Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 17 (1913)
- Issue
- 34 (22.8.1913)
- Date
- 1913-08-22
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 34 DIE^ELT 1100 | Anspruch auf die Zustellung der Kongreß-Ausgabe haben nur diejenigen Abonnenten der „Wett“ die postwendend die Nachzahlung von Mk. 7.20, Kr. 1.40, Rbl. 0.65, sh. 115, Hfl. 0,85, Doll. 0.35, Frcs. 1.80 an den Verlag der „Welt“, Berlin W15, Sächsische Straße 8 leisten. — Die Überweisung der Beträge aus Deutschland und Österreich-Ungarn erfolgt kostenlos per Postscheck, aus allen übrigen Landern in Briefmarken. Im Jaffaer Arbeiterklub sprach Lehrer W a l d s t e i n über „Das Wesen der Soziologie“. Mitte Juli veranstaltete die Allianceschule in Haifa einen Unterhaltungsabend, an dem es verschiedene Darbietungen in hebräischer, französischer und arabischer Sprache gab. Aus Galiläa Milchamie. Dank unseren Maschinen und dem Eifer, der bei der Ernte aufgewandt wurde (auch die Schuljugend wurde zur Arbeit herangezogen) hatten wir von der Mäuseplage wenig zu leiden. Anders unsere arabischen Nachbarn, deren Mähmethoden sich in diesem Falle als unzulänglich erwiesen. Sie wären gerne bereit gewesen, für die leihweise Ueberlassung der Mähmaschinen gute Preise zu zahlen. Die jüdischen Kolonisten waren jedoch in der gleichen Gefahr, und so sehr sie ihren Nachbarn entgegenkommen mochten (schon aus dem Grunde, damit sie weniger zum Getreidediebstahl gezwungen wären), konnten sie es doch wegen der drängenden Zeit nicht tun. Mit unserer Kolonie, die früher als die beste in Untergaliläa betrachtet wurde, geht es in letzter Zeit nicht recht vorwärts. Innere Streitigkeiten brachten es so weit, daß der Beduinenstamm der Hanadi, der in dem benachbarten Dorfe Dilhamie seinen Hauptsitz hat, anfängt, sich in die Angelegenheiten der Kolonie zu mengen. Die traurigen Folgen innerer Zerklüftung können wir übrigens bei diesem Beduinenstamm selbst betrachten. Die Hanadi waren einst sehr mächtig in dieser Gegend. Zur Zeit Ibrahim Paschas stellten sie der Regierung 1000 Reiter zur Verfügung, um einen Aufstand zu unterdrücken, wofür sie von der Regierung mit Lob und Auszeichnung überhäuft wurden. Sie wurden aber durch fortwährende Zwistigkeiten geschwächt, und als sie es letztens in einigen Fellachendörfem gar zu arg trieben, da ging die Regierung energisch vor und nahm in Dilhamie zahlreiche Verhaftungen vor. Ein anderer recht wilder Beduinenstamm, die E r w a 1 e h, lagert jetzt in der Nähe des Fellachendorfes Sa mach, das von ihnen sehr zu leiden hat. Obwohl sie auch D a g a n i a nahe sind, vergriffen sie sich bis jetzt nicht an jüdischem Eigentum. Die Regierung sowohl wie auch andere Beduinenstämme und Fellachendörfer treffen Maßnahmen zur Abwehr der Erwaleh. Es kommen häufig Scharmützel vor. Jüdische Landarbeiter, in Untergaliläa Eine statistische Aufnahme hat ergeben, daß in den ersten Sommermonaten 313 jüdische Landarbeiter in Untergaliäa beschäftigt waren, und zwar: in Merchawja, Siedlungsgenossenschaft und Kolonie, 00, in M i g d a 1 81, in J i b n a e 1 40, in P o r i a h 48, in Daganja 31 und in S e j e r a 14. Darunter waren 164 männliche und 31 weibliche Aschkenasim, 47 männliche und 4 weibliche Sephardim, 23 männliche und 13 weibliche Jemeniten (außerdem 22 Jemenitenkinder), 6 Männer aus Kurdistan und 3 Gerim (Proselyten) aus Rußland. Abiturienten prüf un g im Jaffaer hebräischen Gymnasium Die ersten Absolventen des im Jahre 1006 begründeten hebräischen Gymnasiums in Jaffa verlassen mit Ende dieses Schuljahres die Anstalt. Die Abiturientenprüfungen sind bereits abgeschlossen und am 13. August fand die Verteilung der Reifezeugnisse im Rahmen einer großen Schulfeier statt. Für die Juden des Jemen Wegen der Bedrückungen der Juden im Jemen wurde von dem Rabbinat der jemenitischen Gemeinde in Jeruschalajim vor kurzem in der alten Synagoge des Ramban eine besondere Betstunde abgehalten. Ein Jemenite aus Sanaa, der jetzt in Jeruschalajim weilt, begibt sich nach Konstantinopel, um Rabbi Haim Nahum zur Intervention für den Schutz der Juden im Jemen zu veranlassen. Kleine Nachrichten Bezüglich der Trockenlegung des noch übrig gebliebenen Sumpfes in Chederah, von dem in Nr. 26 der „Welt" die Rede war, wird mitgeteilt, daß das Jerusalemer Gesundheitsamt der Kolonie folgendes Angebot gemacht hat: Das Gesundheitsamt streckt das Geld für die Drainage vor und der dadurch gewonnene Boden wird dann verkauft. Wird durch den Verkauf ein höherer Preis erzielt als die Unkosten betrugen, so fällt der Ueberschuß an die Kolonie. Im entgegengesetzten Falle trägt das Gesundheitsamt das Defizit. Das Fest der „Konstitution" wurde in diesem Jahre im Hinblick auf den Ausgleich der Türken mit den Arabern und auf die Wiedereroberang von Adrianopel in gehobener Stimmung gefeiert. Gleichzeitig wurden in Jerusalem mehrere Tausend Francs zum Ankauf von Pferden für die Militärverwaltung gesammelt. Eine große arabische Schauspielergesellschaft, an deren Spitze der Sänger Scheich Sela me steht, bereist jetzt die palästinensischen Städte. Einer dieser Schauspieler wurde in Paris auf Rechnung des Khedive ausgebildet. Die städtischen Behörden propagieren den Besuch dieser Vorstellungen. Die Leitung der Werkstätten „Bezalel" hat jetzt die Verfügung getroffen, daß dieselben täglich zwischen 11—12 Uhr zur öffentlichen Besichtigung geöffnet sein sollen. — In der Jerusalemer Musikschule „Sulamith" finden jetzt die Prüfungen statt. — Im Beth-Am sprach S. Alexander über David Frischmann. — Herr L u r i e, ein Vertreter der Petersburger Gesellschaft für jüdische Kultur und Ethnographie, weilt jetzt in Jeruschalajim, um für die Studien dieser Gesellschaft Materialien zu sammeln. Der Jaffaer arabische Schriftsteller Nissim Malul beabsichtigt, Herzls „Altneuland" ins Arabische zu übersetzen, damit die arabischen Kreise die zionistischen Bestrebungen aus zuverlässiger Quelle kennen lernen. — In Jaffa wurde dieser Tage eine „Zentralstelle für die Verbreitung der hebräischen Literatur" geschaffen. Am 12. Tamus starb auf dem Libanon im 22. Lebensjahre Ar je R e s n i k, ein früherer Schüler des Jaffaer Gymnasiums, der in den palästinensischen Zeitungen mehrere Gedichte veröffentlicht hat. Noch in letzter Zeit übersetzte er einen Essay Carlyles aus dem Englischen. In Pethach-Tikwah finden jetzt Beratungen wegen Gründung eines Bankinstituts statt. Wir hatten in Palästina bis vor kurzem sehr heißes Wetter. In den letzten Wochen wurde es jedoch kühl und am 28. Juli gab es in Jaffa sogar einen kleinen Niederschlag.