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Die Welt · 1913-08-29 · 35 (29.8.1913) · page 15

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
17 (1913)
Issue
35 (29.8.1913)
Date
1913-08-29
Page
– (sequence 15)
Language
German
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Nr. 35 DIE LT 1139 werden zwei Kurse mit je zwei Klassen vorhanden sein. Die vier Lehrkräfte der Schule: H;openko, Schalit,Much-| r i k und L e w i t haben der Schule ihr eigenes Gepräge ver-' liehen, und das musikliebende Tel-Awiw bildet ein gutes Milieu für die Schöpfung Sulamith Ruppins. Einen gleich erfreulichen Aufschwung zeigt die später gegründete Musikschule „Sulamith“ in Jerusalem, zu deren eifrigen Vorstandsmitgliedern Direktor Dr. Levy und Prof. B. Schatz gehören. Es ist bezeichnend, daß die Jerusalemer Schule für das kommende Schuljahr auf Einnahmen von 7600 Frs. durch Schulgeld und von 1800 Frs. durch lokale Veranstaltungen rechnet. Herr Scher- Moskau hat für das Jahr 5674 eine Subvention von 1500 Frs. in Aussicht gestellt. Den gleichen Betrag hofft Frl. G o 1 d b e r g-Wilna durch Sammlungen aufzubringen. In der Vorstandssitzung wurde beschlossen, noch weitere zwei Lehrkräfte zu engagieren. Mit dem Beginn der Schulferien tritt noch keine völlige Entspannung für die palästinensischen Lehrer ein. Denn in diese Zeit fallen die Sommerkurse, die jetzt alljährlich abgehalten werden. Diesmal werden sie in Jaffa stattfinden und werden fast einen Monat in Anspruch nehmen. Vorerst wird eine Generalversammlung des palästinensischen Lehrerverbandes abgehalten werden, wo auch über die Lebensversicherung der Lehrer verhandelt werden wird. Die Kurse umfassen folgende Gegenstände: 1. David Je 11 in: Hebräisch (10 Stunden); 2. A. Aharoni: Zoologie (15 Stunden); 3. J. Winik: Chemie (30 Stunden); 4. Z. Orlow: Turnen; 5. J. Kartschewsky: Gesang. Außerdem werden einige Lehrer über die Schulgärten referieren. Pädagogische Beratungen werden dem geschichtlichen Unterricht in den Mittelschulen sowie dem Anfangsunterricht im Lesen und Schreiben gewidmet sein. Außerdem werden je fünf Vorträge über die neuen Strömungen in der Pädagogik und über die Geschichte der Araber veranstaltet werden. — Für die Leiter der Mittelschulen ist jetzt die Frage der Heranziehung neuer Lehrkräfte aktuell. Die meisten begeben sich jetzt, zur Zeit der Ferien, ins Ausland, um mit den in Betracht kommenden Kandidaten zu verhandeln. Es scheint jedoch, daß die Auswahl nicht sehr groß ist. Es wird daher der Gedanke erwogen, ob man nicht hier für die Absolventen der Gymnasien höhere Kurse einrichten soll, um sie als Lehrer für die Mittelschulen auszubilden. Literarisches Dieser Tage sind in Jaffa zwei Sammelbücher erschienen, die hier erwähnt zu werden verdienen. Das erste, „Rewiwim“ betitelt, gab der „Hascharon“, die neugegründete Zentralstelle für die Verbreitung der hebräischen Literatur, heraus. Es umfaßt auf elf Druckbogen fast ausschließlich Beiträge palästinensischer Autoren. Die Sammelbücher „Rewiwim“ sollen als Vorbereitung für die Herausgabe einer palästinensischen Monatsschrift dienen. Der Gedanke einer eigenen Monatsschrift ist jetzt in den literarischen Kreisen Palästinas um so mehr aktuell, als es feststeht, daß der „Haschiloah“ in dem nächsten Jahre in Rußland verbleibt. Der „Hascharon“ strebt auch gleichzeitig im Interesse der Verbreitung unserer Literatur eine Verbilligung des hebräischen Buches an. Einen mehr propagandistischen Charakter trägt das Sammelbuch „Jeruschalajim“, welches die Gesellschaft „Chowewe Jeruschalajim“ herausgegeben hat. Das Buch bringt Beiträge von Ussischkin, Rabbiner Kuk, Je llin, A. S. Rabinowitz, Barsilai, Scheinkin, Bogratschoff, Silmann, Ben-Jisrael und D. T r i e t s c h. Das Buch ist von R. Benjamin redigiert, der ebenfalls mit zwei Beiträgen vertreten ist, und will die Aufmerksamkeit auf unsere so lange vernachlässigten jerusalemitischen Probleme lenken. Mit Rücksicht auf den bevorstehenden Kongreß ist es etwas übereilt entstanden. Eine zweite, sorgfältigere Auflage könnte eine größere Anzahl Mitarbeiter vereinigen. Hoffentlich wird es auch jetzt seinem idealen Zwecke dienen. Palästinensische Spendensammlungen In letzter Zeit wird in Judäa eifrig für den Bau des Jerusalemer Hospitals „Bikur Cholim“ gesammelt. Die Sammlung wird fortgesetzt. Für den Baufonds des Jerusalemer Blindeninstituts hat M. J. Klikatscha in Jaffa testamentarisch 1000 Frcs. mit der Bedingung hinterlassen, daß zwei Betten seinen Namen tragen sollten. Araber und Juden in Palästina Ein zurzeit in Budapest weilender christlicher Syrer aus Haifa, Herr Asis Dornet, sendet uns zu dem Artikel „Unsere arabische Frage“ von J. Feldmann (Nr. 33 der „Welt“) folgende interessante Erwiderung, die jedenfalls zeigt, daß das jüdische Kolonisationswerk in Palästina auch unter den dortigen christlichen Arabern warmherzige Freunde findet und daß die böswillige Hetze des „Karmel“ auf die anständigen christlichen Elemente keinen Einfluß übt. Herr Asis Dornet schreibt: „In der letzten Nummer (33) der „Welt“ habe ich einen interessanten Artikel von J. Feldmann, Jaffa, über die Beziehungen der Araber zu den Juden in Palästina gelesen, der mich veranlaßt, Ihnen einige Bemerkungen zu dieser Frage zu schicken. Ich, als Syrer, oder besser gesagt, als „Nasiräer“ (Nasrani)*), möchte doch einwenden — trotzdem ich fest überzeugt bin, daß dasjenige, was Herr Feldmann erwähnte, an sich wahr ist — daß die Reibereien zwischen Juden und Arabern eigentlich nicht bestehen würden, wenn eine neue Umgangsweise angebahnt worden wäre, die für die dortige Bevölkerung gewinnend sein muß. Vor allem hat der Verfasser des Artikels ganz übersehen, einen Unterschied zwischen der christlichen und mohammedanischen Bevölkerung zu machen. Zwar erwähnt er mit Recht, daß ehemalige Zöglinge christlicher Schulen jetzt arabische Zeitungen herausgeben, „die in recht judenfeindlichem Geiste redigiert werden“. Er erwähnt aber die Ursache nicht, die diese judenfeindliche Stimmung erweckt. Die Zöglinge christlicher Schulen, seien sie russische, oder französische, werden im europäischen antisemitischen Geiste erzogen. Kein Wunder, daß dann die heranwachsenden Schüler vergessen, daß sie selber Semiten sind, und den langsam genährten Haß, den sie von ihren Lehrern ererbt, allmählich mit aller Bitterkeit gegen ihre eigenen Brüder richten. Ich sage „Brüder“ und nicht nur „Stammverwandte“, denn in diesem Worte steckt auch die Antwort, die ich Ihnen zu geben bereit bin. Die Umgangsweise, von der ich oben sprach, wäre die folgende: Vor allem sollten die Juden in ihren „Brüdern“, den Nasiräern — ich verstehe darunter die christlichen Araber — das Bewußtsein erwecken, daß sowohl Juden als Nasiräer e i n Volk sind, und daß das Land, in welchem sie beide wohnen, das Land ihrer gemeinsamen Väter ist, das sie zusammen zu bearbeiten und urbar zu machen hätten. Freilich werden die Juden die Achsel zucken, wenn sie die Behauptung hören, daß Juden und Nasiräer e i n Volk wären. Doch ich bin gern bereit, Ihnen in einem anderen Schreiben die zutreffendsten Beweise hierfür zu liefern. Es ist auch nicht so schwer, den christlichen Arabern diese Gewißheit beizubringen, zumal schon jetzt das Bewußtsein, Nachkommen der ersten Juden-Christen zu sein, in ihnen wach zu werden beginnt. Und ist einmal diese Erkenntnis allgemein geworden, dann ist es sehr leicht, das freundschaftlich-brüderliche Verhältnis zwischen beiden Teilen Israels herzustellen. Dann würde auch ein anderer Geist durch die Bevölkerung Palästinas wehen, der an allen Enden des heiligen Landes Leben und Fleiß erzeugen und den ganzen jetzigen Kultur- *) Nasrani Nazarener, ist die arabische Bezeichnung für „Christ“. Mit „Nasiräer", hebr. Nasir OTtt}, _. hat das Wort nichts gemein. Die Redaktion. i

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