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Die Welt · 1913-09-03 · Kongreß-Ausgabe I (3.9.1913) · page 4

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Journal
Die Welt
Volume
17 (1913)
Issue
Kongreß-Ausgabe I (3.9.1913)
Date
1913-09-03
Page
– (sequence 4)
Language
German
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4 Nr. I DIE5£ELT einen Zionismus eigener Erfindung zu konstruieren, um ihn bekämpfen zu können. Der wahre Zionismus ist für ihre Geschosse nicht erreichbar. Erlösend und triumphierend schreitet die Zionsidee durch die Diaspora, jeden Zweifel beseitigend, jeden Widerstand brechend. Dieser Kongreß beweist am deutlichsten die Macht und den Fortschritt unserer Sache. Sie alle, die Sie von nah und fern gekommen sind, begrüßen wir aufs herzlichste. Sie repräsentieren die Hunderttausende, die hinter Ihnen stehen, unsere stillen, opferfreudigen Mitarbeiter, denen es nicht vergönnt ist, hier unter uns zu sein. Aber ihre zahllosen Begrüßungen geben den vollgiltigen Beweis, daß sie mit ihrem Hoffen und Sehnen bei unseren Arbeiten verweilen. Es freut uns besonders, so zahlreiche Delegierte aus dem Lande zu sehen, nach dem sich unsere Tätigkeit richtet, aus Palästina. Verehrte Kongreßmitglieder! Zu wichtigen Arbeiten sind Sie berufen, mit klarem Blick und warmem Empfinden für das jüdische Volk werden Sie an die schwere Arbeit herantreten, zu der Sie entsandt worden sind. Stets das Wohl unseres Volkes als Leitstern vor Augen, werden Sie in brüderlichem Zusammenwirken das Vertrauen Ihrer Auftraggeber rechtfertigen. Möge der Erfolg die Bemühungen krönen! Zum Heile unseres Volkes, zum Fortschreiten und Gedeihen unserer Arbeit und unserer Idee. Der XI. Kongreß ist eröffnet! Nicht endenwollender Beifall und Tücherschwenken, Rosen und Nelken, von schöner Frauenhand auf die Estrade geworfen — Prof. Dr. Warburg mußte sich immer und immer wieder dankend verneigen. Dann gab er das Wort Herrn Dr. Karl Pollak, der den Kongreß namens des Westösterreichischen Zentralkomitees, dem Wien zugehört, begrüßte: Im Namen des Zionistischen Zentralkomitees für Westösterreich gebe ich mir die Ehre, Sie, verehrte Damen und Herren, auf das herzlichste zu begrüßen. Ich bitte Sie zugleich, unsem wärmsten Dank dafür entgegenzunehmen, daß Sie hieher gekommen sind. Denn uns österreichischen Zionisten ist ein Herzenswunsch damit in Erfüllung gegangen, daß der Kongreß endlich auch einmal in Wien tagt, in der Stadt, aus welcher der Weckruf unseres unvergeßlichen großen Führers erscholl (lebhafter Beifall). Daß diese schöne Stadt uns Juden gerade kein freundliches Gesicht zeigt, das verschlägt ja Ihnen, verehrte Herren, als Zionisten wenig. Denn Sie wissen, ob Basel oder Haag, ob Hamburg oder Wien, wir sind doch hier überall im Golus. Daß aber Ihre Tagung zu einem kraftvollen Schritt werde, heraus aus diesem Golus, vorwärts auf demWege nach Erez Israel (Bravo! Stürmischer Beifall und Händeklatschen), das ist unser innigster Wunsch 1 Sei Ihren Bestrebungen Glück und Segen beschieden, seien Sie uns hoch willkommen, liebe Gesinnungsgenossen, Freunde und Brüder! (Bravo, wiederholter stürmischer Beifall und Händeklatschen.) Für die israelitische Kultusgemeinde Wien sprach sodann Herr Dr. Schreiber, Mitglied des Gemeindevorstandes, der dem Kongreß die folgende Ansprache widmete: Mir ist, geehrter Kongreß, die ehrenvolle Aufgabe zuteil geworden, an diese dichtgescharte Versammlung, zu der unsere Glaubensgenossen aus allen Teilen des Erdballes erschienen sind, ein herzliches Willkommen zu richten. Die geehrte Leitung des Kongresses hat die Freundlichkeit gehabt, den Vorstand der israelitischen Kultusgemeinde zu ihren heute beginnenden Beratungen einzuladen und das Präsidium der Kultusgemeinde ist mit besonderer Vorliebe, mit großem Vorzüge dieser Einladung nachgekommen, indem es mich, als ein bescheidenes Mitglied des Vorstandes, dazu ausersehen hat, hier im Namen unseres großen jüdischen Gemeinwesens, das vielleicht neben Warschau das zweitgrößte auf dem europäischen Kontinent ist, unsere freundlichsten Gesinnungen zu verdolmetschen. (Lebhafter Beifall.) Indem ich dieser auszeichnenden Mission nachkomme, kann es mir, geehrter Kongreß, selbstverständlich nicht zustehen, ein Bekenntnis abzulegen zu den Problemen und zu den Theorien, mit denen sie sich beschäftigen und befassen werden. Das würde füglich über die Reichweite meines Mandates hinausgehen. Aber, geehrter Kongreß, das darf und will ich hervorheben: die tiefe Einsicht für die Größe der Idee, welche, wie die geehrten Herren Vorredner bereits hervorgehoben haben, aus dieser Stadt hervorgegangen ist welche ein getreues Mitglied unseres Gemeinwesens erdacht erfaßt und mit seinem sprühenden, von aller Welt bewunderten Geist geadelt hat (Lebhafter Beifall.) Ja, es ist wahr, geehrter Kongreß, seine Idee hat eine Welt entzündet und nicht allein die jüdische, sie hat die einen mit voller Begeisterung jubelnd mit sich fortgerissen, aber andere, Sie müssen mir dieses Bekenntnis verzeihen, nicht ganz überzeugt, aber doch mindestens zur Nachdenklichkeit gestimmt (Beifall.) Denn das Echo, das Ihre Idee verbreitet hat, war viel zu kräftig, die Stoßkraft viel zu mächtig, als daß diese Sache gering geachtet werden konnte; und dieses Lob und diese Anerkennung muß ihrer Bewegung mit aller Uneingeschränktheit zuerkannt werden. Ist sie doch lediglich als eine geistige Evolution zu erfassen, als gewissermaßen sittliche Gegenforderung gegen feindselige Zeitströmungen, erfüllt und gesättigt mit historischen Gesichtspunkten, mit wirtschaftlichen Ideen, mit nationalen Bestrebungen und brennend vor inbrünstiger Sehnsucht nach der Wiederaufrichtung des alten und längst zerstörten Judenstaates. (Hedad, lebhafter Beifall). — Unsere große Gemeinde, geehrter Kongreß, die an der Schneide zwischen Osten und Westen eine gewaltige Kulturaufgabe — und in diesem Sinne war der Anruf des geehrten Herrn Vorsitzenden vollauf berechtigt, — eine gewaltige Kulturaufgabe zu erfüllen, die Gemeinde, welche für die jüdischen Interessen opferwillig sich hingibt, welche über das jüdische sittliche und religiöse Leben einer zahlreichen jüdischen Bevölkerung sorgt, als Feuerwächter unseres Glaubens. Sie .. bringt selbstverständlich wie allen jüdischen Angelegenheiten auch Ihrer Sache ein lebendiges Verständnis entgegen. (Bravo!) Unsere Gemeinde wird daher Ihre Beratungen und die Entschließungen, die hier zur Reife gedeihen sollten, mit teilnahmsvoller Aufmerksamkeit verfolgen und sie wird insbesondere jene Entschließungen, die gegebenenfalls die Interessen und den Wirkungsbereich unserer Gemeinde streifen könnten, entsprechend beachten (Bravo!) Wir hegen daher den aufrichtigen Wunsch, daß Ihre schwierigen Beratungen zu einem gedeihlichen Ziele führen, damit sie dem Judentum, den jüdischen Glaubensgenossen zum Segen gereichen und zu glücklichen Ergebnissen führen. Und nun, geehrter Kongreß, ein Wunsch vom Heizen: Mögen die Tage, die sie hier in diese große, herrliche, gastfreundliche Stadt zusammengeführt haben, Ihnen in angenehmster Weise verfließen. In einer Stadt, deren Boden uns Juden und jüdischen Bürgern lieb, teuer und heilig geworden ist. Lieb und teuer durch eine Jahrhundert alte jüdische Geschichte. Durch unsägliche Leiden, aber auch durch große Taten des jüdischen Geistes, durch hervorragende Werke und Leistungen, ein Boden, der durch Ueberlieferung zu uns gehört, unveijährbar und heilig sage ich, geehrter Kongreß, eingedenk einer Maxime, welche Ihr Programm selbst verkündet und welches lautet: Zionismus und Patriotismus können sich sehr wohl zueinander paaren. (Beifall und Händeklatschen.) Und in diesem Sinne möchte ich schließen, geehrter Kongreß, indem ich die Ehre habe, Sie im Namen der Israelitischen Kultusgemeinde aufs wärmste zu begrüßen, mit der Einladung, unsere religiösen Einrichtungen, humanitären Anstalten, Denkmäler einer langen Geschichte, zu besichtigen, damit Sie, die aus allen Weltrichtungen gekommen sind, lernen, gleich wie wir das Versprechen abgeben, auch von Ihnen, lernen zu wollen. (Beifall und Händeklatschen.)

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