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Die Welt · 1913-08-22 · 34 (22.8.1913) · page 11

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
17 (1913)
Issue
34 (22.8.1913)
Date
1913-08-22
Page
– (sequence 11)
Language
German
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Nr. 34 DlEI/tfELT 1099 ein Vertikalriß das Gefüge dieser zyklopenhaften Mauer gelockert." „Nichts gibt so wie dies monumentale Glacis von dem hohen Kulturniveau, von dem stolzen Kraftgefühl seiner einstigen Bewohner und Erbauer eine deutliche Vorstellung." Nicht minder interessant sind die Ausgrabungen in Lama r i a, für die der bekannte amerikanisch-jüdische Philanthrop Jacob Schiff mehr als 300000 Eres, gestiftet hat. „Nächst Jerusalem" — heißt es in dem mehrfach erwähnten Bericht — „ist Samaria die Stätte, wo der größte Glanz der nationalisraelitischen Königszeit sich abspielte ... in der Tat ein Arbeitsfeld, würdig der außerordentlichen Mittel und Kräfte der neuen Welt." Die Grabung in Samaria übertrifft auch alle bisher in Palästina ausgeführten ähnlichen Untersuchungen. Sie ist noch nicht vollständig. Die Ausgräber sehen in einem Bau „die Reste des alten Königspalastes, die Residenzgemächer Omris, Achabs und Jehus", während andere darin den von diesen stark zum Heidentum neigenden Königen erbauten Tempel des Baal erblicken wollen. Bekannt ist, daß sich dort ein Haufe althebräischer, auf Tonscherben geschriebener Quittungen über Lieferungen von Oel und Wein gefunden haben, die bestimmt auf den Beginn der israelitischen Königszeit hin weisen. „Wie vieles von allererster Bedeutung ist hier noch zu suchen und zu finden: der Palast des Herodes, die Gräber der alten Könige, der Zeitgenossen Elias und Die Grabung in Jerusalem, auf dem Hügel Ophel südlich vom Tempelplatz, hat durch den Schleier, der über Veranlassung, Zustandekommen, Durchführung und plötzliches Ende derselben gebreitet war, ein unliebsames Aufsehen erregt. Der Kuriosität halber sei hier erwähnt, daß der Jerusalemer Korrespondent des „Near East" vom 2. Mai es fertig bringt, die ganze Angelegenheit — den Jungtürken in die Schuhe zu schieben . . . Eine wertvolle Studie über die wissenschaftlichen Ergebnisse dieser Grabung hat H. Vincent geliefert. Interessant ist, daß Dr. Elias Auerbach in Haifa auf Grund seiner literarischen und biblischen Studien zur Annahme eines alten Kanals gelangt ist, dessen Vorhandensein an dieser Stelle jetzt auch von Vincent, allerdings ohne allgemeine Zustimmung, behauptet wird. Große archäologische Ueberraschungen brachte auch die Grabung des „Palestine Exploration Fund" in Ain-Schams, dem biblischen Beth-Schemesch. Die alte kanaanitische Stadtmauer wurde in ihrer ganzen Ausdehnung aufgedeckt. Die viereckige Mauer umschloß ein Stadtgebiet von etwa 3Vs ha. Die Mauerdicke beträgt 2Vs m. Die Zeit der Erbauung dieser Mauer dürfte etwa um 1400 v. Chr. anzusetzen sein. Im 11. Jahrhundert fiel die kanaanitische Stadt einer Eroberung, wahrscheilich durch die Israeliten, zum Opfer, bei der sie durch Feuer zerstört wurde. Ueber der überall bemerkbaren Brandschicht lag eine neue, unbefestigte Siedlung, die Stadt zur Zeit der jüdischen Könige. Während in der kanaanitischen Schicht die Keramik ägäisch-kyprischen Import bekundet, desgleichen auf Philister-Einfluß hindeutet (mykenische Bügelkannen, kyprische Halsringkannen) und ägyptische Importstücke (Alabastervase, Skarabäen, Isisstatuetten) auf die Beziehungen zu Aegypten verweisen, gibt es in der jüdischen Schicht keinen ägäischen Import und keine Philister-Ware mehr. Im 6. Jahrhundert scheint die Stadt (wohl durch Nebukadnezars Eroberung) ihr Ende gefunden zu haben, um dann erst nach einem Jahrtausend der Verödung in byzantinischer Zeit wieder aufgebaut zu werden, wovon ein großer chanähnlicher Bau zeugt. — In der Mitte des alten Stadtgebietes kamen fünf umgestürzte Steinpfeiler zutage, offenbar das alte heidnische Sonnenheiligtum, nach dem die Stadt einst benannt war (Beth- Schemesch Sonnenhaus). Dieser kurze Ueberblick auf die letzten Grabungen in Erez-Israel zeigt uns zweierlei: zunächst, daß die Ausgrabungen sowie die gesamte Palästinaforschung für uns Juden das größte Interesse haben müßte, sodann, daß trotz der Beteiligung einzelner reicher Juden an den Kosten der Grabungen das Judentum bei dieser Arbeit nicht zur Geltung kommt . . . Wir müssen mit Bedauern zugeben, daß Jahrzehnte hindurch die Palästinaforschung zum größten Teil von christlichen Gesellschaften betrieben worden ist, die natürlich in bezug auf Zweck und Wahl der Arbeiten andere Gesichtspunkte als wir walten ließen. Es kann ja nicht wundernehmen, wenn diesen Gesellschaften die Klärung einer Frage, die die Angaben des neuen Testaments betrifft, viel wichtiger erscheint, als viele Probleme der Palästinakunde, die sich aus dem Studium des palästinischen Talmuds und der palästinischen Midraschim ergeben. Ueberhaupt interessiert den Nichtjuden fast nur die Vergangenheit Palästinas, während wir Juden auch das alte Palästina im Hinblick auf die Gegenwart und Zukunft zu erforschen suchen. Ein jüdischer Verein für Palästinaforschung. Alle diese Umstände verlangen gebieterisch, daß die jüdischen Kreise sich intensiv der Palästinaforschung zuwenden. Auch der Umstand, daß die bisherigen Forschungsergebnisse zumeist in Sprachen veröffentlicht waren, die dem größten .Teil der Juden nicht geläufig sind, stand uns bis jetzt im Wege. Mit Recht weist auch Dr. A. B. Rosenstein, der sich bekanntlich durch seine Bemühungen um die Errichtung meteorologischer Stationen in Palästina verdient gemacht hat, in einem Aufsatz im „Hapoel Hazair" darauf hin, daß wir Juden schon aus dem Grunde, weil wir bereits jetzt in großer Zahl in verschiedenen Gegenden des Landes wohnen, auch mit relativ geringen Mitteln unvergleichlich mehr als die ausländischen Forscher, die nur für kurze Zeit ins Land kommen, leisten könnten. In dem oben angeführten Heft des deutschen Palästinavereins stellt z. B. Ludwig Köhler einige Dutzend sehr beachtenswerter Fragen zur Palästinakunde, „die sich dem wissenschaftlichen Arbeiter in Europa aufdrängen, die aber nur der in Palästina, der sich eine von ihnen oder einen sachlich zusammenhängenden Kreis aus ihnen zur Behandlung ausliest, befriedigend zu beantworten imstande ist." Alle diese Gründe haben dazu geführt, in Palästina selbst einen jüdischen Verein für Palästinaforschung zu schaffen. In letzter Zeit hat die Zahl der jüdischen Fachgelehrten auf verschiedenen wissenschaftlichen Gebieten in Palästina stark zugenommen. Es sei nur erinnert an die jüdisch-medizinische Gesellschaft in Jaffa und Jerusalem, an das Jerusalemer Gesundheitsamt, an die landwirtschaftliche Versuchsstation in A11 i t usw. Auch die Zunahme der Ingenieure, der chemischen Laboratorien, der höheren Lehranstalten usw. war für die neue Gründung günstig. Der Verein zählt vorläufig über 70 Mitglieder. Zu den ersten Aufgaben des Vereins gehört die Einrichtung einer wissenschaftlichen Bibliothek und eines Museums für Landeskunde, die weitere Ausgestaltung der meteorologischen Stationen sowie die Herausgabe geeigneter Schriften in hebräischer Sprache, um die weitesten jüdischen Voikskreise für die Palästinakunde zu interessieren. In den Vorstand des Vereins wurden gewählt: David Jellin (Vorsitzender), Dr. Braver, Dr. A. M.asie, A. M. Lipschitz, Dr. Rosenstein und Dr. Wald- Vorträge und Versammlungen Dieser Tage fand in der Aula des Jaffaer Gymnasiums die erste vom Hapoel Hazair veranstaltete Kongreßversammlung statt, zu der sich ein zahlreiches Publikum eingefunden hatte. Referent war Redakteur Aronowitz, der sich hauptsächlich gegen die Aufrollung der Universitätsfrage wandte, von der er eine Beeinträchtigung der landwirtschaftlichen Kolonisation befürchtet. Diesen Ausführungen traten in der Diskussion die Herren Barsilai, Jakob Rabinowitz, Dr. Bogratschoff und J. Feldmann entgegen.

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