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Die Welt · 1913-08-29 · 35 (29.8.1913) · page 16

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
17 (1913)
Issue
35 (29.8.1913)
Date
1913-08-29
Page
– (sequence 16)
Language
German
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bestrebungen einen neuen Aufschwung verleihen würde. Ich brauche Sie nicht auf die arabischen Zeitungen aufmerksam zu machen, die schon in allem Ernste ihr Interesse der Judenbewegung und dem bevorstehenden Zionistenkongresse in Wien widmen und sogar anerkennen, welchen Einfluß dieser Kongreß „auf die Judenheit und auf die Entwicklung Palästinas gewinnt". („Die Welt", Nr. 33, S. 1067.) Dies wäre also der erste Schritt, der die Juden der dortigen Bevölkerung im Geiste annähern würde. Der zweite, der dann die beiden Bruderstämme den andern semitischen Verwandten entgegenführen sollte, wäre damit halbwegs angebahnt und erleichtert." Herr Semmi Tolkowsky in Rechoboth ersucht uns um Veröffentlichung folgender Beschwerde gegen die Redaktion des „H apoel Hazair" in Jaffa, die wohl ihrerseits Gelegenheit nehmen wird, sich zu den Angaben des Herrn Tolkowsky zu äußern: „Anfang April veröffentlichte der in Jaffa erscheinende ,Hapoel Hazair" einen Artikel, in welchem ich, als Leiter der ,Societe Agricole Semmi Tolkowsky & Co/ in Rechoboth, stark angegriffen wurde, und in welchem mir speziell vorgeworfen wurde, daß ich in der von mir geleiteten Orangerie, entgegen den Sitten des Landes und jeder Menschlichkeit zum Trotz, mich einigemal geweigert hätte, jüdischen Arbeitern oder Wanderern Trinkwasser zu geben. Ich schrieb der Redaktion des Blattes untenstehenden Berichtigungsbrief; der Empfang des Briefes wurde mir auf meine Forderung bestätigt, der Brief selber aber wurde in der Zeitung weder publiziert, noch erwähnt. Daß ein palästinensisches Blatt ein ernstes palästinensisches Unternehmen grundlos angreifen kann, ohne den Angegriffenen zu Worte kommen zu lassen, erscheint mir als ein derart bedenklicher Vorgang, daß es wohl gerechtfertigt ist, die jüdische Öffentlichkeit damit zu befassen. Anbei folgt die Uebersetzung meines Briefes vom 22. April an den ,Hapoel Hazair*. „An den Chefredakteur des ,Hapoel Hazair*, Jaffa. In Ihrer Nummer vom Anfang April werde ich von dem Verfasser eines ,Orach* gezeichneten Briefes erstens persönlich und dann als Leiter der belgischen Landwirtschaftsgesellschaft angegriffen; der letztere Umstand macht es mir zur Pflicht, auf den Artikel zu antworten. Ihr Mitarbeiter wirft mir eine Reihe von Handlungen vor, von denen die meisten ganz und gar erfunden sind, während er einige andere in einer Art erzählt, welche der Wirklichkeit sehr wenig nahekommt. Ich habe nicht die Absicht, midi in eine Polemik einzulassen, denn ich bin nach Palästina gekommen, um zu arbeiten und nicht, um mit Journalisten zu streiten; aber ich bin der Ansicht, daß meine Pflicht mir gebietet, dem Publikum zu zeigen, was in dem betreffenden Artikel Unwahres und Illoyales ist. Ihr Korrespondent erzählt zwei Geschichten, worin es sich um Wasser handelt: einerseits wirft er mir vor, daß ich mich geweigert hätte, einem jüdischen Maurermeister, der in der Nähe unserer Orangerie arbeitet, das Wasser zu geben, welches er zu seiner Arbeit unbedingt brauchte; andererseits beschuldigt er mich, durstigen jüdischen Arbeitern Trinkwasser verweigert zu haben. Der Sachverhalt ist folgender: Alle Welt weiß, daß es im Winter in keiner Orangerie frisches Wasser gibt, und zwar aus dem sehr einfachen Grunde, weil die Bewässerungsarbeit nur den Sommer über dauert, Motore und Pumpen also während des Winters ruhen. Was tut man also? Bevor man im Herbst den Motor und die Pumpe auseinandernimmt, füllt man ein letztes Mal das Wasserreservoir (die ,Birkeh*); und das also aufgespeicherte Wasser muß für alle Bedürfnisse der Menschen, Tiere und Pflanzen während des ganzen Winters genügen. Man muß mit dem Verbrauch dieses Wassers sehr sparsam sein, weil ja das Quantum begrenzt ist; speziell bei uns muß man um so sparsamer sein, als in unserem Wasserreservoir eine nicht unbedeutende Fischzucht existiert. Ungefähr um die Mitte des vergangenen Winters unternahm Herr T_, ein Maurermeister, die Errichtung einiger Gebäude in der Nähe unserer Orangerie und bat mich um die Erlaubnis, aus unserem Reservoir das für seine Arbeit nötige Wasser entnehmen zu dürfen. Ich gab ihm sogleich die gewünschte Erlaubnis, machte ihn aber darauf aufmerksam, daß er sparsam sein müsse, damit die Fische nicht litten. In der Tat hat Herr T. dann so viel Wasser aus dem Reservoir entnommen, als er wollte, bis er eines Tages einsah, daß das übrig, gebliebene Wasser kaum noch für die Fische genügte; sogleich hörte er von selber auf, Wasser aus unserem Reservoir zu nehmen und holte fortab in der Regel das nötige Wasser aus dem Reservoir einer benachbarten Orangerie. Jedoch kamen nachher noch einigemal arabische Arbeiter des Herrn T., um Wasser bei mir zu holen; ich beklagte mich darüber bei Herrn T., welcher mir versprach, dafür zu sorgen, daß es nicht mehr geschehe. Da sie aber trotzdem fortfuhren, Wasser aus unserem Reservoir zu entnehmen und eines Tages dabei von unserem Verwalter überrascht wurden, schüttete dieser einen . Eimer Wasser aus, welchen sie gerade gefüllt hatten und schickte sie fort. Ich war an diesem Tage zufällig nicht in der Orangerie; ich nehme aber die Verantwortung für die Handlung meines Verwalters auf mich, denn sie war absolut gerechtfertigt und den Sitten des Landes gemäß. Niemals dagegen ist es in unserer Orangerie vorgekommen, daß man einem Juden oder Nichtjuden, wer es auch sei, Trinkwasser verweigert oder ausgeschüttet hätte. Und hier komme ich zur zweiten Tatsache, die Ihr Korrespondent mir zur Last legt. > Als ich vor etwas mehr als einem Jahre nach Palästina kam und die Leitung der Orangerie in meine Hände überging, war meine erste Sorge die Verbesserung der hygienischen Arbeitsbedingungen für unsere jüdischen Arbeiter. Und bevor ich noch die Magazine und Stallungen erbaut hatte, welche für unser Unternehmen unbedingt notwendig waren, errichtete ich für unsere Arbeiter ein Brausebad und ein hygienisches Wasserklosett, und ich ging in meiner Fürsorge sogar so weit, daß ich einen großen Samovar aufstellte, damit sie zur heißen Mittagszeit immer ein gesundes Getränk zu ihrer Verfügung hätten. Als der Winter herankam, überzeugte ich mich bald, daß das Wasser des großen Reservoirs, welches den ganzen Winter lang, ohne erneuert zu werden, stehen bleibt, sich zum Trinken für die Leute nicht eignet; daraufhin errichtete ich, ohne mich durch die beträchtlichen Kosten abschrecken zu lassen, eine besondere, von dem Motor unabhängige Handpumpe, welche den ganzen Winter hindurch frisches, gesundes Trinkwasser lieferte. Angesichts dieser Tatsachen, deren Richtigkeit ein jeder sehr leicht nachprüfen kann, frage ich: wer kann glauben, daß man in unserer Orangerie jüdischen Arbeitern kein Trinkwasser geben will? Im Gegenteil, dank der neuen Handpumpe ist unsere Orangerie die einzige, wo man im Winter Trinkwasser finden kann. Nun besitzt unsere Orangerie, wie jedes anständig geleitete Gut, ein Tor, das offen steht, solange irgendeiner unserer Leute auf dem Hofe anwesend ist; aber, wenn die Angestellten den Hof verlassen und in die Pflanzungen hinuntergehen, schließen sie selbstverständlich das Tor. Jedoch selbst dann würden etwaige Passanten nicht ohne Trinkwasser bleiben, denn seit dem Monat November habe ich draußen, neben dem Tor, einen automatischen Wasserhahn eingerichtet, der durch einfachen Druck auf einen Knopf Trinkwasser aus einem von der Handpumpe gespeisten speziellen Reservoir erhält. Es ist wahr, daß einigemal Araber von dem Hofe verjagt wurden, die Wasser trinken wollten. Aber derjenige, der diese unmenschliche Handlungsweise begangen hat, war weder ich, noch meine Angestellten, sondern einer der beiden Wächter, ' die die Wächterorganisätion ,Haschomer‘, der ich kontraktlich die Bewachung unserer Orangerie übertragen habe, daselbst einquartiert hat. Alle meine Vorstellungen haben nichts ge- Dies ist die Wahrheit. Ich hätte Ihren Korrespondenten noch entschuldigen können, wenn er durch Andere falsch informiert worden wäre; aber auch dies trifft nicht zu. Denn etwa 14 Tage vor dem Erscheinen seines Artikels hatte ich bereits gehört, daß Ihr Korrespondent die ganze Geschichte, wie sie in dem Artikel dargestellt ist, einigen fremden Touristen erzählt hatte. Ich habe damals sogleich von ihm Rechenschaft gefordert, und es wurde vor verschiedenen Zeugen festgestellt, daß alle seine Aussagen unrichtig sind. Es tut mir leid, daß ein Blatt wie der ,Hapoel Hazair* seinen Raum solchen Angriffen leiht. Dergleichen grundlose Angriffe sind nicht geeignet, einen Betriebsleiter zur Beschäftigung jüdischer Arbeiter anzuspomen; im Gegenteil. Empfangen Sie, Herr Redakteur, usw. Semmi Tolkowsky." Die Entwürfe des Haifaer Technikums in der Leipziger Baufach - Ausstellung Die Modelle des im Bau befindlichen Technikums und der Mittelschule in Haifa sind in der Internationalen Baufach- Ausstellung in Leipzig und zwar in der Haupthalle des Gebäudes „Architektur des zwanzigsten Jahrhunderts** ausgestellt.

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