Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 17 (1913)
- Issue
- 33 (15.8.1913)
- Date
- 1913-08-15
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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1056 DIE .3&ELTS Nr. 33 heitsamt gewährt werden, werden zu gleichen. Teilen <ten bestehenden Abteilungen zugewandt. Es sei hier noch beigefügt, daß es alljährlich in Palästina ziemlich viel Tollwuterkrankungen gibt. Die Gebissenen waren bisher angewiesen, entweder nach Kairo oder nach Konstantinopel zur Behandlung zu reisen. Seit die Tollwutstation in Jerusalem besteht, hat die französische St. Joseph-Universität auch in Beirut eine solche errichtet. Vom Wiener Kongreß nach Palästina (Von unserem Berichterstatter.) Wien. Es wurde bereits in diesen Blättern auf die Wichtigkeit der Palästinareise hingewiesen, die nach dem Plane der Veranstalter eine möglichst große Zahl der Kongreßteilnehmer durch das neue Palästina führen soll. Aller Voraussicht nach werden sämtliche L a n d e s o r g a n i s a t i o n e n durch eine größere oder kleinere Gruppe von Delegierten vertreten sein. Dadurch erhält die Reise den besonderen Charakter einer ernsten, bedeutsamen Studienfahrt. Wie Ihrem Berichterstatter seitens des Wiener Palästina-Informationsbureaus (einer Institution des zionistischen Zentralkomitees für Westösterreich) versichert wurde, unterscheidet sich das Programm dieser Fahrt ganz bedeutend von dem der bisherigen Palästinafahrten. Keine bedeutendere Kolonie wird ausgelassen, für Jerusalem sind vier Tage .vorgesehen, Jaffa wird zweimal berührt. Seit einem halben Jahre hat sich das Wiener Informationsbureau durch Fühlungnahme mit den kompetenten Faktoren gemüht, alle Erfahrungen der bisherigen Gesellschaftsreisen, dem diesmaligen Unternehmen zunutze zu machen und nichts außer acht zu lassen, was der erschöpfenden Betrachtung und Beurteilung des Palästinawerkes in seinem gegenwärtigen Zustande dienlich ist. Ein jüdischer Jugendwanderbund für Oesterreich Vor einigen Monaten rief die „Wiener Zionistische Vereinigung einen Jugendwanderbund „Blau-Weiß“ ins Leben, der in kurzer Frist einen erfreulichen Aufschwung nahm. Die im besten Sinne des Wortes modernen Bestrebungen des Bundes, der die jüdische Jugend zu Wanderfahrten in die Natur eint, wurden in den breitesten jüdischen Kreisen der Residenz sympathisch begrüßt, und der Elternverband des Wandervereines zählte bald zahlreiche Mitglieder, welche die Wichtigkeit des jungen Unternehmens so verstanden, wie es Max Nordau in einem Briefe an die Gründer ausdrückte: „Es ist ein Wandern, das die Glieder stärkt, die Brust weitet, die Seele mit Bildern und Wonne füllt. Dieses neue Wandern ist ein Sinnbild des neuen Judentums, des lebenskräftigen, lebensfreudigen, das seinen Anteil an der Erde und seinen Platz an der Sonne fordert und bereit ist, die dazu nötigen Anstrengungen zu machen.“ Schon in den ersten Wochen seiner Tätigkeit wurde der Wanderbund mit schriftlichen Anfragen aus den Provinzstädten Oesterreichs förmlich überflutet, da man allenthalben die gesunde und schöne Institution einführen möchte. Man beschloß daher, um die wichtigen Bestrebungen großzügig und einheitlich betreiben zu können, einen „Oesterreichischen Bund Blau-Weiß für jüdisches Jugendwander n“ zu gründen. Das Ministerium des Innern hat die Statuten bereits genehmigt. Damit ist das unter so glücklichen Auspizien begonnene Unternehmen, das der jüdischen Jugend und damit dem jüdischen Volke gewidmet ist, in ein neues, ernstes Stadium getreten und wird sorgsamster Pfleger und emsigster Arbeit aller bewußt-jüdischen Faktoren bedürfen, soll es seinen herrlichen Zweck erfüllen. Die „Wiener zionistische Vereinigung“ wird anläßlich des Wiener Zionistenkongresses einen österreichischen Jugendtag veranstalten. Ehrung Theodor Herzls durch eine österreichische Stadtvertretung Die Vertretung der Stadtgemeinde Suczawa hat in der Sitzung vom 4. August d. J. auf Antrag der jüdischnationalen akademischen Verbindung „Tikwah“ einstimmig beschlossen, die bisherige Kreuzgasse, eine der verkehrreichsten Straßen der Stadt, in Theodor Herzlstraße umzubenennen. Gleichzeitig wurde ein Antrag des Gemeinderates Sternlieb angenommen, wonach die neu anzubringenden Straßenschilder in dieser Straße die Aufschrift in deutscher, rumänischer und hebräischer Sprache tragen sollen. August Bebel gestorben In Passug (Schweiz) ist am Dienstag, den 12. August, wie wir bei Redaktionsschluß erfahren, der geistige Führer der deutschen Sozialdemokratie, August Bebel, im 75. Lebensjahre gestorben. Von Bebel stammt bekanntlich das viel zitierte Wort: „Der Antisemitismus ist der Sozialismus der dummen Kerle“. Auch Bebel dürfte aber im Laufe der Jahrzehnte, die seit diesem Ausspruch verflossen sind, eingesehen haben, daß damit das Problem des Antisemitismus so wenig wie das der Judenfrage erschöpft ist. Amedeo Donati (Von unserem Berichterstatter.) Florenz. Einer der angesehensten und tätigsten italienischen Zionisten ist vorige Woche in der Blüte seines Lebens verschieden. Amedeo Donati, der eine hervorragende Stelle im öffentlichen und gesellschaftlichen Leben seiner Vaterstadt Modena einnahm, widmete sich auch dem öffentlichen jüdischen Leben mit seinem ganzen jugendlichen Enthusiasmus. Er war einer der Vorkämpfer der Reorganisation der jüdischen Gemeinden Italiens und ihrer Vereinigung zu einem „Bunde“; seine Arbeit war namentlich darauf gerichtet, die vielen Uebelstände der jüdischen Wohlfahrtspflege zu beseitigen und diese auf moderne, gesunde Basis zu stellen. Donati war einer der ersten italienischen Zionisten, der gleich Gino Racah dem zionistischen Gedanken in Italien Eingang zu verschaffen suchte. Zu diesem Zwecke gründete er die „I d e a Sionnista“, die unter seiner Leitung zehn Jahre bestand, aber ihr Erscheinen vor drei Jahren einstellen mußte, da sie mit den anderen halbmonatlichen und wöchentlichen Zeitschriften nicht konkurrieren konnte. Unter seinem Einflüsse sind verschiedene lebenskräftige Gruppen entstanden; er gehörte dem Rate der Federation der italienischen Zionisten an und war eines ihrer eifrigsten Mitglieder. In diesem Jahre gedachte er, an dem bevorstehenden Wiener Kongreß teilzunehmen, aber leider hat ein plötzlicher Tod ihn weggerafft. Ehre seinem Andenken 1 Eine große jüdische Büchersammlung in New York Wie aus dem soeben erschienenen Jahresbericht der New- Yorker Public Library hervorgeht, umfaßt die vor einigen Jahren angelegte Abteilung dieser Bibliothek für Hebraica und Judaica bereits die stattliche Zahl von 20 UOU Bänden. Die Sammlung ist in. einem besonderen riesigen Saal untergebracht und gliedert sich in eine biographische Abteilung, eine Abteilung für Nachschlagewerke und eine Abteilung für Zeitschriften. An hebräischer .Belletristik aus alter und neuer Zeit enthält die Bibliothek über 1000 Bände, fast ebenso groß ist die Zahl, der wissenschaftlichen Schriften in hebräischer Sprache; die „jiddische“ Literatur ist durch 1100 Bände vertreten. Mehr als 500 Bände behandeln die moderne Judenfrage: Antisemitismus, Zionismus, Statistik, Gemeinde- und Wohlfahrtswesen. Die Sammlung enthält auch eine große Anzahl alter hebräischer Bibeldrucke und wertvoller Manuskripte.