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Die Welt · 1913-08-22 · 34 (22.8.1913) · page 10

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Journal
Die Welt
Volume
17 (1913)
Issue
34 (22.8.1913)
Date
1913-08-22
Page
– (sequence 10)
Language
German
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1098 LT Nr. 34 die Landsmannschaften stellen mußten, nicht zu behaupten vermochten. Es hatte beinahe den Anschein, als mangele den Zionisten in ihrer Mehrheit das Verständnis für derartige organisatorische Notwendigkeiten und als sei die Opferwilligkeit für den Nationalfonds großenteils auf den Grundgedanken dieser Institution zurückzuführen, der dem romantischen Empfinden in so hohem Grade entgegenkommt. Wenn wir jetzt endlich im Zionistischen Zentralfonds das fehlende Instrument haben, und ' wenn es gelingen wird, die Einrichtung in gehöriger Weise auszubauen, so bedeutet das einen organisatorischen Fortschritt, dessen Bedeutung nicht hoch genug veranschlagt werden kann. Wir werden damit das Werk, das mit der Einsetzung des Schekels begann, zu einem vorläufigen Abschluß bringen und dem Ansehen, auf das die Bewegung dank ihrer ideellen Werte Anspruch erheben darf, auch einen materiellen Rückhalt geben. Was bisher für diesen Fonds gespendet wurde, ist ein kleiner Anfang. Aber er beweist, daß sich die Einsicht durchgesetzt hat, daß der Zentralfonds berufen ist, eine Lücke in unserer Rüstung zu füllen, die unser ganzes Werk auf die Dauer gefährden mußte. Die Eingänge werden sich in kurzer Zeit verdoppeln und verdreifachen müssen, wollen wir all den Aufgaben gerecht werden, die sich uns auf kulturellem und politischem Gebiete entgegenstellen. Viel persönliche Opferwilligkeit und organisatorische Kleinarbeit wird noch von einem jeden von uns verlangt werden müssen, um dieses Ziel zu erreichen, aber: der Anfang ist gemacht, die zionistischen Massen sind für die Sache des Zentralfoiids gewonnen! Der Kongreßtag, zu dem jetzt viele Hunderte zionistischer Gruppen und Vereine rüsten, wird und muß ihm eine bedeutende Stärkung bringen. Denn der Zusammenhang zwischen dem Kongreß und dem Fonds, mittels dessen seine Beschlüsse zur Durchführung gebracht werden sollen, ist so sinnfällig, daß die Gebefreudigkeit jedes einzelnen, der sich am Wiener Kongreß interessiert fühlt, aufs höchste angespannt werden muß. Denn dieser Kongreß — wie auch immer seine Beratungen verlaufen mögen — wird stärker sein als alle früheren, weil die Delegierten im Zentralfonds eine Stütze finden werden für alle Aufträge, die sie dem kommenden E. A. C. auch geben mögen. Die Arbeiten des Kongresses finden diesmal ihre notwendige und natürliche Ergänzung in den Kongreßtagen. Die machtvolle Kundgebung unseres Volkswillens findet dort ihre gewaltige Resonanz. So verwachsen Kongreß und Kongreßtag zu einer einheitlichen Aktion, an der jeder einzelne Zionist Anteil haben soll, und all die guten Wünsche, die die Arbeit des Kongresses begleiten, finden ihren konkreten Ausdruck in den Sammlungen für den Zentralfonds. C W M PALÄSTINA-RUNDSCHAU Erez-Israel einst und jetzt (Von unserem Berichterstatter.) Geber Palästina wird heute von Juden und für Juden ziemlich viel geschrieben. Dank der unermüdlichen zionistischen Werbearbeit ist Erez-Israel den zeitgenössischen Juden nicht mehr ein abstrakter, wesenloser Begriff. Das reale Palästina, namentlich sein frisch pulsierendes jüdisches Leben, ist in den Gesichtskreis der Allgemeinheit gerückt. Auch die immer mehr zunehmenden jüdischen Gesellschaftsreisen nach Palästina haben das ihrige zur Belebung des Interesses für das Land der Väter beigetragen. Aber es ist meist das gegenwärtige Erez-Israel mit seinen Leiden und Freuden, mit seinen verheißungsvollen Keimen einer besseren Zukunft, das vorläufig Herz und Gemüt des modernen Juden fesselt. Das Palästina der Vergangenheit, das so reich an historischen Erinnerungen aller Art ist, steht leider noch außerhalb des allgemeinen Interesses. Gesteht doch selbst ein so warmherziger Palästina-Freund wie Dr. J. Klausner im letzten „Haschiloah“-Heft, er sei nicht romantisch genug, um bloß der teuren Gräber wegen nach Palästina zu gehen. Als ob die Vergangenheit Palästinas nur tote Gräber und nicht auch vielfältige Beziehungen zur Gegenwart und Zukunft des Landes in sich schlösse ... Es ist auch eine nicht unverdiente Ironie, daß gerade ein christlicher Gelehrter bei Besprechung des vom Wiener Palästina-Informationsbureau herausgegebenen „Kleinen Reiseführers durch Palästina“ die Bemerkung machen durfte: „Bei einer neuen Auflage des Führers könnten die jüdischen Altertümer noch mehr berücksichtigt werden“ . . . Die Ergebnisse der jüngsten Ausgrabungen. Und doch befindet sich die Palästinaforschung gerade in den letzten Jahren in erfreulichem Aufschwung. Der archäologische Jahresbericht, den Professor Thiersch im ersten Heft des 36. Bandes der „Zeitschrift des Deutschen Palästina- Vereins“ über die wichtigen neuen Ausgrabungen in Jericho, Samaria, Beth-Schemesch und Jerusa- 1 e m (Ophel) erstattet, bietet ein höchst interessantes Bild von der emsigen und erfolgreichen Forschungsarbeit, die in letzter Zeit in Palästina geleistet worden ist. Die Grabung in Jericho steht bekanntlich unter der Leitung von Prof. Sellin. Die reichen Mittel, die ihm von der Deutschen Orient-Gesellschaft zur Verfügung gestellt wurden, ermöglichten die Beschäftigung von ca. 200 Arbeitern und die Benutzung einer Feldbahn. Die Ausgaben beliefen sich auf 68 000 Frcs. In dem genannten Berichte heißt es mit Bezug auf diese Grabungen: „Am Schnittpunkte dieses uralten Verkehrsweges (der großen Meridionalstraße) mit einem zweiten, ebenso alten und wichtigen, der in ostwestlicher Richtung von Moab herüber zu den Gebirgen Judas und Israels hinaufsteigt, und dazu in der Nähe guter, auch heute noch fließender Quellen und der berühmten großen Palmen- und Balsamoase gelegen, mußte Jericho früh schon merkantil und strategisch von besonderer Bedeutung werden.“ Besonders interessante Ergebnisse brachte die Grabung um die äußere Stadtmauer, die „etwas ganz Außerordentliches, auch in dem heute doch sehr reduzierten Zustand noch etwas Majestätisches und Ueberwältigendes ist.“ Es ergab sich, daß die Innenmauer, von deren Stattlichkeit jetzt freilich nicht mehr viel zu sehen ist, den Juden bei ihrem Einzug ins Land entgegentrat, während die viel bedeutendere äußere Stadtmauer das Werk des C h i e 1 ist, von dem es im ersten Buch der Könige 16, 34 heißt: „Zu seiner (des Königs Achab) Zeit baute Chiel aus Beth-El die Stadt Jericho. Mit seinem Erstgeborenen Abiram legte er ihren Grund, und mit seinem Jüngsten Segub setzte er ihre Türen ein, nach dem Worte Gottes, das er geredet durch Josua, Sohn Nuns.“ „Man erkennt ihn wieder“, sagt Prof. Tiersch, „diesen Mann, dessen resoluter Trotz auch vor den schwersten Opfern am eigenen Fleisch und Blut nicht zurückschreckte, in der umsichtigen Entschlossenheit und kühnen Tatkraft, mit der er hier das Stadtganze systematisch von Grund aus erneuert hat.“ „Die Moderne kann der Technik der Jerichomauer keinen Vorzug als den des Mörtels entgegenstellen. Jeder Zwischenraum ist ausgefüllt, so daß im Gewirre der Fugung keine Stelle bleibt, an der ein Instrument der Zerstörung einsetzen könnte. Nirgends hat auch im Lauf der Zeiten

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