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Die Welt · 1913-08-08 · 32 (8.8.1913) · page 13

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
17 (1913)
Issue
32 (8.8.1913)
Date
1913-08-08
Page
– (sequence 13)
Language
German
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Nr. 32 1029 DIE3§8ELT führung von Kongreßbeschlüssen dieser Art tatsächlich garantieren konnte. Erst dadurch, daß ein großer zionistischer Zentral- Fonds geschaffen wird, kann die Leitung der zionistischen Weltorganisation instand gesetzt werden, jeden solchen Kongreßbeschluß auch wirklich durchzuführen. Deshalb ist es besonders angezeigt, gerade die Sammlungen, die anläßlich des Kongresses vorgenommen werden, dem zionistischen Zentral- Fonds .zufließen zu lassen. Wird aus allen diesen „Kongreßtagen“ ein imposanter Fonds entstehen, der unsere Arbeit über alle widrigen Zufälligkeiten hinaus sicherstellt, so wird der Kongreßtag auch der kleinsten Gruppe sich den Tagen des Wiener Kongresses selber würdig anreihen! PALÄSTINA-RUNDSCHAU Aus der Jaffaer jüdischen Gemeinde (Von unserem Berichterstatter.) Dieser Tage fand hier in einem Saale des Hebräischen Gymnasiums die Generalversammlung des V ereines für Waisenfürsorge statt. Frau Dr. Jonas-Guttmann trat dafür ein, daß der Verein auch ein Säuglingsheim für jemenitische Kinder einrichten solle, deren Mütter auf Arbeit gehen. Der Vorschlag wurde angenommen. Der Verein zählt hier 160 Mitglieder, die ca. 1300 Fr cs. an Mitgliedsbeiträgen entrichten; er nimmt auch einmalige Spenden entgegen. Wenn dieser Verein auch in Europa die nötige Sympathie und Förderung fände, so könnte die Waisenfürsorge in vernünftiger Weise geregelt werden, da hier die redliche und selbstlose Verwaltung außer Frage steht. In der palästinensischen Presse wird in letzter Zeit die auch hier immer mehr überhandnehmende Teuerung der Lebensmittel besprochen und es werden Mittel und Wege gesucht, dieser Teuerung entgegenzuwirken. So äußert sich in dem Wochenblatt „Hapoel Hazair“ ein Bäcker über das Steigen der Brotpreise. Nach seiner Ansicht sind es zwei Umstände, die diese Erscheinung herbeiführen. Erstens ist das im Lande erzeugte Mehl, welches doch den größten Teil des Bedarfes decken sollte, viel teurer als das ausländische. Bei den billigen Qualitäten z. B. stellt sich der Preis hier doppelt so hoch wie in Rußland. Hinzu kommt noch, daß das Holz, daß in Palästina als Brennmaterial verwandt wird, hier doppelt so viel kostet als in manchen europäischen Ländern. Zur Milchteuerung, die besonders von den palästinischen Stadtbewohnern hart empfunden wird, schreibt ein Milchhändler: Neben den verschiedenen Ausgaben, die die Milch verteuern, ist noch folgendes zu bedenken: Die Jaffaer Milchhändler haben einen Vertrag mit der deutschen Kolonie Sarona abgeschlossen, demzufolge sie das gesamte Quantum Milch, das ihnen geboten wird, kaufen müssen. Hingegen ist der Konsument an keinen Vertrag gebunden und kann nach seinem Belieben einmal ein großes Quantum beziehen, ein anderes Mal wieder gar nichts kaufen. Zur Winterszeit, wo es viel Milch gibt, haben die Hotels, die gerade dann wenig Gäste haben, keinen großen Bedarf. Hingegen steigt der Bedarf im Sommer, wo die Milch knapp ist. Alle diese Umstände tragen zur Milchteuerung bei. Es ist jedoch anzunehmen, daß mit der Zunahme der Molkereien im Lande die Preise für dieses hier so wichtige Nahrungsmittel doch heruntergehen werden. Auch die Anlage von Eukalyptuswäldern, die in den letzten Jahren andauernd fortschreitet, wird mit der Zeit das Brennmaterial und infolgedessen auch das Brot verbilligen. Das hiesige jüdische Krankenhaus, das aus Mangel an Betriebsmitteln drei Monate lang geschlossen bleiben mußte, ist wieder eröffnet worden. Im Hause des Chaschamhaschi U s i e I fand dieser Tage eine Versammlung zwecks Organisierung der hiesigen sephardischen Gemeinde statt. Es wurde ein Komitee von sieben Mitgliedern eingesetzt, das sich mit dieser Angelegenheit befassen soll. Gleichzeitig wurden 1200 Frcs. gesammelt, um den Bau der hiesigen sephardischen Talmud Thora-Schule zu vollenden. In letzter Zeit wurden die Ergänzungswahlen zum Schiedsgericht vorgenommen. Auf besonderes Verlangen der Arbeiterschaft wurden diesmal auch Vertreter aus den jüdischen Kolonien gewählt. Der Waad Hair (Gemeindevorstand) hat beschlossen, eine statistisch genaue Zählung der jüdischen Einwohner von Jaffa zu veranstalten. Der Zionismus in Aegypten Alexandrien. Die zionistische Bewegung hat auch hierzulande in den letzten Jahren erhebliche Fortschritte gemacht. Dies zeigte sich jüngst wieder einmal anläßlich der Anwesenheit der Familie Ben-Jehuda aus Jerusalem, der es gelungen istx für die Zwecke des großen hebräischen Wörterbuchs (Thesaurus totius Hebraitatis) von Elieser Ben-J ehuda (von dem bereits drei Bände im Langenscheidtschen Verlag erschienen sind) einen ansehnlichen Betrag in Aegypten aufzubringen. Eine großzügige zionistische Werbearbeit wird in Alexandrien und in Kairo entfaltet. Auf dem bevorstehenden Zionistenkongreß in Wien wird Aegypten durch drei Delegierte vertreten sein. In letzter Zeit kommen viele Juden aus Saloniki sowie aus anderen ehemals türkischen Städten nach Alexandrien. Die hiesige jüdische Gemeinde sorgt nach Möglichkeit für die Unterbringung der meist mittellosen Einwanderer. Bei der augenblicklich recht gedrückten wirtschaftlichen Lage ist jedoch nur geringe Aussicht vorhanden, daß alle diese Flüchtlinge hier eine neue Existenz werden finden können. Mehrere von ihnen sind daher entschlossen, weiter nach Palästina oder nach Smyrna zu reisen. Judenverfolgungen in Sfidarabien J erusale m. In den jüngsten Tagen sind hier wieder aus dem Jemen traurige Nachrichten über die Drangsalierung der dortigen Juden eingetroffen. Da der an dem Schwager des Chacham- Baschi (Oberrabbiners) von S a n a a vor einigen Monaten verübte Mord ungesühnt blieb, wurde jetzt in der Gegend von Menaska ein Jude in noch grausamerer Weise umgebracht. Dem jungen Schalom Ilkasar wurde nämlich auf dem Wege aufgelauert, und er wurde, als er ahnungslos vorbeikam, ergriffen und lebendig begraben. Diese beiden Mordtaten, die an Angehörigen der angesehensten jüdischen Familien verübt wurden, haben alle Juden des Jemen in tiefste Trauer und Bestürzung versetzt. Die unerträglichen Bedrückungen, die die Juden seitens des Imam Jach ja zu erleiden haben, halten an, ohne daß der türkische Wali es wagt, gegen den übermächtigen Imam einzuschreiten. Vor kurzem verklagte ein Jude einige Araber, die ihn ohne Grund mißhandelt hatten, beim Gerichtshof in Sanaa. Aber weder die jüdischen noch die türkischen Zeugen, die er stellte, wurden zur Zeugenschaft zugelassen und so blieben die Uebeltäter wieder unbestraft. Ein Brief aus dem Jemen, der alle diesen Klagen vorbringt und in der Jerusalemer Zeitung „Hacheruth“ veröffentlicht war, schließt mit der Bitte, die Juden in Jerusalem möchten den Chachambasdii in Konstantinopel auffordem, energisch für den Schutz der Juden im Jemen einzutreten. Neu ist in dem Brief die Mitteilung, daß man im Jemen nunmehr anfängt, auch die jüdischen

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