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Die Welt · 1913-08-15 · 33 (15.8.1913) · page 22

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Journal
Die Welt
Volume
17 (1913)
Issue
33 (15.8.1913)
Date
1913-08-15
Page
– (sequence 22)
Language
German
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1070 DIE LT Nr. 33 man eine Reihe von Tatsachen zur Hand, so ist die Opposition verpflichtet, mit der Sprache herauszurücken. Dies zu verschweigen wäre ein Unrecht. Verfügt die Opposition nicht über ein solches Beweismaterial, so darf man nicht mit solchen Winken kommen. Wer solche Beschuldigungen in die Welt schleudert, muß die ganze Verantwortung dafür übernehmen. Trägt die Opposition tatsächlich keinen persönlichen Charakter, hat sie in der Tat etwas Ernstes auf dem Herzen, so muß sie offen und ehrlich hervortreten. Heraus mit der Sprache!" Die deutsche nichtzionistische jüdische Presse, soweit sie von Nordaus Rede Notiz nimmt, ist natürlich von der Kritik Nordaus begeistert und nennt die Rede eine hochbedeutsame Kundgebung. In der vorigen Nummer der „Welt" muß es auf S. 1032, zweite Spalte, Z. 23 v. u., richtig heißen: „der nichtzionistisch e „Fraind“. SPRECHSAAL Herr L. Chasanowitsch ersucht uns um den Abdruck folgender Zuschrift: Herr Adolf Stand läßt sich in der Nr. 25 der „Welt" seine vermeintliche Kenntnis des jüdischen Arbeiterproblems in Galizien, die ich bestritt und bestreite, durch ein offizielles Dokument des Boryslawer Bürgermeisters attestieren. Ich war so kühn, ihn in einer Fußnote zu'einem Artikel in der Nr. 2 der „Freistatt" über das „jüdische Proletariat in Nordamerika", in dem ich im Vorbeigehen auch die jüdische Arbeiterfrage in Europa streifte, als Muster für die Verständnislosigkeit, mit der „man sogar in zionistischen Kreisen den Erscheinungen des jüdischen Wirtschaftslebens gegenübersteht", anzuführen. Die Erwiderung, mit der Herr Stand mich beehrte, bestätigt nur meine Behauptungen. Herr Stand machte sich die Sache etwas bequem, indem er seine Antwort nicht in der „Freistatt", deren Leser meinen Artikel kennen, veröffentlichte, sondern sich an die Leser der „Welt" wandte die zumeist gar nicht wissen, worum es sich handelt und denen so leicht der Glaube beigebracht werden kann, ihm sei ein schweres Unrecht zugefügt worden. Diese eigenartige Ritterlichkeit des Herrn Stand zwingt mich, etwas näher auf die Sache einzugehen. Ich stellte im besagten Artikel die Behauptung auf: „Die Tragödie der ostjüdischen Massen besteht vornehmlich darin, daß sie, von den althergebrachten Berufen verdrängt, sich keinen entsprechenden Ersatz in der modernen Großindustrie und im modernen Verkehr verschaffen können. Der erwachte Drang der Juden zur produktiven Arbeit kann in Rußland, Galizien, Rumänien vorerst nur in ganz unzulänglichem Maße ein Betätigungsfeld finden." Ich schrieb weiter: „Von einem modernen Industrieproletariat unter den Juden Osteuropas kann ja kaum die Rede sein. Galizien besitzt noch jetzt fast gar keine Großindustrie, und die verhältnismäßig kleine Anzahl jüdischer Arbeiter besteht fast nur aus Handwerkergesellen. Aus dem einzigen bedeutenden Industriezweig Galiziens, der Naphthaindustrie, wurden die jüdischen Arbeiter grausam entfernt, als das Großkapital sich dieser Industrie bemächtigte. Das Elend der jüdischen Bergarbeiter in Boryslaw, die plötzlich aufs Pflaster geworfen wurden, erregte seinerzeit — in den neunziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts — großes Aufsehen in der jüdischen Welt, und bildet ein erschütterndes Kapitel in der Geschichte des verzweifelten Kampfes der jüdischen Massen ums Recht auf Daran knüpfte die von Herrn Stand zitierte Fußnote an. Was ich Herrn Stand zum Vorwurf machte, ist, daß er in einer Reichsratsrede, in der er über die jüdischen Arbeiter in Boryslaw sprach, diese Seite der Frage, die gewaltsame Verdrängung des jüdischen Elements von der produktiven Arbeit, mit keiner Silbe erwähnte, dagegen aber es am Platze fand, ganz nach der altfränkischen Manier unserer Apologetiker vom Schlage der „Abwehr"-Leute, mit der erdichteten Menge jüdischer Arbeiter zu prahlen, die täglich in die tiefen Schächte Boryslaws zur Ehre der jüdischen Schacherer und Börsenjobber hinuntersteigen. Was erwidert nun Herr Stand? Er beruft sich auf die Zuschrift des Boryslawer Bürgermeisters, die keineswegs die von mir behauptete plötzliche Brotlosmachung der großen Mehrzahl der jüdischen Grubenarbeiter, welche Ende der neunziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts infolge des Eindringens des Großkapitals in die Satirische Naphthaindustrie erfolgrte, in Abrede stellt, die aber ie Entdeckung macht, daß nachher manche der verdrängten Arbeiter in den Nebenzweigen der genannten Industrie eine kümmerliche Unterkunft gefunden hätten, und zwar, „weil diese (die jüdischen Arbeiter) die einzig darin fähigsten sind". Die Offenherzigkeit dieser Begründung, die indirekt alles gesteht, was Herr Stand verhüllen möchte, spricht Bände. Darauf kam es ja eigentlich an, nachzuweisen, daß überall da, wo die jüdischen Arbeiter durch nichtjüdische ersetzt werden konnten, sie rücksichtslos dem namenlosen Elende preisfeben wurden. Daß das Kapital sich den Frondienst jüdischer »eher, wo sie für es durchaus unentbehrlich sind, auch in Galizien gefallen läßt, das zu bestreiten fiel mir nicht im Traume ein. Warum werden Juden mit den Löscharbeiten betraut? Der Bürgermeister sagt kurz und bündig: „weil diese die kühnsten sind und direkt ins Feuer gehen". Für mich ist dies durchaus nicht neu, denn ich habe die heldenmütigen jüdischen Grubenfeuerwehrleute selbst am Werk gesehen. Ein geringer Bruchteil der jüdischen Arbeiter, die vom Grubenkapital zur Auswanderung gezwungen oder in die Reihen des Lumpenproletariats hinabgestoßen wurden, wird bei den minderwertigsten oder gefahrvollsten Arbeiten beschäftigt, weil sie absolut unersetzbar sind, und für Herrn Stand gibt es dort noch immer kein spezifisch jüdisches Arbeiterproblem! L. Chasanowitsch. Schluß des redaktionellen Teiles Bei der Administration „Die Welt“ sind eingegangen: Für das Mikrobiologische Institut: „Vergesset nicht das Mikrobiologische Institut" Johann Kremenezky, Wien ... - . Kr. 10.- M. 8.40 Ing. Josef Seidener, Wien. - „ —50 —.42 Heinrich Lederer, Wien. - „ --50 —.42 Leo Weiss, Wien. —.84 Oswald Weiss, Wien. - ” 2— 1.68 Julius Weiss, Wien. Dr. Elkan Weiss, Wien. „ 1 — —.84 - „ 2.— 1.68 Emanuel Lockspeiser, Boryslaw - - —.84 Kais. Rat Emil Broch, Tamow - - *• ”, -.50 —.42 Kais. Rat C. Hirsch, Tamow - - 4.20 Heinrich Bard, Lemberg. - ” o- 5.04 Für Takonas Jeruscholaim: Eisenberg, durch Bakalzuk, Stolin. M. 34.65 Für das Hygienische Dr. Hurwitz, Luminetz. Institut: Jk 4.32 Es gingen bei uns ein durch Herrn Dr. Hirschhorn, Zlozow: Mitgliedsbeiträge von H. Davidsohn Kr. 10.—, G. Igel 4.—. Dr. Hirschhorn, Dr. Landesberg, Dr. J. Juslicht, Dr. Z. Majblum, Dr. L. Halpern Dr. Zwi Rosenmann, Dr. M. Schwager, Dr. Werfeid, Dr. Abr. Schwadron, Dr. M. Gruber je Kr. 5.—. :; ' l! ’! Ferner durch Herrn Dr. Moritz Goldberg, Oswiecim: Mitgliedsbeitrag von Harry Haberfeld Kr. 5.—. „Bezale I", Verein zur Verbreitung von Kunstgewerbe und Hausindustrie in Palästina und den Nachbarländern. »i GOLD sTolbWERO- -j£>v;

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