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Die Welt · 1913-08-29 · 35 (29.8.1913) · page 14

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Journal
Die Welt
Volume
17 (1913)
Issue
35 (29.8.1913)
Date
1913-08-29
Page
– (sequence 14)
Language
German
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1138 DIE3§BELT Nr. 35 PALÄSTINA-RUNDSCHAU Unser palästinisches Schulwesen (Von unserem Berichterstatter.) Das Schuljahr 5673 ist zu Ende und fast alle Schulen haben den Unterricht bereits abgeschlossen. Es liegt daher in der Natur der Sache, daß das Schulwesen zurzeit in den Vordergrund des Interesses gerückt ist. Die Aufregungen, die hier die Wahlen zum Wiener Kongreß ausgelöst haben, sind rasch verflogen. Diese Aufregungen waren ein Novum im hiesigen Leben. Allmählich ist es einem immer größeren Kreis der hiesigen Bevölkerung klar geworden : Tua res agitur! Was da in Wien verhandelt und beschlossen werden wird, ist nicht mehr graue Theorie weltfremder Ideologen, sondern etwas sehr Lebendiges, etwas, was in recht greifbaren Wirkungen hierzulande seinen Ausdruck finden wird. Es kann daher auch dem ruhigen Bürger, dem schlichten Handwerksmann, dem geistig oder physisch Arbeitenden nicht mehr gleichgültig sein, welches Arbeitsprogramm für Palästina da drüben im jüdischen Parlamente der Gegenwart beschlossen werden wird. Und so erlebten wir stürmische Wahlversammlungen, die die ganze Nacht hindurch dauerten, heftige Proteste, Obstruktion — kurzum, ein kleines Vorspiel der Wahlagitation, wie sie Herzl in seiner Zukunftsdichtung „Altneuland“ so köstlich geschildert hat. Nun, ein entschieden wichtigeres Vorspiel unserer Zukunftsdichtung bilden gewiß unsere Schulen. Wer am Mittwoch, den 10. Ab, der Feier des Hebräischen Gymnasiums in Jaffa, die anläßlich der ersten Verteilung der Reifezeugnisse stattfand, beiwohnte, der wird wohl die Erinnerung an diesen Tag nie aus seinem Gedächtnis löschen. Es war nicht bloß M. Scheinkin, der unermüdliche Kämpfer für das Jaffaer Gymnasium, der in seiner Ansprache Tränen der Trauer um die Mitkämpfer (Dr. Leo Kohan, Israel F e i n b e r g , Jakob Schertok u. a.), die die Vollendung des schweren Werkes nicht mehr erlebten, und Tränen der Freude über das endliche Gelingen des Unternehmens vergoß. Für Scheinkin allerdings war dies ein besonders weihevoller Tag. Vor sechs Jahren starb ihm am Karmel eine blühende Tochter, die zur Lehrerin an diesem Gymnasium bestimmt war und die früher in einem Schreiben an ihren Vater den Tag der Verteilung der ersten hebräischen Reifezeugnisse herbeisehnte. An ihrem Grabe gelobte Scheinkin, seine ganze Kraft daran zu setzen, daß dieser Traum in Erfüllung ginge. Er hat sein Gelübde ehrlich gehalten . . . Die Feier wurde mit einer halbstündigen Rede des jetzigen Leiters der Anstalt, Dr. Benzion Mossinsohn, eröffnet. In markanten Worten zeichnete Mossinsohn den Werdegang der Schule, die äußeren und inneren Schwierigkeiten, die zu überwinden waren, die große Bedeutung, die sie im In- und Auslande erlangt hat, das Entgegenkommen der türkischen Regierung, unter deren Schutz sie sich frei von jedem äußeren Druck entwickeln konnte und die heute die ersten Reifezeugnisse des hebräischen Gymnasiums legalisiert hat. Bei dieser Mitteilung ging durch die dichtgefüllte Aula des Gymnasiums ein brausender Beifallssturm, wie er sich später nur noch bei der Nennung Dr. Metmanns, des Gründers der Schule, wiederholte. Mossinsohn wandte sich dann an die Abiturienten, segnete ihren weiteren Lebensweg und forderte sie auf, stets mit der Schule in Kontakt zu bleiben. Es folgte dann die Verteilung der Zeugnisse durch Dr. Metmann. In seiner Ansprache wies er darauf hin, daß gerade das Lebensalter, in das der Besuch einer Mittelschule fällt, für die Entwicklung des Charakters und der geistigen Kräfte ausschlaggebend ist. Es folgten weitere inhaltreiche Ansprachen — von B o g r ätsch o f f, der die Abiturienten aufforderte, die Ideale der Schule in die Welt hinauszutragen und die Vermittler zwischen Orient und Okzident, zwischen Juden und Arabern zu sein, von Harari, und die bereits erwähnte Ansprache von Scheinkin. Der Feier wohnten u. a. bei: der Kaimakam, der Chachambaschi, Vertreter der I. C. A., Direktor Levontin, Dr. Thon, Dr. C h i s s i n , die Vorsteher der Jemeniten, Vertreter kultureller Institutionen und der Presse, viele Lehrer und Eltern. Von der Schwesteranstalt in Jerusalem waren erschienen: Schiller, Ethan, Silmann und Kolhitz. — Der Waad von Tel-Awiw veranstaltete am Samstag abend zu Ehren der ersten Abiturienten ein Fest- Eine erfreuliche Entwicklung nimmt auch die landwirtschaftliche Mittelschule in Pethach-Tikwah, die ebenfalls in der letzten Woche ihre Schlußprüfung sowie ihre Generalversammlung abhielt. Zu Beginn des vergangenen Winters wurde die Schule mit acht Schülern eröffnet. Im Laufe des Jahres hat sich die Schülerzahl mehr als verdoppelt. Aus Rußland sind 6 Schüler und aus Amerika ein Schüler aufgenommen worden. Aus Aegypten sind Verhandlungen angeknüpft worden, um von dort eine größere Zahl Schüler zu entsenden. Auf gleicher Höhe standen die Sympathien, die unsere nationalen Institutionen und bekannte Palästinafreunde der neuen Anstalt entgegenbrachten. Im kommenden Jahre werden zwei Klassen bestehen. Eine Wohnung sowie eine Bodenfläche für praktische Uebungen hat die Gesellschaft „Pardes“ unentgeltlich zur Verfügung gestellt. Herr Liebrecht erklärte sich bereit, den Unterricht in der Bienenzucht, Herr Agr. Pascal den in praktischer Arbeit unentgeltlich zu erteilen. Sowohl der finanzielle' Bericht, den Agr. Pascal erstattete, wie der Schulbericht, den der Schulleiter Agr. Dr. Elieser P i c k h o 1 z erstattete, fanden den Dank der Generalversammlung. Für das nächste Jahr wurden in den Vorstand der Schule folgende Herren gewählt: Pascal, Golomb, Salomon, Koben, Chijun, Liebrecht und Streit. Nach der durchaus befriedigenden Entwicklung des ersten Jahres ist mit Zuversicht auf eine weitere segensreiche Wirkung der Schule zu rechnen, falls die in Betracht kommenden Institutionen und Freunde der Anstalt es auch fernerhin an der nötigen Förderung nicht werden fehlen lassen. Der landwirtschaftlichen Mittelschule in Pethach-Tikwah ist eine positive kolonisatorische Bedeutung beizumessen. Denn während Mikweh Israel durch den seit Jahren dort herrschenden französisch-arabischen Geist die Zöglinge zur Auswanderung erzieht und es nur der eingewurzelten Liebe zu Erez-Israel zuzuschreiben ist, wenn dennoch ein beträchtlicher Teil dieser Jugend im Lande verbleibt, wirkt die Schule in Pethach-Tikwah als Anziehungskraft auch für die ausländische Jugend, die wohl nachher zum großen Teile im Lande bleiben und der Kolonisation wertvolle Dienste leisten wird. Unsere Musikschulen in Jerusalem und Jaffa nehmen eine besondere Stellung in unserem Schulwesen ein. Sie werden von dem Hader der Parteien im Judentum nicht berührt und erfreuen sich daher der ungeteilten Sympathie der gesamten Bevölkerung, was natürlich für ihre Entwicklung sehr vorteilhaft ist. Die Jaffaer Schule, vor vier Jahren von Frau Sulamith R u p p i n gegründet, hat jetzt ihr Schulprogramm für das Kommende Jahr veröffentlicht. Für Klavier und Violine ' wird fes außer einem" Anfängerkursus; mödi Vier Kurse mit je zwei Klassen geben. Für andere Instrumente

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