Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 17 (1913)
- Issue
- Kongreß-Ausgabe II (4.9.1913)
- Date
- 1913-09-04
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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26 Nr. II DIEÜ^ELT ist dem hinzuzufügen, daß der Ei Zählung von dieser Opfcrwiiligkeit das Verzeichnis aller jener Tausenden von Begeisterten folgt, die dem Rufe zur Rückkehr in die Heimat gefolgt sind; Ein altjüdischer Segensspruch wird uns von Moses bei dem Bau der Stiftshütte überliefert: „Möge die ,Schechina‘ auf Euerem Werke ruhen!“ Die Schechina, das ist der nationale Geist, der allein unser Werk zu fördern vermag. Redner begrüßt schließlich den Kongreß als Jerusalemer im Namen des dort auferstandenen neuen Geschlechtes, des ersten Geschlechtes, das den Boden und die Sprache der Väter zu neuem Leben erweckt hat. Präsident Wolffsohn erteilt nunmehr Herrn Dr. Hantke das Wort zum Rechenschaftsbericht. Geehrter Kongreß! In dem gedruckten Bericht, der Ihnen überreicht worden ist, haben wir Ihnen eine kurze Darstellung unserer Arbeiten, gleichzeitig aber auch eine Uebersicht über den Stand der Dinge in Palästina und über die Vorgänge innerhalb unserer Landes- und Sonderverbände gegeben. Wir sind hiermit nicht nur einem stets geübten Brauch gefolgt. Unsere Darstellung wäre nicht vollständig gewesen, wenn wir uns auf die Arbeiten der Zentralinstanzen beschränkt hätten. Vielmehr sind die Arbeiten aller unserer organisatorischen Einheiten gegenseitig bedingt. Und das Ergebnis dieser gemeinsamen Arbeit der Organisation stellen wir jedes zweite Jahr fest, indem wir einen wahrheitsgetreuen Bericht von dem Stand der jüdischen Arbeit in Palästina und von den Fortschritten des jüdischen Nationalgedankens in der Diaspora geben und so sowohl der Organisation als auch ihren repräsentativen Organen den Spiegel ihrer Taten Vorhalten. Unsere Tätigkeit zerfällt in zwei große Arbeitsgebiete: das eine umfaßt, um die üblichen Schlagworte zu gebrauchen, die Politik, die Paiästinaarbeit, die kulturelle Tätigkeit, die Arbeiten des Nationalfonds, unserer Banken und der uns nahestehenden Palästinagesellschaften. Das andere umfaßt die Organisation, die Propaganda, das Finanzwesen. Das erstere rechnet mit den vorhandenen Machtmitteln der Organisation und strebt sie bestmöglich anzuwenden und in dauernde Schöpfungen umzusetzen. Das zweite sucht diese Machtmittel der Organisation weiter auszudehnen und will so dem ersten Tätigkeitsgebiet immer neue Möglichkeiten darbieten, indem Organisation und Propaganda neue Menschen und neue Mittel schaffen, während das Finanzdezernat für eine möglichst günstige Verwendung der vorhandenen Mittel Sorge trägt. Auch hier wieder zeigt sich der organische Zusammenhang aller unserer Arbeiten und ihre gegenseitige Bedingtheit, so daß jede einzelne Arbeit jeder anderen gleichwertig und für jede andere als Voraussetzung oder Folge gleich notwendig erscheint. Ueber die Arbeiten des ersten unserer beiden großen Tätigkeitsgebiete kann ich mich kurz fassen. Ueber sie liegt Ihnen nicht nur die Darstellung des gedruckten Berichtes vor, Sie haben außerdem in der Eröffnungsrede des Präsidenten des Aktionskomitees Mitteilungen über unsere politische Arbeit erhalten und Sie werden über die einzelnen Zweige der Palästinaarbeit, der kulturellen Tätigkeit, der Arbeiten des Nationalfonds und der Banken Spezialberichte hören, denen ich nur insoweit vorgreifen möchte, als es die Zwecke eines Generalberichts und einer Generaldiskussion unbedingt erfordern. Unsere politische Arbeit bekam ihren Charakter durch die großen politischen Umwälzungen in Nordafrika, auf der Balkanhalbinsel und deren Einfluß auf die Stammlande des türkischen Reichs. Sie konnten uns in der Erkenntnis nicht schwankend machen, daß die Entwicklung des jüdischen Elements in Palästina verknüpft ist mit dem Schicksal des türkischen Reiches, daß die jüdische Arbeit in Palästina für die wirtschaftliche und kulturelle Entwicklung des türkischen Reiches von hohem Wert ist. Es mußte daher unsere Aufgabe sein, der türkischen Regierung und den maßgebenden gesellschaftlichen und politischen Kreisen des Reiches diese Ueberzeugung nahezubringen. Wir hatten auch die türkische Judenheit in dieser Richtung zu beeinflussen, denn sie ist der gegebene Förderer jüdischer Bestrebungen in ihrem Heimatlande. Nicht weniger wichtig erwies sich die Haltung der arabischen Bevölkerung in Palästina und Syrien, als dem in diesen Provinzen überwiegenden Bevölkerungselement. Wir haben nach diesen Richtungen nicht ohne Resultate gearbeitet. Die Angriffe von jüdischer Seite in der Türkei haben aufgehört. Die Haltung der maßgebenden arabischen Kreise beginnt freundlicher zu werden. Und bei Regierung und Gesellschaft in Konstantinopel sind die Grundlagen für ein besseres Verständnis unserer Bestrebungen bereits deutlich zutage getreten. (Lebhafter Beifall.) Nicht weniger Aufmerksamkeit als unseren Interessen im türkischen Reich haben wir den politischen Verbindungen mit anderen Mächten geschenkt. Denn wir müssen berücksichtigen, daß Palästina durch seine Geschichte und seine geographische Lage mit den Interessen anderer Machtfaktoren verknüpft ist. Unsere Aufgabe war daher auch hier eine informierende, unsere Tätigkeit Aufklärungsarbeit. Auch sie war nicht vergebens, wie Sie aus unserem Bericht ersehen haben werden. Auch die Tätigkeit unserer Zentralen in Palästina versucht Ihnen der gedruckte Bericht deutlich vor Augen zu führen. Sie erstreckte sich auf sämtliche Gebiete dieses großen Tätigkeitskomplexes und hat naturgemäß greifbarere, deutlichere, wägbarere Ergebnisse erzielt als unsere politische Arbeit. Denn während es sich bei letzterer um die Beeinflussung von Stimmungen, also all erinnerlichster Vorgänge, um Tendenzen von Männern handelt, für die unsere Bestrebungen niemals im Zentrum ihrer Gedankenwelt stehen können, um informative Arbeit vertraulicher Natur, sind wir in Palästina in der glücklichen Lage ständig mit jeder neuen Anstrengung Einzelergebnisse zeigen zu können : Erwerb von Land, Gründung von Farmen und Dörfern, Anlegung neuer Stadtviertel, Eröffnung von Schulen und Seminaren, Herausgabe von Lehrbüchern und Zeitschriften, Abhaltung von Lehrkursen, Eröffnung von Bankfilialen, steigende Depositen, Ausschüttung von Dividenden, Gründung von Turnvereinen, von fachwissenschaftlichen Gruppen, Organisation von Gemeinden, Wahlen zu Stadtvertretungen, Erwerb politischer Rechte für Kolonien usw. Ich kann mich auf die Aufzählung dieser Erfolge beschränken. Denn in diesem Zusammenhang liegt mir nur daran festzustellen, daß unsere Zentrale auf diesem Gebiet ihrer Tätigkeit vielseitige Arbeit geleistet hat. (Beifall.) Gerade unsere Arbeit in Palästina erfolgt nur zum kleineren Teil unter der Firma des Aktionkomitees. Zum überwiegenden Teil tritt sie als Leistung des Nationalfonds, der Anglo Palestine Company, der Palestine Land Development Company, der Jüdischen Kolonialbank zu Tage. Auch von unserer Organisation unabhängige Gesellschaften, wie die Immobiliengesellschaft Palästina, der Bezalel und andere müssen hier genannt werden. Es ist dies die Folge der Tatsache, daß es sich im wesentlichen um wirtschaftliche Aufgaben handelt. Und diese erfordern wirtschaftliche Formen. Wir dürfen aber nicht vergessen, daß wir uns selbst diese Formen geschaffen haben, nicht um ihrer selbst willen, sondern aus Zweckmäßigkeitsgründen, um unsertwillen, daß die Arbeit dieser Formen unsere Arbeit ist, daß ihre Ergebnisse nur die Folge der Existenz unserer Organisation, der lebendigen .Kraft des zionistischen Ideals sind. Wir geben daher unserer Organisation nur das ihr Gebührende, wenn wir die Arbeiten aller unserer palästinensischen Institutionen unter den Arbeiten der Organisation verbuchen. Anderseits übernehmen wir damit die Verantwortung für die Art der Tätigkeit dieser Institutionen. Wir tun dies gern und freudigen Herzens — selbstver-