Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 17 (1913)
- Issue
- 31 (1.8.1913)
- Date
- 1913-08-01
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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Nr. 13 991 „Temps“, was heute den Lauf der Dinge auf dem Balkan regiert, nämlich die slawische Idee — Preisfrage: was für eine Idee ist das? — und besonders der christliche Ge- Wer’s nicht glaubt, braucht nur nach Thrazien und Mazedonien zu gehen, um sich zu überzeugen. Dort wird ihm klar werden, daß der Berliner Vertrag nicht mehr und nicht einmal das Londoner Protokoll maßgeblich sind, sondern einzig und allein die slawischen Ideale von christlicher Liebe und Brüderlichkeit. Was die Die amerikanische Zeitung „The - - W o r 1 d“ in New York schreibt in Anderen sagen jhrer Ausgabe vom 14. Juli unter dem Titel „Jerusalem wird eine große jüdische Stadt“: „Miss Jane Addams, die Gründerin des ,Hall House' in Chicago, besuchte anläßlich ihrer Europa-Reise (sie ging nach Wien zu der Frauenstimmrechts-Konferenz) auch Jerusalem, das einen tiefen Eindruck auf sie machte. Sie äußerte sich dem Korrespondenten der ,World' gegenüber wie folgt: ,Es war mein eifriger Wunsch, das Heilige Land und Besonders Jerusalem kennen zu lernen, und ich empfing einen sehr günstigen Eindruck von der ausgedehnten wirtschaftlichen und sozialen Entwicklung Jerusalems. Die Heilige Stadt macht in vielen Stadtteilen den Eindruck einer modernen Stadt. Sehr interessant sind natürlich die Beziehungen der drei Religionen, die miteinander auskommen müssen, wenn es auch nicht immer ohne Reibereien abgeht. Jerusalem ist, wie zu erwarten war, auf dem besten Wege, schnell ein jüdischer Mittelpunkt zu werden. Nicht nur arme sondern auch viele reiche Juden gehen dorthin, und es wira ihnen sicher gelingen, dort eine große blühende Stadt zu schaffen, die in gewissem Maße eine Renaissance ihrer früheren Bedeutung erleben wird. Die Entwicklung der Stadt ist in den Vorstadtgegenden, in denen reiche Juden aus Buchara zahlreiche Straßen mit hübschen Häusern gebaut haben, höchst bemerkenswert. Ich gewann auch einen sehr günstigen. Eindruck von den sozialen Einrichtungen, Schulen und landwirtschaftlichen Kolonien, welche ich besuchte, ln der Tat, die zionistische Bewegung hat sichtbare und nutzbringende Resultate gezeitigt, und weitere Erfolge sind sicher zu erwarten'.“ Nun noch eine andere Stimme. Nach einer amerikanischen eine belgisch-französische. Der Beiruter Korrespondent der Brüsseler Zeitung „Independance Beige“ schreibt in einem „Syrischen Brief“ folgendes: „Diejenigen, die die israelitischen Dörfer in Palästina besucht haben und die Dinge völlig unparteiisch beurteilen, werden sich klar sein über die enorme Bedeutung des sozialen und humanitären Werkes, das auf ökonomischem und speziell landwirtschaftlichem Gebiet unternommen und durchgeführt worden ist. Alles macht dem Fleiß, der in diesen Zentren herrscht, der guten Organisation, die dort waltet, und der absoluten Sicherheit, die man dort beobachtet, alle Ehre. Man könnte, ohne ein Dementi zu riskieren, sagen, daß, dank diesem Fleiße und dank den hundert Millionen Francs, die seit dreißig Jahren dort ausgegeben wurden, das Land ein ganz anderes Aussehen bekommen hat und auf dem besten Wege des Fortschrittes ist. Man kann heute sagen, daß das Vilajet Syrien (Palästina, Libanon, die Ebene Bekaa, die Gegend von Damaskus) eins der kultiviertesten des ganzen Reiches ist. Die Statistik kann die enormen Fortschritte beweisen, die der Hafen von Jaffa hinsichtlich des Imports und des Exports gemacht hat, und in allen jüdischen Dörfern erhält der Fiskus heute zehn- bis zwanzigmal so viel Steuern als früher. Die einheimische Landbevölkerung ist mit diesem Stand der Dinge zufrieden: ihre Lage hat sich, dank den jüdischen Landwirten, gebessert, und man kann mit Leichtigkeit konstatieren, daß die arabischen Dörfer, die sich bei den jüdischen Kolonien befinden, im ganzen Gebiet am besten prosperieren. Die Israeliten haben wichtige Neuerungen in die landwirtschaftliche Arbeit gebracht. Ihnen ist es zu verdanken, daß nichtanbaufähige Flächen (sandige, sumpfige oder steinige), welche die Einheimischen nie verwerten konnten, der Bebauung zugänglich gemacht wurden. Die Dörfer sind nach europäischen Mustern erbaut, und mit ihren hübschen Häusern, den Dächern aus roten Ziegeln, den netten Gärten, den geraden Straßen, geben sie nicht den jämmerlichen Anblick von Dörfchen, in denen Mensch und Vieh zusammengedrängt in widrigem Schmutz und unmoralischem Durcheinander leben. Jedes Dorf hat seine Synagoge, seine Schulen für Knaben und Mädchen, seine öffentlichen Gärten, sein Gemeindeamt mit Bibliothek und seine Apotheke. Bei der Schule ist ein Versuchsfeld, um den jugendlichen Schülern die guten Prinzipien der Bodenbestellung von Jugend auf zu zeigen. Am Abend nach der Arbeit werden Konferenzen für Erwachsene veranstaltet, und am Tage werden die Schüler über verschiedene Fragen der Bewirtschaftung des Landes unterrichtet. Die Juden waren die ersten, welche die ungeheure Arbeit des Urbarmachens und Umackerns des Landes vorgenommen haben, und alle diese Arbeiten sind nach wissenschaftlichen Methoden durchgeführt worden.“ Dann folgt eine spaltenlange Aufzählung vieler Einzelheiten, und das Ganze ist ein einziges begeistertes Lob der Das jüdische Studentenheim in Wien (Text siehe Seite 989.) von den Juden besonders in den letzten Jahren in Palästina geleisteten Arbeit, die dem ganzen Lande heute schon den Stempel aufdrücke, obwohl sie unter so großen Schwierigkeiten vor sich ging. Muß man die Moral, die sich aus solchen Berichten völlig unparteiischer Nichtjuden für unsere internen und externen Kritiker ergibt, noch besonders aussprechen? Dringend werden die Gruppen ersucht, die Abonnentenlisten für die Kongreßausgabe der „Welt“ unverzüglich einzusenden. Bei der großen Auflage der Kongreßausgabe stellt die pünktliche tägliche Versendung so große Anforderungen an unser Bureau, daß wir durchaus auf eine planmäßige Verteilung der Arbeiten bedacht sein müssen. Eine übermäßige Ansammlung von in den letzten Tagen vor dem Kongreß eingehenden Abonnementsbestellungen könnte bei den besonderen Schwierigkeiten der Expedition am fremden Orte deren ordnungsgemäßen Ablauf in Frage stellen. Die Abonnementslisten und Bestellungen sollten uns daher allerschnellstens zugeschickt werden, ohne daß natürlich die weitere Vorarbeit für die Kongreßausausgabe dadurch gehemmt zu werden braucht. Bestellungen werden selbstverständlich bis zum letzten Tage entgegengenommen.