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Die Welt · 1913-08-15 · 33 (15.8.1913) · page 11

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
17 (1913)
Issue
33 (15.8.1913)
Date
1913-08-15
Page
– (sequence 11)
Language
German
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Nr. 33 1059 DIE3$KELT Schlags, kann es niemals auf die Dauer ein Verhältnis der Gleichgültigkeit, sondern nur der gesteigerten Sympathie oder Antipathie geben. Daß unser bisheriges System der Passivität, des Nichtstuns uns relativ noch wenig Scherereien bereitet hat, hängt einfach damit zusammen, daß unsere bisherige Kolonisationsarbeit — unter uns gesagt — doch noch recht klein war. Blieben wir bei dieser Kleinarbeit — nun gut; dann wäre es allerdings nicht nötig, über die Aufstellung eines weitausschauenden Programms viel nachzusinnen. Aber nicht bloß Hoffnungen, nein, reale Zeichen sprechen dafür, daß in allernächster Zukunft in unsere Kolonisationsarbeit ein viel größerer Zug kommen wird. Es sei hier nur an die „Achusah"-Bewegung erinnert. Wenn aber mit einer Kolonisation größeren Stils Ernst gemacht werden wird, dann werden wir mit unserem bisherigen System nicht weiter kommen. Schon deshalb nicht, weil jetzt mehr und mehr die gesetzgebende und administrative Kraft in die Hand der einheimischen Bevölkerung übergeht und also vieles von ihrem Verhalten abhängen wird. Rekapitulieren wir das Gesagte, so läßt es sich kurz in folgenden Sätzen zusammenfassen: Ziel und Zweck unserer Bemühungen in Palästina ist, daß sich hier größere jüdische Volksmassen auf Grundlage jeder produktiven, hauptsächlich landwirtschaftlichen Tätigkeit ansiedeln. Diese Siedlungsarbeit ist an und für sich nur geeignet, die bereits in Palästina ansässige arabische Bevölkerung in jeder Beziehung zu fördern und in keiner Weise, sie zu beeinträchtigen. Raum für alle hat die palästinische Erde. Für eine gedeihliche Entwicklung der Kolonisationsarbeit ist die Gewinnung der Sympathien der einheimischen Bevölkerung unumgänglich notwendig. Das System der „besonderen Siedlung" ohne Inanspruchnahme der Araber ist allerdings geeignet, die Reibungsflächen zu vermindern und ist besonders bei jeder Arbeit, die es mit einer Einwanderer m a s s e zu tun hat, zu berücksichtigen. Andererseits ist aber nicht zu erwarten, daß durch dieses System tiefere Sympathien zwischen Arabern und Juden entstehen werden. Mit papiernen oder mündlichen Freundschaftsbeteuerungen ist natürlich ebensowenig getan. Hier, wie überall, gilt die Tat und nicht das Wort. Leider ist man außerhalb Palästinas im allgemeinen viel zu wenig über diese Dinge unterrichtet und in Palästina wiederum viel zu sehr mit dem Problem der jüdischen Arbeit beschäftigt, so daß man hüben wie drüben dieser Frage nicht die nötige Aufmerksamkeit schenkt. Meine Antwort darauf werde ich in einem folgenden Aufsatz geben. PALASTINA-RUNDSCHAU Palästinensische Herzl-Erinnerungen (Von unserem Berichterstatter.) Der kurze, unerwartete Aufenthalt Theodor Herzls in Erez Israel im Jahre 1898, der durch die Palästinareise des deutschen Kaisers veranlaßt war, hat in den Städten und Kolonien, die Herzl besuchte, unvergängliche Eindrücke zurückgelassen. Anläßlich des 20. Tarn us schildert der Kolonist A. Komorow aus Neß-Zionah (Wadi-il-Chanin) im „Hacheruth" seine Herzlerinnerungen aus jener Zeit. Die Kolonie Neß-Zionah liegt bekanntlich zwischen den größeren Kolonien Rischon 1 e - Zion und Rechoboth, so daß derjenige, der von Jaffa über Rischon nach Rechoboth kommen will, die Felder von Neß- Zionah schneiden muß. Theodor Herzl, der bekanntlich auf seiner einzigen Palästinareise von Wolffsohn, Bodenheimer, Kremenezky und Seidener begleitet war, hatte nur kurze Zeit für seinen Aufenthalt in den Kolonien zur Verfügung und wollte wenigstens bis Rechoboth gelangen. A. Komorow erzählt: Als ich ein klein wenig aus meinem Freudenrausch erwachte, da sah ich mich der großen Glocke unserer Kolonie gegenüber, die ich nun mit aller Kraft schwang, so daß ihre Stimme fast ohrenbetäubend erscholl. Ich weiß nicht mehr, auf welche Weise ich so rasch von der Chaussee bis zu der weit abseits stehenden Glocke gelangte. Mein starkes Geläute zu ungewöhnlicher Zeit hatte die sofortige Ansammlung der gesamten Kolonie, die einen Unglücksfall befürchtete, zur Folge. Mein erstes Wort war daher, daß sich kein Unglück ereignet habe. Dadurch trat sofort eine Beruhigung der Gemüter ein, und ich teilte den Kolonisten die Freudenbotschaft mit, daß Dr. Theodor Herzl, der Liebling unseres Volkes, heute nach Erez Israel gekommen sei und in einer halben Stunde über unsere Felder sich von Rischon le-Zion nach Rechoboth begeben würde. Die Freude, die alle bei dieser Mitteilung erfüllte, kam in einem landesüblichen Rundtanz zum Ausdruck. Bald hatte die ganze Bewohnerschaft der Kolonie Feiertagskleidung angelegt, um Dr. Herzl in festlicher Weise das „Baruch Haba" zu entbieten. Je gehobener die Stimmung wurde, desto mehr stieg auch die Ungeduld, als Stunden vergingen, ohne daß Herzl zu bemerken gewesen wäre. Wir begannen schon an der ganzen Sache zu zweifeln, da kam ein Reiter aus Rischon dahergesprengt, der meldete, daß Rischon Herzl genötigt habe, dort zu übernachten, und er nun die Kolonie Rechoboth zu benachrichtigen habe, daß der Besuch dieser Kolonie auf den nächsten Tag verschoben worden sei. Inzwischen war es Nacht geworden und wir, drei Mitglieder des Waad, bestiegen unsere Reittiere, um nach Rischon zu kommen und Herzl im Namen der Kolonie zu bitten, auf dem Wege nach Rechoboth bestimmt auch unsere Kolonie zu besuchen. Es war eine stille, mondhelle und taufeuchte Nacht, und schweigsam ritten wir unseres Weges. Dr. Aaron M a s i e, der damals Koloniearzt in Rischon war, führte uns in das Haus, in dem Herzl wohnte, und bald öffnete sich die Tür eines Zimmers und Herzl trat auf uns zu mit einem freundlichen Lächeln, das uns auch aus seinen tiefschwarzen Augen entgegenleuchtete. Wie diese majestätische Erscheinung auf uns wirkte, welche Gefühle uns damals durchströmten, wie wir die Freudentränen nicht zurückdrängen konnten, — dies alles bin ich nicht imstande zu schildern. Keiner von uns wäre auch imstande, den folgenden Morgen zu schildern. Es war einer jener palästinensischen Frühmorgen, die aus erlesenster Pracht und köstlicher Zartheit gewoben scheinen. Die Begeisterung stieg aufs höchste, als Herzl durch die zweite Ehrenpforte unserer Kolonie schritt, wo die Schuljugend und die gesamte Kolonie mit zionistischen Fahnen und einem hebräischen Liede ihn begrüßte. Aus der Mitte des Volkes trat ein hochgewachsener, siebzigjähriger Greis in altjüdischer Tracht hervor, in der Hand hielt er einen Becher Wein und im Namen der Kolonie segnete er Herzl mit einer solchen Ehrerbietung und Inbrunst, daß ein Tränenstrom sich aus seinen Augen ergoß. Wir alle waren davon in unserem Innersten bewegt. Dieser Greis, ein hervorragender Talmudist, war auch wegen seiner großen Frömmigkeit allgemein geehrt. In dieser herzlichen Begegnung erblickten wir symbolisch die Vereinigung der beiden großen Parteien in 'unserem Volke — der traditionellen und der modernen Juden — zu gemeinsamer Arbeit für unser Volksideal. Herzl erkundigte sich eingehend nach dem Gesundheitszustand, der wirtschaftlichen Lage und dem geistigen und materiellen Leben der Kolonisten, von denen er einige auch in ihrer Wohnung besuchte. Er sprach nur wenige Worte, in denen er seinen Wunsch ausdrückte, die volle nationale Wiedergeburt auf den Bergen Judäas zu erleben, und seine Freude bekundete, daß er in den Kolonien Brüder mit nationalem Geiste und gesundem, kräftigem Körper angetroffen

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