Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 17 (1913)
- Issue
- 34 (22.8.1913)
- Date
- 1913-08-22
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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blE^ELT 1ÖÖ2 x Kr. 34 2g□□□□□□ WELTCHRONIK □ □□□□□ ji Ein internationales Komitee für die Emanzipation der rumänischen Juden Ein Vorschlag von Luigi Luzzatti (Von unserem Berichterstatter.) Florenz. Den Lesern der „W e 1t“ sind die Bemühungen des früheren italienischen .Ministerpräsidenten, Luigi Luzzatti, zugunsten der rumänischen Juden bekannt. Während der letzten Ereignisse auf dem Balkan und der darauffolgenden Bukarester Friedensverhandlungen vermißte man jedoch seine versprochene Intervention zugunsten der Emanzipation unserer rumänischen Brüder. Im „C orriere della Sera“ vom 12. August veröffentlicht Luzzatti nun einen längeren Artikel, der viele interessante Einzelheiten über die von ihm unternommene Aktion enthält. Luzzatti polemisiert gegen den rumänischen Minister des Innern, J o n e s c u, der auf seinen ersten im „Corriere della Sera“ veröffentlichten Artikel u. a. erwidert hatte, daß der 44. Artikel des Berliner Traktats nicht mehr eine Sache des internationalen Rechts sei. Luzzatti bestreitet dies auf Grund der offiziellen Akten und fährt dann fort: „. . . Es gibt aber ein internationales Emfinden, das selbst der rumänische Minister nicht in Abrede stellen wird. Dieses internationale Empfinden drängt jetzt auch Cieraenc e a u in Frankreich, die Juden in Rumänien in seiner Zeitung „LJ h o m m e 1 i b r e“ zu verteidigen. Ich danke ihm für die volle Zustimmung, die er meinen Artikeln im „Corriere della Sera“ zuteil werden läßt. Clemenceau meint: „Die rumänischen Juden sind die letzten Sklaven, die noch in Europa "existieren, schrieb Luigi Luzzatti. Und Pichon könnte nicht von den Diskussionen profitieren, die eingeleitet werden, um dies klägliche Problem an dem Punkte wieder aufzunehmen, auf den. es Freycinet bereits gebracht hatte?“ Pichon ist wohl nicht weniger demokratisch gesinnt als Clemenceau, und das gleiche gilt von dem Minister des Aeußeren Englands und Italiens. Da es nun in Rumänien „Fremde“ gibt, die nicht unter dem Schutze ausländischer Regierungen stehen, ist es notwendig, daß ein Komitee von unabhängigen, starken und freien Männern entstehe, um das internationale Empfinden zu repräsentieren und die fremde Regierung, die fehlt, zu vertreten: es soll die ewige Stimme der Menschlichkeit in Rumänien verkünden. Wenn Clemenceau, wie ich hoffe, dieses Komitee zur Verteidigung der religiösen Freiheit unter? stützen wird, so wird er die Dankbarkeit aller auserwählten Geister der zivilisierten Welt haben, und die Balkanfragen, die uns in einigen Punkten trennen, würden uns in dem Prinzip der Gewissensfreiheit wieder vereinigen. Wer könnte besser als er den lateinischen Brüdern Rumäniens die unsterblichen Prinzipien der französischen Revolution von 17S9 verkünden? Ein internationales Komitee, das mit seinem Namen, sowie dem Namen von Balfour, Eucken, Visconti-Venosta (der mit uns in diesem Kampfe für die religiöse Freiheit steht), Finali, Ferdinande Martini und anderer Persönlichkeiten entstehen würde und der Förderung des edlen Präsidenten der Vereinigten Staaten, Mr. Wilson, gewiß wäre, wird in diesem Kampfe ohne Zweifel siegen.“ Das internationale Komitee, das in diesem Artikel Luzzattis vorgeschlagen wird, ist, wie ich aus sehr guter Quelle berichten kann, bereits in Entstehung begriffen, und man wird wohl nächstens hierüber weitere Einzelheiten in der Oeffentlichkeit erfahren. Bekanntlich besteht auch in Amerika seit kurzem bereits ein Komitee für die Emanzipation der rumänischen Juden, an dessen Spitze der Sprecher des Repräsentantenhauses, Mr. Cliamp Clark, steht und dem sich neuerdings auch der bekannte Multimillionär A s t o r angeschlossen hat. Der Bukarester Berichterstatter des „Berliner Tageblatts“ hatte eine Unterredung mit dem rumänischen Minister des Innern, Take Jonescu, der ihm erklärte, daß alle rumänischen Staatsmänner einstimmig die patriotische Haltung der Juden während der Mobilisierung loben. Jonescu schlägt jedoch vor, das Bürgerrecht nur den mobilisiert gewesenen, nicht aber allen jüdischen Soldaten zu geben. Die Zahl der mobilisierten Juden beträgt freilich nur 15 000. Minister Arion erklärte sich als Anhänger der Emanzipation aller jüdischen Soldaten, nur sei es schwer, zu einem Einverständnis über die Modalitäten zu gelangen. Es sei hierzu eine Revision der Verfassung nötig. Mit der Emanzipation auch nur eines größeres Bruchteils der rumänischen Juden hat es also noch seine guten Wege. Und ob die Aktion des von Luzzatti geplanten internationalen Komitees irgendwelchen Erfolg erzielen wird, bleibt unter diesen Umständen sehr fraglich. Das durchaus illoyale, heuchlerische Verhalten der rumänischen Regierung in der Emanzipationsfrage geht auch aus folgender gut verbürgter Bukarester Meldung hervor: Als die Mobilisierung dekretiert wurde, meldeten sich mehrere tausend Juden als Freiwillige für den Krieg. Sie wurden alle angenommen, in kurzer Zeit ausgebildet und über die Grenze geschickt. Sie durften hoffen, nach dem Ende des Feldzuges die bürgerlichen Rechte zu erhalten. Aber jetzt, nach fünf Wochen, nachdem der Frieden geschlossen ist, wurde ihnen mitgeteilt, daß das Kriegsministerium sie aus Versehen angenommen habe, und alle wurden deshalb nach Hause geschickt. Die erwähnte Notiz besagt lakonisch: „Am gestrigen Tage wurden alle jüdischen Freiwilligen nach Hause geschickt mit der Begründung, daß sie falsch eingestellt wurden, da das Kriegsministerium keine jüdischen Freiwilligen einstellen kann.“ Selbstverständlich werden nun alle diese Leute, die freiwillig ihr Haus verließen und ihr Blut für ihr Stiefvaterland vergießen wollten, die bürgerlichen Rechte nicht erhalten, denn sie sind aus „Versehen“ angenommen worden. Spanien und die spaniolischen Juden des Orients In Spanien sind seit einiger Zeit den Juden „Freunde“ erstanden. Man versucht, die vor mehr als 400 Jahren vertriebenen „Brüder jüdischen Glaubens“ wieder ins Land zu locken, um den gänzlich verfallenen Handel ein wenig zu beleben. Für uns ist diese „Bewegung“ der Spanier jedenfalls interessant. Einer dieser „philosemitischen“ Intellektuellen ist De San Carlos de Pedros o, der im letzten Heft des „Correspondant“ einen Essay über „Die spanische Sprache bei den Juden der Levante“ veröffentlicht. Bezeichnend ist nun die Einleitung zu diesem Essay des spanischen „Philosemiten“. Er gibt da einen kurzen geschichtlichen Ueberblick über die Lage des spanischen Reiches zur Zeit Ferdinands und I s a b e 11 a s und bietet eine sogenannte „Erklärung“ der Motive, die zur Vertreibung der Juden aus Spanien führten. Der Grund ist — nach der