem Kongreß durch nicht weniger als 30 in Palästina dauernd ansässige Delegierte (Stürmischer Beifall) und ebensoviele Gäste vertreten. Diese offizielle Anerkennung des Kongreßzionismus durch Palästina gerade in einem Jahre, in dem man die Palästinaarbeit des Aktionskomitees auf das schärfste angegriffen hat, mag Ihnen ein Beweis sein, daß die Männer der Tat und die Fachleute diesen Angriffen nicht glauben. (Beifall.) Die Voraussetzung für alle Arbeiten auf dem bisher behandelten Tätigkeitsgebiet unserer Zentrale ist das Gedeihen unserer Organisation, als der Quelle unserer Kraft, unserer Propaganda, die ihr ständig neue Elemente zuführt. Wir haben der Propaganda besonders große Aufmerksamkeit zugewandt und versucht, ihr allmählich die Stellung wieder zu geben, die sie in den ersten Jahren unserer Bewegung gehabt hat und die ihr zukommt. In allen Kreisen unserer Bewegung ist der Gedanke fest verwurzelt, daß die Zukunft unseres Volkes von der Entwicklung der jüdischen Siedlung in Palästina abhängt. Mit dieser Ueberzeugung muß aber die Einsicht kommen, daß das Judentum in der Diaspora einen jährlich steigenden Kreis von Einwanderern für Palästina stellen muß. Diesen Zustrom von draußen kann aber Palästina nur aus den nationalen Kreisen des Volkes erhalten. Allein schon der Palästinagedanke zwingt uns somit zur Intensivierung unserer Propaganda. Diese aber hat zur Voraussetzung, daß wir diese Propaganda von einem einheitlichen nationalen Geiste getragen sein lassen. Die Anforderungen, die wir an unsere Anhänger stellen müssen, sind große. Die Schaffung einer öffentlich-rechtlich gesicherten Heimstätte in Palästina kann nicht das Ergebnis einer einmaligen, wenn auch noch so kraftvollen Anstrengung der Diaspora sein. Wäre sie es, so könnte man an der Richtigkeit der Tendenz, die unsere Propaganda beseelt, zweifeln. Ein fünfzehnjähriger Kampf hat uns aber bewiesen, daß unser Ziel nur durch eine systematische Erziehungsarbeit an der Gesamtheit unseres Volkes erreicht werden kann. Liegt doch die Hauptschwierigkeit für uns nicht in der Zerstreuung unseres Volkes, nicht in der Enge des Gesichtskreises seiner führenden Männer, nicht einmal in den kulturellen Unterschieden in seiner Mitte oder in Unbequemlichkeiten der Sprachenfrage, sondern in der krankhaften Sucht weiter Kreise, sich ihrer Umgebung anzupassen, die eigenen Interessen bis zur Selbstverleugnung hinter den Forderungen der Außenwelt hintanzusetzen. Dieser Neigung zur Aufgabe des eigenen Wesens gilt es entgegenzutreten und der neu heranwachsenden Generation den Geist nationaler Selbstachtung, den Stolz auf die Vergangenheit und ihre großen Träger, die Hoffnung auf eine Zukunft unseres Stammes einzuflößen. Diese Aufgabe kann aber nur dann gelingen, wenn wir unser Ideal von inneren Kompromissen frei halten (Beifall), wenn wir es nicht selbst biegen und knicken, wenn wir ihm Vorbilder nationaler Pflichterfüllung sind, denen nachzueifern heiliges Ideal von Geschlechtern werden kann. Bei allen Völkern und zu allen Zeiten sind ideale Bewegungen von der Jugend getragen worden. In unserer Organisation ist diese Tatsache um deswillen häufig übersehen worden, weil der politische Zionismus bei seinem Auftreten in den Hauptländern schon national gerüstete Bestrebungen vorfand, die ihm also bereits eine national erzogene Jugend zur Verfügung stellen konnten. Sie gilt aber auch für uns in vollem Maße. Es ergibt sich daher folgendes: Unsere Propaganda muß den Charakter einer nationalen Erziehungsarbeit annehmen. Sie muß radikal in der nationalen Tendenz und abhold jedem Kompromisse in der Idee sein. Ihr Ziel kann es daher nicht sein, möglichst viele zu überreden, in einmaliger Aufwallung sich für die Palästinaidee zu begeistern und dieser schönen Regung ein einmaliges großes oder kleines Opfer zu bringen. Für sie darf nur der Wert haben, der die nationale Tendenz, den Willen zum Leben für alle Zukunft in sich aufnehmen will und bereit ist, sich selbst diesem Willen zu opfern. (Beifall.) Menschen, nicht Geld — gilt die Losung. (Beifall.) Und so wäre unsere Propaganda selbst dann erfolgreich, wenn es ihr nicht gelingen sollte, alle Kräfte unseres Volkes zu sammeln, wenn nur die Scharen unserer Anhänger wirklich überall die radikalsten Juden sein werden. Aus diesem Gesichtspunkte heraus ist dann auch klar, daß uns die jetzt in assimilatorischen Kreisen so oft ostentativ geäußerte Palästinaliebe keinen Ersatz für die Ergebnisse nationaler Propaganda bieten kann. Denn die Ueberzeugung von der Zukunft eines jüdischen Palästinas nützt uns nicht, wenn sie ihren Bekenner nicht zur Aufopferung seiner eigenen Person für dieses Palästina treibt. Diese Aufopferung aber kann nur die Folge einer Revolution im Denken des einzelnen, einer vollständigen Umwälzung im Empfinden des Juden, also im Aufgeben aller assimilatorischen Tendenzen zugunsten eines nationalen Judentums sein. (Beifall.) Die Erkenntnis des Wesens zionistischer Propaganda als einer palästinazentrischen, nationalen Erziehungsarbeit läßt unsere Propaganda in allen Ländern zu einer durchaus einheitlichen, von lokalen Einflüssen unabhängigen werden. Denn wie die Assimilation überall dem aufmerksamen Beobachter trotz verschiedenster Masken das gleiche Gesicht zeigt, so hat die nationale Erziehungsarbeit überall dieselben Wege zu wandeln, will sie das gleiche Ergebnis zeigen. So ist die Propaganda aus einem Arbeitsgebiet der Landesverbände, ja der einzelnen Gruppen, zu einem Arbeitsgebiet geworden, das zwar allen gleichmäßig zu bearbeiten obliegt, dem aber der Kongreß und das Aktionskomitee Richtung und Tendenz zu geben haben. So erst ist die Propaganda auch theoretisch als ein Arbeitsgebiet der Zentrale erkannt, sind ihre Prinzipien Gegenstand der öffentlichen Diskussion der Gesamtpartei geworden. Geehrter Kongreß! Ich habe diese allgemeinen Gesichtspunkte vorausgeschickt, obwohl ich mir bewußt bin, Ihnen wesentlich Neues nicht geboten zu haben. In der Führung der Propaganda sind wir ja alle Sachverständige. Wer von uns könnte sagen, daß er propagandistisch noch nie tätig gewesen. Es schien mir aber zweckentsprechend, die grundlegenden Gesichtspunkte Ihnen einmal in systematischer Zusammenfassung vorzutragen. Denn gerade unsere Propagandatätigkeit ist vielfach Gegenstand von Angriffen gewesen. Gerade hier ist das Wort von der Geldverschwendung gefallen. Es ist nun an sich schon unbegründet, bereits nach knapp zwei Jahren weitgehende Folgen einer Propaganda sichtbar vor Augen liegend, zu fordern, die sich erst im Laufe dieser Zeit allmählich entwickelt hat, die wir aus Mangel an Kräften und Mitteln auch erst in einem Teil der Diaspora zur Anwendung bringen konnten. Unsere ganze Arbeit leidet darunter, daß wir zu schnell Erfolge erwarten und daher in Gefahr