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Die Welt · 1913-09-03 · Kongreß-Ausgabe I (3.9.1913) · page 3

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Journal
Die Welt
Volume
17 (1913)
Issue
Kongreß-Ausgabe I (3.9.1913)
Date
1913-09-03
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr. 3 Mühe widmen. Wir sind uns aber bewußt, daß die Geschicklichkeit des Unterhändlers und die Kunst der Dialektik nicht die einzigen Mittel sind, die zur Gewinnung unserer Heimstätte führen können. Wenn wir Förderung und Schutz beanspruchen, so muß etwas vorhanden sein, was gefördert und geschützt werden kann: behutsam zu pflegende Keime und in Entwicklung begriffene reale Interessen. Deshalb ist die Palästinaarbeit nicht nur ein gleichberechtigter Faktor, sondern die notwendige Voraussetzung unserer politischen Bemühungen. So liegt unsere Politik wie ein offenes Buch vor den Augen der Welt. Geehrter Kongreß! Der Zionismus ist an dem Wendepunkt angelangt, den alle großen Bewegungen zu passieren haben; von der Herrschaft allgemeiner Begriffe, in welche man die Notwendigkeit des Zieles und den Willen des Volkes zur ersten Orientierung zusammenfaßte, ging er zu den Einzelhandlungen über, die zu diesem Ziele führen. Mit anderen Worten: der Zionismus hat sein Prospektstadium, von dem er gleich anderen Bewegungen ausgegangen ist, verlassen und ist an die Dinge selbst herangetreten. Diese letztere Arbeitsweise entbehrt zwar der Sensation und gibt dem Begeisterungsvermögen weniger Nahrung, aber das ist eben ihr Vorzug. Wir brauchen neben der Begeisterung Stabilität, eiserne Ausdauer und nie ermüdenden Opfersinn. Wir verlangen einen wahrhaft tiefen, tätigen und intensiven, auf . das Wohl des jüdischen Volkes bedachten Geist, der auch in kleinen Dingen große Zukunftsmöglichkeiten erkennt. Gilt es doch Schritt für Schritt in Palästina einen friedlichen Kampf der Lebensinteressen auf dem festen Boden der Wirklichkeit auszufechten. Zweifellos ist die Arbeit eine schwierige, aber sie muß gemacht werden. Unübersteiglich erscheinen zuweilen die Hindernisse, die sich uns in den Weg. stellen. Mit diesen Hindernissen müssen wir aber ringen und sie überwinden, wir müssen in zähem Streben den Weg ebnen, auf dem wir nach langer, rastloser Arbeit zur Höhe gelangen werden. Hierfür müssen wir stark sein und dürfen unsere Willenskraft und unseren Opfermut nicht ermatten lassen. Deshalb sind auch Kongresse notwendig, denn von ihnen geht ein suggestiver Einfluß aus. Ein Kongreß bringt fruchtbare und nützliche Anregungen und den Zusammenschluß kleiner Einzelwillen zu einer großen, machtvollen Einheit. Bei jedem Kongreß empfinden wir neue Kraft zum Vorwärtsstreben, und deshalb ist auch jeder Kongreß eine neue Etappe auf dem Wege nach aufwärts. Unser Hauptaugenmerk wird also in Zukunft noch mehr als bisher auf die Arbeit in Palästina gerichtet sein. Selbstverständlich ist der Acker- und Gartenbau das Arbeitsgebiet, dem die vorderste Stelle und der breiteste Raum gebührt. Dazu gehört, einerseits der Bodenkauf im Interesse der Gesamtheit, wobei vor allem unser sich glänzend entwickelnder Nationalfonds tätig ist, anderseits die Ermöglichung der Ansiedlung arbeitstüchtiger Elemente, und zwar durch Belehrung, Schaffung von Arbeitsgelegenheit und Behausung, Parzellierung und Meliorierung des Bodens, Siedlungs- und Arbeitsgenossenschaften, Förderung landwirtschaftlich-kolonisatorischer Unternehmungen aller Art. Alle diese Bestrebungen haben sich allmählich herausdifferenziert und ein Teil derselben konnte bereits in besonderen Institutionen zentralisiert werden. Die Yeminiteneinwanderung hat ein förderliches, nationales Element dem Lande zugeführt und bildete den Gegenstand unserer eifrigsten Fürsorge. Die Achusa-Bewegung ist eine praktische Errungenschaft von hervorragender Wichtigkeit, ein Werk der jüngsten Zeit, von dem wir nicht nur nützliches, sondern auch qualitativ sehr bedeutendes erwarten. Die Palestin e Land Development Company steht als Instrument für Bodenkauf und Parzellierung im Mittelpunkt unserer ländlichen Kolonisationsarbeit, wobei unsere Banken, im Verein mit dem Nationalfonds durch Kreditgewährung große Dienste leisten. Auch der Heranbildung jüdischer Frauen zu Landwirtschaft durch die Mädchenfarm am Kinerethsee sei an dieser Stelle rühmend gedacht. (Beifall.) - Die Förderung von Handel und Industrie gehört zwar mehr in das Gebiet der Privatinitiative, doch sind auch hier unsere Finanzinstitute von nicht zu unterschätzender Bedeutung. Der B e z a 1 e 1, unsere Kunstgewerbeschule in Jerusalem, der in eine neue Aera seiner organisatorischen Einrichtung getreten ist, und der Frauenverband, der für die Förderung unserer Frauenarbeit in Palästina Wichtiges leistet, haben ihre Tätigkeit erweitert. Auf kulturellem Gebiete haben die Lehrerorganisation Merkas Hamorim und der wissenschaftliche Sprachverein Waad Haiasch on sich wichtigen nationalen Aufgaben gewidmet. Ein dringendes Postulat, die Sanierung Palästinas, ist das Ziel des kürzlich entstandenen, internationalen Gesundheitsamtes in Palästina, an dem Zionisten wie Nathan Straus und der Verein Jüdischer Aerzte und Naturwissenschaftler hervorragend beteiligt sind. Alle diese Institutionen werden von unserer palästinensischen Exekutive, dem Palästinaamt, gefördert und gestützt. Dieses schafft den innigen Kontakt und den kräftigen Zusammenhang für sämtliche Arbeitsgebiete im Lande. Unsere Sache wird es sein, diese mannigfachen Keime zu pflegen und zur vollen Reife zu bringen. Von einer Zersplitterung unserer Kräfte kann hierbei keine Rede sein, denn alles dies sind notwendige Teile eines großen, einheitlich funktionierenden Gesamtorganismus, bei dem es nicht angängig ist, ein Glied einseitig zu fördern und dabei die Entwicklung anderer zu vernachlässigen. (Beifall.) Zahlreich und schwerwiegend sind die Aufgaben, für deren gedeihliche Lösung wir auf Ihre einsichtsvolle Mitarbeit rechnen. Erfreulicherweise hält sich unser Budget in Einnahmen und Ausgaben im Gleichgewicht, obwohl wir mehr Aufwendungen als bisher zur Befriedigung organisatorischer, nationaler und kultureller Aufgaben machen mußten, aber unsere Aufgaben wachsen, und wir haben die unabweisliche Verpflichtung, unseren Haushalt auf eine sichere Basis zu stellen. Der Kongreß wird sich damit zu beschäftigen haben, wie die Mehrung und Sicherheit der Geldmittel für kolonisatorische, palästinensisch kulturelle und organisatorisch e Aufgaben bei gesunder Finanzgebarung zu erreichen sei. Auch die Erweiterung der Tätigkeit und der Leistungsfähigkeit der Palestine Land Development Company durch starke Kapitalvermehrung wird zu den aktuellen Fragen des Kongresses gehören. Ferner werden Sie sich mit der Idee der Gründung einer Universität in Jerusalem befassen. Durch die Verwirklichung dieses gewaltigen national-kulturellen Gedankens könnte eine Pflanzstätte allgemeiner und jüdischer Wissenschaft in der ältesten und würdigsten Kulturstadt der Welt, in unserem Jerusalem, geschaffen werden. (Stürmischer, sich immer wiederholender Beifall.) Wir haben im Verlaufe der verflossenen Kongreßperiode unsere besondere Aufmerksamkeit der Propaganda zugewendet. Unser Streben war dahin gerichtet, in der ganzen Welt Aufklärung über den Zionismus zu verbreiten. Diese Arbeit war fruchtbringend und unsere Erfolge erfüllen uns mit großen Hoffnungen für die Zukunft. Ueberall ist ein Aufschwung zu bemerken, allerorts zeigen sich starke Impulse und vielverheißende Ansätze. Den alten Arbeitskräften haben sich neue zugesellt. Wir dürfen ohne Uebertreibung sagen: der Zionismus steht jetzt im Vordergrund aller jüdischen Interessen. Auf viele wirkt er direkt und bewußt ein. Andere zieht er durch sein Beispiel heran. Wieder andere zwingt er, durch den Gegensatz zu ihnen zu bestimmter Stellungnahme und dadurch zur Vertiefung ihres jüdischen Empfindens. Aber die Kraft der Opposition, die uns entgegentritt, ist gebrochen. Sie verschanzt sich nur noch hinter Vorurteilen und ist gezwungen, sich

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