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Die Welt · 1913-08-15 · 33 (15.8.1913) · page 9

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Journal
Die Welt
Volume
17 (1913)
Issue
33 (15.8.1913)
Date
1913-08-15
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Nr. 33 1057 ■ t>IE3§gELT* UNSERE ARABISCHE FRAGE Auch eine Kongreßrede Von J. Feldmann, Jaffa Im Oktober 1905 schrieb ich in der Monatsschrift „Altneuland“: „Als Kernpunkt der ganzen Diskussion ist natürlich die Frage zu betrachten, ob wir, gleich den Angelsachsen, geeignet sind, in friedlichster Weise und durch ein konsequent durchgeführtes liberales Vorgehen eine uns wesensverwandte Masse, die noch in bezug auf westliche Kultur tabula rasa ist, uns derart anzupassen, daß sie sich daran gewöhnt, die Förderung ihrer eigenen Interessen in dem Gedeihen unseres Werkes zu erblicken.“ Das wir in dieser Beziehung bisher so gut wie nichts geleistet haben, ist bekannt. Inzwischen sind natürlich aber andere nicht müßig gewesen. Der Konstantinopeler Korrespondet des „Hannoverschen Courier“ schrieb kürzlich zutreffend: „In die junge Intelligenzschicht, die die Trägerin der arabischen Renaissancebewegung wurde, mischten sich bald mehr und mehr katholisch-arabische Elemente. In diesen Elementen steckte die Seele der Jesuiten, die das Frankreich des Atheismus und der Laienschule in den Orient hinausgesandt hatte, um ihn für den französischen Katholizismus zu erobern. Die Beiruter Fakultät und die ins Land hinein verstreuten Schulen der Jesuiten taten ihre Schuldigkeit und mehr als das.“ „Dieser französischen Arbeit folgte auf dem Fuße die britischarabische Bewegung. England konnte das Heranwachsen der französischen Tendenzen nicht gleichgültig bleiben.Es begann deshalb von Aegypten her seine Netze über Syrien auszuwerfen. Da es die Ueberzahl der Intelligenzen bereits im französischen Lager sah, wandte es sich mit -seinen Bemühungen an die Schicht der Ungebildeten, aber Reichen, der großen Grundbesitzer, deren Einfluß in arabischem Landen ein ungemessener ist.“ Angesichts dieser rührenden Werbungen um die Liebe der Araber seitens hervorragender Großmächte und unserer Passivität kann ich nicht umhin, noch einige Sätze aus meinem Aufsatze vom Jahre 1905 zu zitieren, die sich leider buchstäblich bewahrheitet „Setzen wir aber unsere dolce-far-niente-Politik in bezug auf die einheimische Bevölkerung fort, so wird es uns nicht wundernehmen dürfen, wenn die Kultivierung desselben, die doch früher oder später fait accompli sein wird, in einer uns nicht gerade günstigen Weise geschehen wird. Wer nicht für mich wirkt, wirkt gegen mich. Gibt es doch schon jetzt arabische Zeitungen, die von ehemaligen Zöglingen christlicher Schulen herausgegeben und in recht judenfeindlichem Geiste redigiert werden. Kein Wunder füglich, daß der Araber, der aus solchen Quellen seine Welt- und Menschenkenntnis schöpft, allmählich mißtrauisch gemacht, ja zum Teil sogar gegen den einwandernden Juden aufgehetzt wird. Wie segensreich könnte schon eine von unserer Seite herausgegebene, aufklärende Zeitung in arabischer Sprache wirken.“ Man weiß nun, daß von Jahr zu Jahr der arabische Zeitungswald mehr und mehr von Beschimpfungen und zum Teil äußerst albernen Verleumdungen gegen uns widerhallte. Unsere Abwehr, die jüngsten Datums ist, stellt noch heute eine recht bescheidene, zarte Pflanze dar. Die oben erwähnte Idee der Herausgabe einer eigenen arabischen Zeitung im üblichen Sinne würde ich heute allerdings nicht aufrecht halten. Nichtsdestoweniger ließe sich unsere Abwehr wirksamer gestalten. Freilich bleibt alle papieme Abwehr leerer Schall oder ist gar noch geeignet, Gel auf das Feuer zu gießen, falls hinter dieser Abwehr nicht auch ehrliche, ernste Taten stehen, die gute Absicht und guten Willen bekunden. Wir brauchen also vor allem eine Kritik unserer Taten, unseres ganzen Systems. Dazu ist aber nötig, daß wir zum Ausgangspunkt unserer Arbeit zurückkehren und die Mittel und Wege betrachten, die wir in Anwendung bringen. Daß dabei manches Bekannte wiederholt werden wird, ist wohl unvermeidlich und muß schon mit in den Kauf genommen werden. Was ist letzten Endes Zweck und Ziel unserer Kolonisationsarbeit in Palästina? Offenbar zunächst doch der, daß in Palästina auf Grundlage der Landwirtschaft sowie jeder anderen produktiven Tätigkeit größere jüdische Volksmassen sich ansiedeln und hier in religöser, ethischer, sozialer und kultureller Beziehung nach ihrer Eigenart leben und schaffen sollen. Nun j§t aber Palästina ein nicht ganz unbewohntes Land. Auch vor Zangwill wußte man, daß hier über eine halbe Million Araber lebt, von denen ein Teil in den Städten, ein anderer Teil als Beduinen und ein großer Rest als Bauern „Fellachen“ seit Generationen den größten Teil des Landes bewohnt. Nun ist es Tatsache, daß wohl kein einziger Araber, der den Boden aus wirtschaftlicher Notlage verkauft hat, aus Palästina ausgewandert ist; denn der anspruchslose Araber findet immer bei dem einwandernden Juden aus Europa eine gute Erwerbsgelegenheit, so daß durchschnittlich durch den Verkauf des Bodens an Juden die .wirtschaftliche Lage der Araber jedenfalls eher gehoben als beeinträchtigt wird. Nun muß man aber zwei Fälle unterscheiden. Gehörte der verkaufte Boden früher einem Effendi, der ihn durch arabische Arbeiter bestellen ließ, so blieben die Araber nach dem Verkauf in ihrer früheren rechtlichen Lage und sie sind insofern besser gestellt, als sie jetzt in der jüdischen Siedlung sicherlich besseren Lohn erzielen. Derjenige Boden, der einer arabischen Dorfgemeinde gehört, wird niemals vollständig veräußert. Die Regel ist die, daß das „Dorf“ (der Boden ist da Gemeingut und nicht aufgeteilt) den besseren, für Getreide- oder Gemüsebau geeigneten Boden für sich behält und den schlechteren, d. h. den, der nur durch kostspielige Investierungen für Pflanzenbau zu verwenden ist, an die Juden abgibt. Der Gewinn der Araber ist dabei doppelt: erstens haben sie für einen für sie fast wertlosen Boden einen zumeist hohen Preis erzielt und sodann haben sie dadurch in ihrer nächsten Nähe eine Siedlung geschaffen, die für sie die „Fabrik“ ist, d. h. wo sie in freier Zeit für sich, ihre Frauen und Kinder lohnende Arbeit finden. In der Tat hat sich die wirtschaftliche Lage der Araber in Palästina seit dem Beginn der jüdischen Kolonisation ungemein gehoben und ist in keiner Weise mit der Lage der übrigen Araber, beispielsweise in Mesopotamien, zu vergleichen. Daß viele Araber es durch die Einwanderung der Juden (beispielsweise Besitzer städtischen Terrains in Jerusalem und Jaffa) sogar zu großem Reichtum gebracht haben, versteht sich von selbst. Professor W a r b u r g hat wiederholt darauf hingewiesen, daß Palästina, wenn es zur intensiven Wirtschaft übergeht, noch, wie vor 2000 Jahren, einige Millionen Einwohner aufnehmen könnte, ohne die jetzigen Einwohner verdrängen zu müssen. Ich habe dies in meinem bereits erwähnten Aufsatz so ausgedrückt: „Eine Familie, deren Arbeitskräfte bei extensiver Ackerwirtschaft für etwa 30—40 Hektar vollständig ausreichen, wird kaum ein Viertel dieser Fläche mit denselben Arbeitskräften intensiv bebauen können.“ Ein Beispiel mag dies illustrieren: Die Kolonie Pethach Tikwah war früher ein elendes Nest, das eine geringe Anzahl arabischer Familien kümmerlich ernährte. Diese waren froh, als die Juden es ihnen abkaufen wollten und forderten nicht einmal einen hohen Preis, da die Malaria dort zu Hause war. Die neuen Besitzer sanierten den Ort und entfalteten eine großartige intensive Wirtschaft. Die Folge ist die, daß heute in Pethach-Tikwah etwa 3000 Juden wohnen und die umliegenden arabischen

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