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Die Welt · 1913-08-29 · 35 (29.8.1913) · page 10

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Journal
Die Welt
Volume
17 (1913)
Issue
35 (29.8.1913)
Date
1913-08-29
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Mc-^re.-r Nr.35 b) In Verbindung mit den Palästinareisen: Gründung hebräischer Ferien- oder Semesterkurse für hebräische Sprache und Literatur, jüdische Geschichte, Palästina- und Orientkunde, wie ähnliche Einrichtungen fast an allen französischen und vielen deutschen Universitäten existieren, um Ausländer mit der Sprache und Literatur der betreffenden Nation in kurzer Zeit bekannt zu machen. Noch lange bevor der zionistische Student aus der Diaspora ein paar Semester an der „Landesuniversität in Jerusalem“ studieren kann, würde ihm in diesen Kursen Gelegenheit gegeben, einige Monate in Palästina zu verleben und dort Sprache, Land und Leute kennen zu lernen. Solche Kurse können schon in den nächsten Ferien veranstaltet werden. An Lehrkräften ist schon jetzt in Palästina kein Mangel, auch die an sich nicht bedeutenden Kosten werden leicht zu beschaffen sein. Man spricht jetzt so viel von dem Projekt der hebräischen Universität. Vielleicht wären solche Kurse ein Grundstein, aus dem mit der Zeit, in Verbindung mit ähnlichen Instituten, das stolze Gebäude einer philosophischen Fakultät hervorgehen kann. Ich hebe diese Aufgaben besonders hervor, um denjenigen unter uns, die jedem neuen Beginnen skeptisch gegenüberstehen und in diesem Fall die stereotype Frage aus der Hagada stellen: Wozu die Arbeit? Wozu eine neue Organisation, und wird diese denn das tun können, was den Einzelvereinen nicht möglich ist? — die Bedeutung eines Weltverbandes an Hand konkreter Beispiele vor Augen zu Diese drei Aufgaben sind konkrete Forderungen, deren Lösung allein in den Händen der Akademiker ruht. Es sind Aufgaben, die von einem großen Verband sofort in Angriff genommen und mit Erfolg bewältigt werden können. Es sind keine großen Zukunftspläne, sondern Gegenwartsarbeit im Bereiche der sofortigen Möglichkeit. 3. Was aber Zukunftspläne anbetrifft, so bietet sich dem Verbände ein großes Arbeitsfeld in kultureller Hinsicht. Dazu gehört in erster Reihe die obligatorische Einführung des Studiums der hebräischen Sprache. Wenn auch nicht zu verkennen ist, daß ein Teil unserer Studentenschaft sich in den letzten Jahren mit großem Eifer der Erlernung des Hebräischen widmet, so bleibt doch auf diesem Gebiete noch viel zu wünschen übrig. Hier muß und kann Wandel geschaffen werden. Ferner kommt eine großzügige Agitation für die Errichtung von Kulturinstituten in Palästina: Universität, Theater, naturhistorisches und Kunstmuseum usw. in Betracht. Die Frage einer jüdischen Universität ist jetzt akut geworden, und ohne Zweifel werden wir in absehbarer Zeit eine Hochschule in Jerusalem haben. Von einem großen Weltverband zionistischer Akademiker, der in der ganzen Diaspora für dieses Ideal wirkt und wirbt, kann es aber abhängen, ob wir die Universität schon nach 10 oder erst nach 50 Jahren haben werden. Nicht minder wichtig ist die Schaffung eines hebräischen Theaters, insbesondere für die Entwicklung der hebräischen Sprache und Literatur. (Man bedenke, daß ohne das norwegische Theater kein norwegischer Ibsen möglich wäre!) ' Die große propagandistische Bedeutung eines hebräischen Theaters werden viele erst nach den hebräischen Aufführungen auf dem Kongresse begreifen lernen. Einmal ein hebräisches Stück sehen, wirkt sicherlich mehr, als zwanzig deutsche Bücher über das Hebräische lesen. Ein großer akademischer Welt verband, der die ganze Diaspora umfaßt, wird nicht nur viel ersprießliches in der Agitation und Propaganda leisten, sondern auch von eminenter politischer Bedeutung sein. Er wird unsere nationale Garde' sein, die all das wird verwirklichen können, was wir jetzt nur vorahnen, unsere Zukunftsträume, die manchen von uns utopisch Vorkommen, es aber in Wirklichkeit gar nicht sind. Unsere Kongresse entwickeln sich und bilden sich immer mehr zu dem aus, was sie eigentlich sein sollten, zu einem Brennpunkt alles Jüdischen, wo unsere besten Bestrebungen sich konzentrieren und widerspiegeln, Licht und Wärme verbreitend. Der Kongreß besitzt schon jetzt die hohe Gabe der Exterritorialität. Bevor er dem jüdischen Volke ein ewiges, freies Territorium im Lande seiner Väter schafft, bietet er ihm schon jetzt ein vorübergehendes Heim. Denn überall, wo der Kongreß tagt, in Basel und in London, im Haag und in Hamburg, schafft er ein jüdisches Milieu, eine jüdische Atmosphäre, man fühlt dort stärker den Pulsschlag des jüdischen Lebens, man fühlt sich „wie in Erez-Israel“. Der Kongreß wird zu einer jüdischen Heerschau, die unsere Kraft und unseren Willen vor aller Welt manifestiert. Während des Kongresses tagen die Histadruth, unsere Turnerschaft. Es finden Palästina-, Nationalfonds- und andere Ausstellungen statt. Diesmal werden wir auch ein wirkliches hebräisches Theater haben. Zu diesen Tagungen soll sich von jetzt ab die Konferenz des Weltverbandes zionistischer Studenten gesellen. Neben dem großen Kongreß der Väter, der Männer Israels, wird auch der Kongreß derjungen, der Söhne, seine Sitzungen abhalten. Der Jugendkongreß wird die Brücke, die Einführung und Vorbereitung zum großen Kongreß sein, denn die Studenten von heute sind ja die führenden Zionisten von morgen. Und statt unserer Vielsprachigkeit werden bald auf diesen Kongressen ein Geist und eine Sprache herrschen. Der Grundstein sollte auf dem bevorstehenden Kongresse, in der Stadt Theodor Herzls, gelegt werden. BeachtenSie die nactastehBndBn wichtigen Mitteilungen Ober die RongreBausgabe der ..Beit". /. Erscheinunpstermin No. 1 Mittwoch, 3. September „ 2 Donnerstag, 4. „ „ 3 Freitag, 5. „ „ 4 Sonntag, 7. „ „ 5 Dienstag, 9. „ „ 6 Mittwoch, 10. 2. Expedition: Den Beziehern in Deutschland geht die Kongressausgabe durch Postuberweisung, d. h. in der üblichen Form zu. Reklamationen aus Deutschland über verspätetes oder gar nicht erfolgtes Eintreffen sind daher an die Postbestellanstalt des fraglichen Beziehers oder an den Briefträger, keinesfalls aber an den Verlag zu richten. 3. JReklamationen: Reklamationen aus allen Ländern richte man an den Verlag der „Welt“, Berlin W 15, Sächsische Straße 8. Alle Bestellungen und Sendungen für die „Welt“ sind bis 9. September nach Wien, Giselastr. 12, zu adressieren.

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