Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 17 (1913)
- Issue
- 34 (22.8.1913)
- Date
- 1913-08-22
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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Nr. 34 PlESfeELT..^ - - ------- 1091 Vereine sind noch weit davon entfernt, die Zellen eines lebendigen gesellschaftlichen Organismus 211 sein und sich als solche zu betrachten. Zwar hat sich — dankbar müssen wir dies anerkennen — manches gebessert, seit die gegenwärtige Leitung und ihre Organe der Nationalisierung der Organisation ihr besonderes Augenmerk zugewendet haben. Aber fast bleibt noch alles zu wünschen übrig. Das schlimmste Uebel ist, daß sich die zionistischen Vereine selbst nicht als Glieder des nationalen Organismus fühlen, daß sie ihre Arbeit nicht als Selbstzweck und als eine Arbeit für sich betrachten, sondern ihren Daseinszweck nur in der Sammlung von Mitteln für Palästina sehen. So wird auch ihren Mitgliedern der Zionismus nicht eine persönliche Angelegenheit. Das ist auf die Dauer unhaltbar. Wenn Palästina uns etwas bedeuten soll, wenn es unser Kulturzentrum sein soll und wir die Peripherie sein wollen, auf die sein Licht ausstrahlt, dann müssen wir uns selbst für die Aufnahme dieses Lichtes erziehen. Man hat noch gar nichts für diese Selbsterziehung getan, wenn man Geldbeträge entrichtet und sich einer billigen und unterhaltsamen Freude über das Wachstum des Judentums dort hingibt, während das Judentum hier, wo man steht und zu kämpfen hat, weiter im Sumpfe steckt, unter passiver Duldung der Zionisten. Der Fehler wiederholt sich bei uns immer wieder: man arbeitet immer für ein „dort" und erwartet von „dort", von außen, eine Erlösung, ohne selbst etwas dafür zu tun. Wir verlangen, daß andere unsere Nationalität anerkennen und leugnen sie implicite selbst, indem wir ihre Sprache und Kultur mit denkbarster Gleichgültigkeit behandeln. Warum hat z. B. die zionistische Studentenbewegung mit ihren Alten Herren so kläglich Fiasko gemacht, so daß nur ein geringer Prozentsatz derer, die einst als Jünglinge begeistert in unseren Reihen standen, als Männer wahrhaft bei uns stehen? Weil man ihnen in der Zeit, wo sie eifrige Zionisten waren, keine jüdischen Inhalte vermittelt hat, an denen sie selbst erzogen worden wären; weil sie für „dort" arbeiteten, für „dort" organisierten und agitierten und dabei selbst dem Judentum fern und fremd blieben^ Während sie mit Worten gegen die Assimilation kämpften, wurden sie die Opfer jener stillen, aber dafür um so gefährlicheren Assimilation, die unsere Umgebung und das tägliche Leben auf uns ausüben. Das hier Gesagte gilt auf allen Gebieten unseres Lebens. Mit Recht konnte Frl. Sch ach in ihrem Referate auf dem letzten Kongreß (dessen Resultat nur allzuschnell angenommen und — nicht durchgeführt wurde) sagen: „Haben wir denn ein Recht, uns über die Außenstehenden zu wundern, wenn sie uns nicht aufs Wort glauben, daß es uns ernst damit ist, wenn wir das zionistische Bekenntnis ablegen — wenn durch unsere sogenannte Lebensanschauung an unserer Lebensführung und unserer Lebensordnung nichts geändert wird, wenn unser zionistisches Haus genau so aussieht wie das Assimilantenhaus, wenn unsere zionistischen Kinder genau dieselbe Erziehung genießen, wie die Assimilantenkinder, außer daß wir ihnen zweimal im Jahre ein zionistisches Fest bereiten?" Es muß offen herausgesagt werden, daß ein so betriebener Zionismus nicht nur kein Gewinn, sondern eine Gefahr für unser Volk ist, denn wir glauben dann unsere nationale Pflicht erfüllt zu haben, die Zugehörigkeit zur zionistischen Organisation beruhigt unser Gewissen, und doch ist tatsächlich alles beim alten geblieben. Nur daß denen, die sich schon für Zionisten halten, die Heilsbotschaft des wahren Zionismus nicht mehr gebracht werden kann; daß es doppelt und dreifach so schwer geworden ist, das nationale Gewissen wachzurütteln. Denn man glaubt ja schon genug getan zu haben und hat in Wahrheit nichts getan als Geld hergegeben, sich vom Judentum losgekauft nach jener vom offiziellen Judentum des Westens längst vortrefflich gehandhabten Methode. Alle diese Klagen sind ja nicht neu, aber leider sind sie noch immer berechtigt. Der hauptsächliche äußere Grund (der inneren gibt es ja mehr) scheint mir darin zu liegen, daß dem E. A. C. bisher nicht die Pflicht auferlegt worden ist, für die Kulturarbeit innerhalb der zionistischen Organisation auch in der Diaspora zu sorgen. Der letzte Kongreß hat diese Kulturarbeit den Landesorganisationen übertragen und hat sie damit begraben. Denn unsere Landesorganisationen werden sich niemals mit Fragen beschäftigen, für welche die Leitung der Gesamtorganisation kein Interesse haben darf. In Westösterreich z. B., wo ein verfahrener Religionsunterricht alljährlich hunderten von jungen Juden das Interesse am Judentum nimmt, hat es noch niemals ein Landesparteitag für notwendig befunden, dieser dringenden Frage näher zu treten. Und das in Oesterreich, wo jedes andere Volk schon begriffen hat, daß der nationale Kampf vor allem ein Kampf um die Schule ist! Die Landes- und Distriktkomitees und die einzelnen Vereine werden erst dann Verständnis für die Bedeutung der Kulturarbeit gewinnen, wenn der Kongreß diese Arbeit zur Sache der Gesamtorganisation gemacht haben wird. Der Kongreß als solcher kann hier nichts zustande bringen, denn — wie kürzlich ein deutsch-nationaler Abgeordneter vor seinen Wählern sagte — „auch Parlamente mit Riesenweisheit und Riesenstärke können nichts schaffen, wenn das Volk als solches die Grundlagen und Voraussetzungen nicht vorbereitet. Wir müssen daran festhalten, daß die völkische Kleinarbeit jedes einzelnen Volksgenossen die nationale Entscheidung herbeiführt." Aber der Kongreß muß einmal in allem Ernst die kulturelle Kleinarbeit von den Zionisten fordern und das Organ schaffen, das für die Vollstreckung dieser Forderung bürgt. Deshalb fordern wir die Errichtung eines Ressorts für nationale Erziehungsarbeit beim E. A. C. und müssen dafür sorgen, daß die Erfüllung dieser Forderung in finanzieller Hinsicht durch einen großen zionistischen Zentralfonds gewährleistet wird. 1 Abonnent den jeder Zionist mit leichter Mühe der „WELT" .. neu gewinnen kenn, bedeutet .... wenn alle unsere Abonnenten uns in unserer Werbearbeit energisch unterstützen, viele 1000 neue Abonnenten ] Die beste Propagandamöglichkeit für das Zionistische Zeniralorgan bietet die Kongreß - Ausgabe. Hierfür neue Bezieher zu werben, ist jetzt die elementarste zionistische Pflicht. I Die Kongreß-Ausgabe der „Welt" kostet bei täglich freier Zustellung I H. 2,40, Kr. 2,60, RbL 1JO, sh. 2!IO, Hfl. 1,70, Doll 0,70, Frcs. 3,60, für Abonnenten der „Welt" die Hälfte. Bestellungen gegen Vorein- I Sendung des Betrages, auch in Briefmarken, nimmt der Verlag der I „ Welt" entgegen. II