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Die Welt · 1913-08-08 · 32 (8.8.1913) · page 12

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Journal
Die Welt
Volume
17 (1913)
Issue
32 (8.8.1913)
Date
1913-08-08
Page
– (sequence 12)
Language
German
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1028 Nr. 32 DIE3$KELT Jahrtausenden geschaffenen Kulturwerte. Und dann um die Schaffung von Volksschulen und Jugendkursen, wo die hebräische Sprache gründlich erlernt werden soll. Das ist wahre zionistische Gegenwartsarbeit. 2. Die national jüdische Organisation, die die Zusammenfassung der Judenheit bezweckt. Das kann systematisch nur durch die Gemeinde erreicht werden. Aber natürlich nicht mit der sogenannten „Eroberung der Gemeinden“. Damit erreichen wir eher die Zersplitterung, als die Vereinigung der Juden. Es handelt sich zunächst darum, zähe an der Forderung des Proportional Wahlrechts festzuhalten. Das ist eine gerechte Forderung, die mit der Zeit obsiegen wird, denn sie kommt alle» Minoritäten zugute. Die Zionisten müssen in die jüdischen Gemeindestuben eintreten mit dem festen Vorhaben, positive Arbeit zu leisten auf allen Gebieten, besonders aber auf dem der national jüdischen Kultur. Und über die Gemeinde hinaus müssen wir dann danach streben, alle Juden des betreffenden Landes zu vereinigen — mit alten ihren jetzt existierenden Parteien und Richtungen, immer nach dem Prinzip der Verhältnisvertretung. Auf diese Weise lassen sich viele innere Kämpfe vermeiden und der uns aufgenötigte Kampf wird gerecht sein. Denn wir verlangen nur eins: uns eine unserer Zahl entsprechende Vertretung zu gewähren. Auf demselben Prinzip basierend müssen wir danach streben, die Juden der verschiedenen Länder zu vereinigen behufs Lösung von bestimmten, ganz konkreten Fragen des jüdischen Lebens. Das sind die zwei Punkte der Gegenwartsarbeit, die vom Basler Programm vorgesehen sind. Alles andere — wirtschaftliche und landespolitische Tätigkeit — gehört nicht ins zionistische Programm. Nur dort, wo es außer den Zionisten keine nationaljüdische Partei gibt, sind unsere Gesinnungsgenossen gezwungen, vorläufig die Verteidigung der nationaljüdischen Richtlinien in der Politik zu übernehmen. Mag sein, daß unser Gegenwartsprogramm beschränkt ist. Gestehen wir ein: der ganze Zionismus ist eine Selbsteinschränkung, eine enge Zwecksetzung. Und mögen uns alle die, denen wir bloß ein Teiljudentum sind, in Ruhe lassen. Wir überlassen ihnen gern das breite und weite Feld des Alljudentums. Mögen sie von Worten zu Taten übergehen, mögen sie alle jüdischen Wirtschaftsprobleme lösen, mögen sie die Renaissance der Jargonkultur fördern, aber lasse man uns in Ruhe unsere „Teilaufgabe“ lösen: Palästina mit Juden zu kolonisieren, die hebräische Kultur, soweit möglich. auch in der Diaspora zu stärken, das ganze Judentum zusammenzufassen zwecks Wiedererweckung unserer Einheit. Als einzelne Juden nehm^p wir am ganzen Leben der Juden teil mit der inneren Ueberzeugung, hier keine ganze Arbeit leisten zu können. Als Zionisten unternehmen wir nur das, was die Stärkung und die Verwirklichung unseres Ideals fördert und nichts mehr. Ja, wir wollen das ganze Volk werden, wir sind es aber noch nicht und deshalb stecken wir uns ein umschriebenes Tätigkeitsgebiet ab. Wir sind aber überzeugt, daß nur aus unserem „Teiljudentum“ ein echtes Alljudentum werden wird — nach Generationen, nach jahrzehntelanger mühevoller Arbeit. In unserer Selbstbeschränkung liegt unsere wahre Größe. DER KONGRESSTAG Das Leben in der zionistischen Organisation ist gegenwärtig von den Vorbereitungen zum XI. Kongreß in Wien beherrscht. Auch in diesen Arbeiten kommt zum deutlichen Ausdrude, daß sich unsere Organisation sichtlich in aufsteigender Linie entwickelt. Alle in der Organisation tätigen Gesinnungsgenossen beweisen durch ihre Arbeit, daß sie die Bedeutung dieses Kongresses für die weitere Entwicklung unserer Organisation und den Fortschritt unserer Arbeit fühlen. Das Interesse, mit dem die ganze jüdische Oeffentlichkeit die Vorbereitung des zionistischen Weltkongresses in Wien verfolgt, beweist, daß das jüdische Leben all ent-, halben mehr und mehr von zionistischen Gedankengängen durchdrungen wird. Der nationale, und besonders der zionistische Gedanke zwingt, ganz wie es Herz! wollte, alle Juden zur Stellungnahme, zum Bekennen. Die zionistische Tätigkeit, die Propaganda des zionistischen Gedankens und die Erfolge der zionistischen Organisation machen es mit der Zeit jedem Juden unmöglich, am Zionismus vorüberzugehen, ohne sich für oder gegen ihn zu erklären. Darum findet der elfte Kongreß, der in einem der größten jüdischen Zentren Europas stattfindet und auf die großen Massen der östlichen wie der westlichen Judenheit starke Anziehungskraft ausübt, so lauten Widerhall in allen jüdischen Kreisen. Daß die Zionisten selbst sich mit aller Hingebung der würdigen Vorbereitung ihres Kongresses widmen, ist selbstverständlich. Das Actions-Comite hat durch den Vorschlag des Kongreßtages allen zionistischen Vereinen, ja auch jeder Gruppe zionistischer Gesinnungsgenossen die Möglichkeit geboten, sich gerade anläßlich des XI. Kongresses in besonders deutlicher und würdiger Form zum zionistischen Ideal und zur zionistischen Organisation zu bekennen. Das Actions-Comite hat alle Organisationen aufgefordert, unmittelbar vor dem Kongreß einen Kongreßtag zu veranstalten. „Wo immer Zionisten Zusammenkommen können, sollen sic sich zu einer gemeinsamen Kundgebung vereinen. Sie sollen sich miteinander und mit der Wiener Tagung, über der Herzls Geist schwebt, solidarisch erklären“ — so sagt der Aufruf des Actions-Comites. Die Bedeutung dieser machtvollen Kundgebung wird von den Zionisten in den entfernten Ländern ebenso erkannt, wie in den Landesverbänden, die dem Kongreßort am nächsten stehen: Deutschland und Oesterreich. Die argentinischen Zionisten, die ihre Kongreßwahlen — ebenso wie die Zionisten in Südafrika, Canada, den Vereinigten Staaten von Nordamerika — schon durchgeführt haben, berufen für die Zeit des Kongresses ihre erste Landeskonferenz nach Buenos- Aires ein und werden sie voraussichtlich zu einem großen Kongreßtag ausgestalten. Die Distrikts-Komitees von Oesterreich (Böhmen, Mähren-Schlesien usw.) fordern ihre Organisationen auf, die Kongreßtage gleichzeitig zur Aufklärung der jüdischen Bevölkerung über die Bedeutung des Kongresses zu benutzen. „Bei den Kongreßtagen“, schreibt das mährischschlesische Distrikt-Komitee in einem Zirkular, „müßte über die Bedeutung des Kongresses und schließlich des Zentral- Fonds gesprochen werden“. Dort, wo die Abhaltung eines Kongreßtages in der Form einer V ersammlung nicht möglich ist, soll die zionistische Manifestation in Form einer an den Kongreß gerichteten Adresse erfolgen, in der zum Kongreß als der Verkörperung des nationalen Judentums Stellung genommen wird. Auch bei diesem Anlaß muß des Zionistischen Zentralfonds gedacht werden. Dadurch, daß die Manifestation für den zionistischen Gedanken, wie sie der Kongreßtag und die Kongreßaa d r e s s e darstellen sollen, mit der werktätigen Unterstützung des zionistischen Zentral-Fonds verknüpft wird, löst die Begeisterung, die der Kongreß in allen bewußt-jüdischen Kreisen wecken wird, nachhaltige und positive Erfolge aus. Denn der Zionistische Zentral-Fonds soll das wichtigste Instrument werden, mit dessen Hilfe die zionistische Organisation ihren großen politischen, kulturellen und propagandistischen Aufgaben gerecht zu werden vermag. Die zionistische Organisation hat bisher keinen Fonds gehabt, der die Durch-

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