Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 17 (1913)
- Issue
- 32 (8.8.1913)
- Date
- 1913-08-08
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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Nr. 32 dies^kelt gewandt, der die Sache dem Präsidenten des Gemeindebundes, Adr. Angelo S e r e n i in Rom, übergeben hat, damit er die nötigen Schritte bei dem Kolonialministerium unternimmt. Hoffentlich wird der Gemeindebund die nötige Energie finden und es durchsetzen, daß ähnliche beschämende Vorfälle in den italienischen Kolonien nicht wieder Vorkommen. Dubnow über Juden und Täuflinge (Von unserem Berichterstatter.) Petersburg. Das neue Schuljahr, beginnt nun bald wieder in Rußland, und mit ihm werden wir wieder Zeugen jener schmachvollen Ereignisse sein, die unter der Bezeichnung „M assentaufen“ schon eine stehende Rubrik der jüdischen Blätter geworden sind. Von Jahr zu Jahr mehren sich die Fälle, wo entnervte und haltlose jüdische Jünglinge, denen ihr Judentum-den Eingang in den Tempel der Wissenschaft sperrt, der k Versuchung nicht widerstehen und fahnenflüchtig werden. Erst vor kurzem wurde der Uebertritt von 80 Jünglingen gemeldet, die als Hörer der Kiewer Handelshochschule durch einen Federstrich des Herrn Kasso, „Ministers für Volksaufklärung“, ihre Rechte eingebüßt hatten. Diese und ähnliche Tatsachen, veranlaßten nun den bekannten Historiker S. Dubnow, einen Aufruf zu veröffentlichen, den er im Herbst 1011 im Aufträge einer Gruppe von jüdischen Schriftstellern und anderen Männern der Oeffentlichkeit abgefaßt hat. Infolge verschiedener Ursachen unterblieb damals die Veröffentlichung dieses Aufrufes, und Dubnow sah sich erst jetzt veranlaßt, das Manifest doch der Oeffentlichkeit zu übergeben. Dieser Aufruf ist ein interessantes Dokument der Zeit, und es seien hier deshalb einige Stellen daraus wiedergegeben: „Diese Erscheinung — schreibt Dubnow — ist in der jjüdischen Geschichte nicht neu, und das Volk nahm von jeher ihr gegenüber eine unzweideutige Stellung ein: die abgesplitterten Teile des unzerbrechlichen Volkes wurden als abgefallen und für das Judentum verloren betrachtet. Ein Jude, der zu einer anderen Religion übergetreten, ist eo ipso kraft der historisch bedingten Verhältnisse zu einem anderen Volke übergegangen. Wer sich von seinem Volke losgesagt, verdient es, daß das Volk sich von ihm lossagt. Unter diesen Umständen bedeuteten die Abfälle vom Judentum bloß einen quantitativen, nicht aber einen qualitativen Schaden. Die national schwachen Elemente fielen vom Volksorganismus ab, ohne ihn zu infizieren. Anders in der letzten Zeit. In manchen Kreisen macht sich in dieser Beziehung eine viel zu große Nachsicht bemerkbar, sowohl dem Akte der Taufe als auch der Tatsache gegenüber, daß viele offene und versteckte Renegaten in unserer Mitte verbleiben, die früheren gesellschaftlichen Beziehungen aufrecht erhalten und so in unsere Gesellschaft den Pesthauch des Verrats hineinbringen. Und so wird denn ein neuer Typus von Abtrünnigen geschaffen, der bei der von ihm verratenen Fahne stehen bleibt, eines Ueberläufers, der zu der von ihm verlassenen belagerten Festung Beziehungen hat. Das Gift der fressenden Seuche sickert in den gesellschaftlichen Organismus hinüber und bedroht uns mit ernsten Folgen, wenn nicht die gesamte Nation, so doch wenigsten die Teile derselben, die mit den Täuflingen in Berührung kommen. Das nachsichtige Verhalten dem Ueberläufertum gegenüber bringt in gewisse Kreise eine furchtbare Demoralisation hinein und wirft einen Schatten auf unsere nationale Widerstandsfähigkeit. „Wir erachten es für unsere Pflicht, die Aufmerksamkeit der jüdischen Gesellschaft auf di6se schmach- und gefahrvolle Erscheinung zu lenken und ein Wort der Mahnung und Warnung an die Schwankenden und die Festen zu richten. 1025 „Wir sagen zu denjenigen, die von uns gehen wollen: Ihr steht an der Schwelle des Verrats. Haltet ein, besinnt euch! Ihr seid im Begriffe, einen verhängnisvollen Schritt zu machen, der euch und eure Nachkommenschaft vom Ewigen Volke für immer lösen wird. Ihr werdet bürgerliche Rechte und persönliche Vorteile einheimsen, allein ihr werdet für immerdar das große historische Vorrecht einbüßen, zu einer Nation von geistigen Helden und Märtyrern zu zählen, einer Nation, die nach wie vor aufopferungsvoll um ihre Existenz, um eine ihrer großen Vergangenheit würdige Zukunft kämpft. Wenn ihr zu diesem Verrate bereit seid, so gehet, aber wisset, daß ihr unwiderruflich gehet, daß man mit dem Brandmal eines Ueberläufers in das verlassene Lager nicht zurückkehren darf. Zu den Standhaften und Treuen sprechen wir aber: Die Zugehörigkeit zum Heere der für das Judentum Kämpfenden macht eine gewisse Manneszucht zur Pflicht. „Dein Lager soll heilig sein“ — dieses uralte Gebot verlangt sittliche Reinheit und Ganzheit von einer Volksorganisation, die von Jahrhunderten historischer Heldentaten zusammengeschweißt wurde. Der Abbruch der gesellschaftlichen Beziehungen zu den „Nahen, die entfremdet wurden“, ist dort unerläßlich, wo in der Seele des Juden die Stimme eines moralischen Imperativs noch vernehmbar ist. Es gibt keine Brüderlichkeit zwischen denjenigen, die die Fahne hochhalten und denen, die sie hingeworfen, zwischen denen, die um den Namen „Jude“ geschmäht werden, und denen, die sich den Schmähungen unter der Maske des „Christen“ entziehen. Wir rufen die jüdische Gesellschaft auf: strenget alle Kräfte an, um der Seuche des Abfalls Einhalt zu tun. Ist aber der Abfall geschehen, so beobachtet das Gebot der „Heiligkeit des Lagers Israels“, und ziehet eine Grenzlinie zwischen denen, die um die Nation kämpfen, und denen, die sie verraten haben.“ Hilfsaktion der türkischen Regierung für die jüdischen Kriegsflüchtlinge 1 Konstantinopel. Die Regierung hat den Großrabbiner der Türkei benachrichtigt, daß sie es gerne sehen würde, wenn die infolge der Kriegswirren aus Thrazien geflüchteten Juden, die sich größtenteils in Konstantinopel aufhalten, nunmehr, nachdem die Türkei die betreffenden Gebiete wieder besetzt hat, in ihre Heimat zurückkehren wollten. Die Regierung sei bereit, das Repatriierungswerk nach Kräften zu fördern und die Familien, die durch den Krieg ihr Vermögen verloren haben, nach Möglichkeit zu entschädigen. Das Großrabbinat wurde vom Ministerium des Innern aufgefordert, Vertrauensmänner in die Heimat der jüdischen Kriegsflüchtlinge zu entsenden, um ihnen bei der Repatriierung zur Seite zu stehen und die Höhe des materiellen Schadens, den die einzelnen Familien erlitten haben, genau festzustellen. Heldenmut eines serbisch-jüdischen Offiziers (Von unserem Berichterstatter.) Belgrad. Die hiesigen Zeitungen bringen unter der Ueberschrift „Ein jüdischer Held“ ausführliche Berichte über die Waffentaten des jüdischen Reserveoffiziers Friedrich S. Pops im gegenwärtigen Kriege. In allen Gefechten stürmte er todesmutig an der Spitze seiner Kompagnie gegen den Feind und führte die ihm anvertrauten Soldaten von Erfolg zu Erfolg. Pops ist Advokat in Belgrad und Präses der dortigen aschkenasischen Gemeinde. Er ist ein Verwandter Theodor Herzls.