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Die Welt · 1913-08-15 · 33 (15.8.1913) · page 21

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Journal
Die Welt
Volume
17 (1913)
Issue
33 (15.8.1913)
Date
1913-08-15
Page
– (sequence 21)
Language
German
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Nr. 33 1069 DIEIqKELT Will man die Rede Dr. Nordaus würdigen, so muß man einiges über ihre Vorgeschichte sagen. Bekanntlich hat Dr. Nordau es abgelehnt, am Kongreß in Wien teilzunehmen. Das E. A. C. hat sich zwar nach Kräften bemüht, Herrn Dr. Nordau von diesem Entschluß abzubringen, ja es wurde sogar in einer Sitzung des großen A. C. beschlossen, Herrn Dr. Tschlenow eigens zu dem Zwecke nach Paris zu entsenden, um Herrn Dr. Nordau umzustimmen. Aber alles war vergeblich. Es ist nun sehr interessant, wenn man die Aeußerungen Dr. Nordaus, die er mündlich und schriftlich gegenüber den Mitgliedern des E. A. C. und gegenüber Dr. Tschlenow getan hat, mit der hier mitgeteilten Rede vergleicht. Herr Dr. Nordau hat in einer ganzen Reihe von Briefen an das E. A. C., wie auch in seinen mündlichen Besprechungen mit Mitgliedern des E. A. C. und mit Dr. Tschlenow immer wieder versichert, sein Fernbleiben vom Kongreß habe mit irgendwelcher Opposition gegen die Leitung nichts zu tun und diejenigen irrten sich, die ihn für ihre oppositionellen Pläne als Vorspann benutzen wollten. Mit Recht fragt daher ein jüdisches Blatt in Rußland, was denn seit der in Form eines Interviews veröffentlichten Unterhaltung Dr. Tschlenows mit Dr. Nordau geschehen sei, das diesen öffentlichen Angriff Dr. Nordaus verständlich machte? Die Frage ist berechtigt, aber wir können sie nicht beantworten, weil tatsächlich nicht das geringste vorgefallen ist. Es ist unbedingt erforderlich, daß die Leitung sich auf dem Kongreß zu diesen Vorwürfen äußert. Die Vertreter der zionistischen Massen haben ein Recht darauf, zu erfahren, ob diese absprechende Kritik Dr. Nordaus durch irgendwelche Tatsachen begründet ist, oder ob Dr. Nordau unter dem Einfluß gewisser, der jetzigen Leitung feindlicher Elemente gehandelt hat, d. h. ob er sich trotz seiner Versicherungen als Vorspann der „Opposition“ hat gebrauchen lassen. Eine solche Kritik wäre nur dann berechtigt, wenn Nordau die Methoden, nach denen die Leitung politisch arbeitet, verwerfen würde. Davon ist aber, wie gesagt, keine Rede. Auf dem IX. Kongreß hat Dr. Nordau erklärt: „Legen wir Herzls Chartergedanken achtungsvoll in das Archiv des modernen politischen Zionismus und sprechen wir nicht mehr von Kühler kann man wohl den Grundgedanken der Herzischen Politik nicht ablehnen. Nordau will demnach nicht für eine charteristische Politik plädieren, obwohl er die früheren Kritiker des Chartergedankens in seiner Rede recht unsanft behandelt und dagegen protestiert, daß man die Grenzlinien zwischen Charterismus und praktischer Richtung zu verwischen strebe. Dennoch stellt er der jetzigen Leitung durchaus kein besonderes politisches Programm gegenüber, sondern begnügt sich damit, in einer Volksversammlung zu erklären, die Leitung habe nichts erreicht. Er ist weit davon entfernt, unserem „Gesandten“ einen Vorwurf zu machen; aber er kann nicht umhin, öffentlich zu sagen, es habe ihm „vielleicht“ etwas an Erfahrung gefehlt. Diese Art der öffentlichen Kritik ist doch recht bedenklich, um so bedenklicher, als sie von so autoritativer Seite stammt. Nordau nimmt für sich in Anspruch, als Privatmann, als einfacher Zionist, reden und schreiben zu dürfen, was ihm beliebt. Er beschwert sich deshalb über die „Welt“, das offizielle Organ, welches einen von ihm in der „Times“ veröffentlichten Artikel kritisiert und ihn selbst angegriffen haben soll. In Wahrheit hat kein Wort gegen Nordau in der „Welt“ gestanden. Wohl aber mußte die Redaktion der „Welt“ auf den vollständigen Abdruck des Nordauschen Artikels in der „Times“ verzichten und sich mit einem kurzen Hinweis begnügen, weil dieser Artikel gegen den mehrfach geäußerten Wunsch des E. A. C. veröffentlicht wurde, und zwar mit der Unterschrift: Dr. Max Nordau, Präsident des zehnten Zionistenkongresses. Es handelte sich also nicht um die private Meinungsäußerung eines privaten Zionisten, sondern um eine politische Demonstration eines repräsentativen, durch seine Unterschrift zum offiziellen Sprecher des Zionismus erhobenen Führers, und diese Demonstration war ohne Wissen des E. A. C. vorbereitet und gegen seinen Willen durchgeführt worden!“ Die Warschauer jüdische Tageszeitung „Haint" schreibt in ihrer Nr. 165: „Die Behauptungen der beiden angesehenen Pariser Zionisten Marmorek und Nordau können niemanden überzeugen, ja sie können nicht einmal erklären, aus welchem Grunde die Opposition einen so scharfen Ton angeschlagen hat. Sind doch diese Behauptungen durchaus nicht neu. Alte Prätensionen aber haben die Eigentümlichkeit, daß sie ihre Aktualität verlieren. Es bleibt daher unverständlich, ja fast unglaublich, daß dies den Kern der oppositionellen Forderungen bilden sollte. Sind doch die Vertreter des „praktischen“ Zionismus den Herren Nordau und Marmorek nicht erst seit gestern bekannt, und zuguterletzt bestätigt ja Nordau selbst, daß all das, was in Palästina durch die jetzige Leitung geleistet worden ist, von Wert ist. Es bleiben nur die leisen Andeutungen und die halben Worte zurück, die die Pariser Opposition hat fallen lassen, Winke von unrichtigen Geldrechnungen. In Paris wurde gesagt, daß nicht alles, was Geldrechnungen anbelangt, in Ordnung sei. Dies allerdings würde den erbitterten Ton der Pariser Opposition erklären können. Aber solche Beschuldigungen dürfen nicht mit halben Worten gemacht werden. Entweder — Oder! Hat Zionistische Kaufleute die beim Kongreß als Delegierte oder Gäste anwesend sind, werden im eigenen Interesse gebeten, sich an das Informations-Büro za wenden, das die „Kommerzielle Abteilung** der „WEIT** im Kongreßgebäude errichtet. Dem Büro liegt eine Fülle geschäftlicher Angebote mannigfachster Art vor: Lukrative Vertretungen sind zu vergeben, Neuheiten sollen eingeführt werden, Finanzierungsgesuche und -Angebote sind vorhanden, Kataloge können eingesehen werden usw. usw. — Auskünfte in allen geschäftlichen Angelegenheiten werden jedem i bereitwilligst Abteilung der „WELT** erteilt. im Büro ständig anwesenden Vertreter der Kommerziellen Vorherige schriftliche Anmeldung ist erwünscht. Das Informationsbüro wird am Donnerstag, den US. - im Kongreßgebände (Gieselastr. 12) eröffnet.

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