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Die Welt · 1913-08-29 · 35 (29.8.1913) · page 9

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Journal
Die Welt
Volume
17 (1913)
Issue
35 (29.8.1913)
Date
1913-08-29
Page
– (sequence 9)
Language
German
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1133 DIENTE LT Nr. 35 die der Landwirtschaft, dem Handel und dem Handwerk gewidmet ist, die Juden absolut ausgeschlossen wurden. Wenn man nun weiß, welche Rolle die Juden im ganzen Wirtschaftsleben Polens spielen, so kann man sich vorstellen, zu welcher lächerlichen Karikatur diese „judenreine Ausstellung“ geworden ist. Aber, was verschlägt’s. Die polnische Ehre ist gerettet, wenn man den jüdischen Gewerbetreibenden, die für eine Beteiligung an der Ausstellung etwa in Betracht kämen, brieflich mitteilt, daß sie. als Juden boykottiert werden. Sogar einige botanische Merkwürdigkeiten eines jüdischen Gärtners hat man nicht aufgenommen, weil sie „jüdischer Herkunft“ sind. Wenn der ‘Boykott also nicht an der wirtschaftlichen Unmöglichkeit seiner Durchführung scheitern sollte, so wird er vielleicht doch noch eines -Tages an seiner Lächerlichkeit ein Ende finden. EIN WELTVERBAND ZIONISTISCHER STUDENTEN Von Dr. M. Sackheim-Jardeni, Berlin*). Im Laufe der letzten Jahre ist die Tendenz zu engerem Zusammenschluß bei der zionistischen Studentenschaft aller Länder deutlich hervorgetreten, und sie hat sich immer mehr in Aktivität umgesetzt. Die zionistischen Studentenvereine aus Rußland haben sich in Deutschland und in der Schweiz zu einem Kartell verbunden, in Amerika sind weitere Organisationsbestrebungen zutage getreten, auch in Oesterreich sind Zusammenschlüsse versucht worden. Auch die noch nicht zionistische nationale Studentenschaft zeigt dasselbe Bestreben. Analog dem „Bunde jüdischer Corporationen“, der die „Vereine jüdischer Studenten“ in Deutschland vereinigt, haben die osteuropäischen Studenten in einer Konferenz in Zürich, auf der 1300 Studenten vertreten waren, den Grundstein zu einem großen jüdisch-nationalen Bunde gelegt. Die akademische Jugend in Italien organisiert sich und hält interessante Konferenzen ab. Reges Leben hat in die studentischen Kreise jetzt die Frage einer jüdischen Universität gebracht. In Oesterreich haben die Universitätskämpfe die jüdischen Akademiker zu energischer Arbeit angespornt. Es bestehen jetzt größere oder kleinere Kartelle zionistischer Studentenvereine innerhalb der deutschen, russischen, niederländischen, englischen und amerikanischen Studentenschaft. Der Wiener Kongreß, auf dem doch sicher auch zahlreiche Studenten erscheinen werden, böte die beste Gelegenheit für eine große Studenten-Konferenz, die die Gründung eines Weltverbandes herbeiführen sollte. Die wichtigste Vorbedingung eines solchen Verbandes, die Kartelle und Landesverbände, aus denen auf förderativer Basis der Weltverband hervorgehen könnte, ist ja erfüllt. Nur die zahlreichen Verbindungen Oesterreichs bilden noch eine Ausnahme. Es dürfte auf Ursachen lokaler Natur zurückzuführen sein, daß sie sich bis jetzt nicht organisieren konnten, jedenfalls sind aber — wie mir mit den Verhältnissen vertraute Oesterreicher versichert haben — die Hindernisse einer Kartellierung auch dort nicht unüberwindlich. Und gerade jetzt auf dem Wiener Kongreß wäre der beste Anlaß, einen Versuch zu machen zur Bildung eines großen Landesverbandes. Diese Zeilen haben den Zweck, die Frage des Weltverbandes jetzt auf die Tagesordnung der Verbindungen zu bringen, und zwar geht mein Vorschlag konkret dahin: Die zionistisch en^ Verbindungen mögen sich in Versammlungen zu dieser Frage äußern, zu ihr Stellung nehmen, Vertreter zu einer im Anschluß an den Kongreß einzuberuf enden Konferenz wählen und ihnen Direktiven erteilen. Diese Konferenz soll sich von der in Basel beim vorigen Kongreß abgehaltenen dadurch unterscheiden, daß an ihr nicht einzelne Studenten teilnehmen, sondern Vertreter der organisierten Vereine. Aber erst dann kann auf einer solchen Konferenz Positives geleistet werden, wenn die einzelnen Vereine die Frage vorher diskutiert und Resolutionen gefaßt haben. Denn ohne diese Vorarbeit wird die Konferenz nur in uferlosen, unersprießlichen. Debatten die Zeit vergeuden, die Vertreter der *) Vgl. auch den gleichnamigen Artikel in Nr. 39" des vorigen Jahrgangs der „Welt". verschiedenen Vereine werden von neuem die schon so oft wiederholten Argumente pro oder kontra Vorbringen, und man wird sich, wie dies bei derartigen ungenügend vorbereiteten Zusammenkünften in der Regel zu geschehen pflegt, erst vor Schluß der Versammlung auf einen konkreten Beschluß einigen. Es ist aber dann höchste Zeit, auseinanderzugehen, und so wird die Sache einer Kommission übergeben werden, die von vornherein zur Untätigkeit verurteilt ist, da ihre Mitglieder über ganz Europa zerstreut sind. Die Bewegung wird also wieder im Sande verlaufen. Die Tagesordnung der Wiener Konferenz soll umfassen: 1. Konstituierung der Konferenz; 2. Einleitendes Referat; 3. Bericht der Landes- und Gruppenverbände; 4. Kurze Debatte; 5. Beschlußfassung, Gründung und Konstituierung des Weltverbandes und Aufstellung eines vorläufigen Arbeitsprogramms. Aus dem Aufgabenkreis eines Weltverbandes, der nur von ihm allein und nicht von Einzelvereinen in Angriff genommen werden können, sollen hier kurz erwähnt werden: 1. Der Kampf um die Anerkennung der jüdischen Nationalität an den Hochschulen. Es. bedarf wohl keiner weiterer Auseinandersetzung, daß ein großer Weltverband von Verbindungen aller Länder schon an sich auch den Außenstehenden als lebendiger Beweis einer existierenden jüdischen Nation gelten muß. Den Kundgebungen und Forderungen der Einzelvereine werden dann die 'Hochschulbehörden mehr entgegenkommen müssen als jetzt, wo sie einzeln in jedem Lande von den assimilatorischen Kreisen als eine „vaterlandslose" kleine Minorität hingestellt werden. Ein Weltverband würde aber jede noch so kleine Verbindung zu einem Gliede der Majorität der jüdischen Studenten machen. Das Ansehen jeder Verbindung und die Ehre der jüdischen Fahne würde mit einem Schlag durch die numerische und moralische Stärke des Verbandes bedeutend steigen. Eine ähnliche Erscheinung sehen wir jetzt bei der..jüdischen Turners chaft. Auch diese muß schwer um die Anerkennung ihrer jüdischen Nationalität bei den olympischen Spielen und internationalen Turnveranstaltungen kämpfen, und sie fordert jetzt alle jüdischen Turnvereine, zum Zusammenschluß in einen großen Verband auf, ohne welchen das Ziel nicht erreicht werden kann, denn den einzelnen Vereinen wird das Recht, im Namen der jüdischen Nationalität aufzutreten — nicht mit Unrecht —, abgesprochen. Es sei übrigens darauf hingewiesen, daß die Existenz eines zionistischen Turnverbandes die Bemühungen eines Studentenverbandes in dieser Richtung fördern wird — und umgekehrt. 2. Palästina. Hier sollen zunächst folgende Aufgaben in den Vordergrund gerückt werden: a) Veranstaltung regelmäßiger Palästinareisen. Darüber braucht man nicht viel Worte zu verlieren. Es ist allgemein bekannt, welche tiefe und nachhaltige Wirkung das neu erblühende jüdische Leben in Palästina auch auf Nichtzionisten übt. Diese Reisen werden auch eine gegenseitige Annäherung der jungen Zionisten aus den verschiedenen Ländern, anbahnen, ..ein Umstand, der gewiß nicht zu unterschätzen. ist. ...

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