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Die Welt · 1913-08-08 · 32 (8.8.1913) · page 8

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
17 (1913)
Issue
32 (8.8.1913)
Date
1913-08-08
Page
– (sequence 8)
Language
German
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1024 Nr. 32 □ □□cm WELTCHRONIK Das neue „Itoland“ Nun wird es also Ernst! Acht Jahre lang hat die geographische Kommission der Ito den Globus abgesucht nach einem für ein autonomes Judenland geeigneten Territorium, mit den unglaublichsten Projekten hat man die Welt behelligt, und es war oft schwer, keine Satire zu schreiben über die seltsamen Wege dieser Kommission, die überallhin, nur nicht nach Palästina, führen durften. Immerhin muß man konstatieren, daß die Leiter der Ito Verantwortungsgefühl genug hatten, die diversen Ideen, denen sie nachgingen, immer rechtzeitig wieder fallen zu lassen, wenn sich ihre absolute Unfruchtbarkeit — in jeder Hinsicht — herausgestellt hatte. Nun äußert sich Prof. Gregory, der Leiter einer von der Ito nach Angola entsandten Expedition über den von dieser durchforschten Teil Angolas, das Plateau Benguella. Im Züricher „Israelitischen Wochenblatt“ veröffentlicht Joseph K r u k ein Interview mit Gregory, aus dem folgendes klar wird, was zwar nicht neu, aber interessant ist: Angola, bekanntlich eine portugiesische Kolonie in Westafrika, hat natürlich tropisches Klima, aber auf dem Plateau Benguella ist das Leben für Europäer möglich. Die Malariagefahr ist „nicht groß, und man kann sie leicht mit prophylaktischen Mitteln bekämpfen“. „Das Land ist auch sehr fruchtbar. Ein Paradies ist es zwar nicht, aber eine ganze Reihe landwirtschaftlicher Kulturen werden sich hier gut entwickeln können.“ Mit der Viehzucht ist es nicht bedeutend, ein Insekt setzt dem Vieh stark zu, und offenbar gibt es eilte giftige Pflanze, die von Pferden gefressen wird. Man muß zur Erforschung Experimente machen, Untersuchungsstationen einrichten und eventuell eine neue Pferderasse züchten. Das Land auszuroden, wird weniger Mühe und Kosten machen als in Australien. Die Negerfrage ist zwar sehr heikel, aber die Schwarzen sind friedlich und werden sich zurückziehen, v^nn die Juden mit höherer Kultur, vervollkommneten Hilfsmitteln usw. dorthin kommen werden. Allerdings wird man die schwarze Arbeit nur unter einer Voraussetzung entbehren können: „Die Juden, die dorthin kommen, müssen von starkem Willen durchdrungen sein, allein, selbst, mit eigenen Händen und eigener physischer Kraft zu arbeiten.“ Wenn eine Agrarbank geschaffen, ein Kreditsystem organisiert sein wird, wenn man den Kolonisten Haus, Vieh, Maschinen und Unterhalt bis zur ersten Ernte geben wird, wenn die Kolonisten pro Familie etwa 50 Hektar Boden erhalten, wenn Portugal 70 bis 75 Quadratkilometer für die Errichtung einer Experimentalfarm hergeben, der Ito 5000 englische Quadratmeilen zu Kolonisationszwecken überlassen, die Kolonie in den ersten Jahren von den Einfuhrzöllen befreien und die Ausfuhrzölle herabmindem wird, dann wird man 250 000 Seelen ansiedeln können — in welcher Zeit, sagt Prof. Gregory nicht, aber da er die Kosten sehr niedrig mit 5000 Frcs. pro Familie ansetzt, kann man die Ansiedlungskosten schätzen —, mit einem Kostenaufwände von 250 Millionen Frcs. Selbstverständlich sollen damit die Möglichkeiten nicht erschöpft sein, die Siedelung soll sich weiter ausdehnen können usw. usw. Die politische Seite der Angelegenheit ist damit noch nicht berührt. Im portugiesischen Parlament hat man sich bisher nicht sonderlich für die Sache zu begeistern vermocht, und eine spezielle Kommission der Ito soll jetzt nach Lissabon reisen, um den portugiesischen Staatsmännern die wirklich nicht schwer einzusehenden Vorteile dieser Kolonisation — für Portugal! — klarzumachen. Vielleicht gelingt ihr das. Ob es aber außerhalb der offenbar in seltsamen Ideen befangenen Ito-Leute noch Juden — selbst unter den begeistertsten Antizionisten — gibt, die den Vorteil solcher Kolonisationsprojekte für die Juden einsehen, das muß bei der sprichwörtlichen Intelligenz der Juden doch ernstlich bezweifelt werden. Nationalismus und Universalismus des jüdischen Volkes Berlin. Zur Erinnerung an den Stifter der Berliner Universität, König Friedrich Wilhelm III., fand am 3. d. M. in der neuen Aula der Universität eine Feier statt. Die Festrede hielt dei; Rektor der Universität Graf B a u d i s s i n über Nationalismus und Univewalismus des jüdischen Volkes zur Zeit seiner Selbständigkeit. Er sprach von der weltgeschichtlichen Bedeutung der Juden auf dem Gebiete der Religion. Das jüdische Volk habe dem Monotheismus Form und Grundlage gegeben, und er habe die universalistische Bedeutung nur erlangen können, weil er im wahren Sinn des Wortes eine Volksreligion sei, geboren aus den Tiefen und Kräften des jüdischen Volkes. JDas Christentum habe die Idee des Gottesreiches der jüdischen Religion entnommen. Jede Nation müsse unter Bewahrung ihrer Eigenart an der Vollkommenheit ihrer Glieder arbeiten, nicht gegeneinander, sondern nebeneinander; nur so könne die Menschheit in Sittlichkeit und Kultur vorwärtsschreiten. Was werden wohl die Herren vom „Zentralverein“ zu dieser jüdisch-nationalen Rede des Grafen Baudissin sagen? Eine Ritualmordaffäre in einer italienischen Kolonie (Von unserem Berichterstatter.) Florenz. Auch in dem judenfreundlichen Italien haben wir eine Ritualmordanklage gehabt, allerdings nur in einer Kolonie, in Asmara. Die Geschichte kommt erst jetzt an die Oeffentlichkeit durch den „Vessillo Israelitico“ in Turin, der diese aufsehenerregende Nachricht wie folgt schildert: In der Kolonie Eritrea wurde vor einigen Jahren die Legende vom Ritualmorde verbreitet; vor einigen Jahren wurden die dortigen Juden der Ermordung eines Mädchens beschuldigt, aber dieser Zwischenfall hatte keine weitere Folge dank dem energischen Vorgehen der Behörden gegen die Verbreiter dieser unsinnigen Anklage. Dieses Jahr aber begab sich der italienische Gendarm Antioco S c a n u in die Synagoge von Asmara, um festzustellen, ob die Anklage der Wirklichkeit entspricht und nahm eine eingehende Untersuchung vor. Alle Räume wurden durchsucht, während draußen ein zahlreicher Pöbel sich versammelte, das ungewöhnliche Vorkommnis hämisch besprach und das Resultat erwartete. Es ist überflüssig hinzuzufügen, daß die Haussuchung ein ganz negatives Resultat hatte — aber die bloße Tatsache der Intervention eines Gendarmen, der in der Synagoge den Leichnahm eines Mädchens, das angeblich dorthin in einem Sacke gebracht worden wäre, finden wollte, ist einfach unerhört. Der Fall rief die tiefste Entrüstung unserer dortigen Glaubensgenossen hervor, die einen regelmäßigen Prozeß einleiteten —da der Gendarm die Untersuchung auf eigene Faust unternommen hatte — und gleichzeitig den Gouverneur von Eritrea, Salvago R a g g i, in Kenntnis setzten, der aber bedauerte, nicht eintreten zu können, da der Vorfall bei der Justizverwaltung anhängig sei und man deren Entscheidung abwarten müsse. Jetzt hat sich die Gemeinde von Asmara an den „Vessillo Israelitico“ in Turin

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