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Die Welt · 1913-08-01 · 31 (1.8.1913) · page 5

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
17 (1913)
Issue
31 (1.8.1913)
Date
1913-08-01
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 31 DIES$KLT =2 WELTCHRONIK □ □□ Tin j) o Das jüdische Studentenheim in Wien (Von unserem Berichterstatter.) Wien. Noch niemals hat sich die jüdische Oeffentlichkeit mit dem Lose der jüdischen Studentenschaft so intensiv beschäftigt wie in den letzten Monaten, und insbesondere der wackere Kampf der Wiener jüdischen Akademiker um die Ehre ihres Volkes, hat vielen sonst den Problemen des Judentums fernstehenden Elementen die Augen geöffnet. Die Stimmung darf nicht abflauen, wenn auch gegenwärtig die Universität Ferien hält. Deshalb bringen wir im Bilde das geplante, vom Architekten Dr. K a r p 1 u s entworfene jüdische Studentenheim (s. Seite 991), welches dem aus den weitesten Gauen Oesterreichs und des Auslandes nach Wien strömenden studierenden Jünglingen ein Hort sein soll. Die große Bedeutung eines solchen Heimes braucht wohl nicht erst betont zu werden. Es wurde in diesen Blättern wiederholt und ausführlich darüber gehandelt. Heute wollen wir nur allen Freunden unserer wackeren akademischen Jugend, allen bemittelten Vätern, die sich ihrer heranwachsenden Kinder freuen und gewiß ein Herz für jene haben, die in der antisemitischen Großstadt unter Demütigungen und Entbehrungen aller Art leiden müssen, das Bild des stolzen Prachtbaues zeigen*), der sich hoffentlich recht bald erheben wird. Der Verein „Jüdisches Studentenheim“ besitzt bereits einen Baugrund im Zentrum der Stadt und ein ganz ansehnliches Kapital. Vielleicht gelingt es doch bis zum Kongresse, die Summe derart zu erhöhen, daß während der Tagung des jüdischen Parlamentes der Grundstein gelegt werden könnte! Wie wir vernehmen, wird die nach Schluß des Semesters in ihre Heimatorte zurückgekehrte jüdisch-akademische Jugend am 9. Ab (12. August) allenthalben eine großzügige Propaganda für das Studentenheim entfalten und in Versammlungen durch Schilderung der gegenwärtigen Zustände an der Wiener Universität die Notwendigkeit der Errichtung dieses Heimes darlegen. Mögen diese kurzen Zeilen unsere Gesinnungsgenossen nah und fern zu werktätiger Propaganda in ihrem Kreise für diesen großen Zweck anspornen. Der jüdischen Jugend ein Haus!) Judenfeindliche Boykotthetze in Galizien Krakau. Die Antisemiten in Galizien setzen alle Hebel in Bewegung, um in diesem österreichischen Kronlande einen allgemeinen wirtschaftlichen Boykott gegen die jüdische Bevölkerung nach russisch-polnischem Muster zu organisieren. Ein Teil des niederen katholischen Klerus unterstützt die galizischen Judenfeinde in diesen edlen Bemühungen und hetzt die Landbevölkerung andauernd gegen die Juden auf. Dieser Tage erschien eine polnische Broschüre, in der die Boykottpropaganda unverhüllt betrieben wird. Es wird darin u. a. ausgeführt, die Teilung Polens sei von vier Mächten vollzogen worden: von Rußland, Preußen, Oesterreich und — dem Judentum. Die Juden werden als die historischen Erbfeinde des polnischen Volkstums bezeichnet, und das polnische Volk wird aufgefordert, sich dieser inneren Feinde in der Weise zu entledigen, daß es alle geschäftlichen und wirtschaftlichen Beziehungen zu *) Das Sekretariat des Vereins „Jüdisches Studentenheim“, Wien IX, Liechtensteins!!-. 11, erteilt bereitwillig nähere Ausden Juden abbricht und diese dadurch zur Massenauswanderung zwingt. Dieses „Schutzmittel“ sei durchaus gerechtfertigt und legal. — Die Broschüre wurde in einer Massenauflage hergestellt und durch antisemitische Agitatoren im ganzen Lande verbreitet. Ein Blutmärchen in Ungarn (Von unserem Berichterstatter.) Budapest. Die jüdische Gemeinde des im nordwestlichen Teile Ungarns gelegenen Städtchens Trencsen (Trentschin) läßt eine Synagoge bauen, die schon demnächst ihrer Bestimmung übergeben werden soll. Die Vorbereitungen zur Einweihungsfeier wurden getroffen, als in den unteren Volksschichten der Stadt und der umliegenden Dörfer eine große Erregung bemerkbar wurde: von Mund zu Mund ging die Mär, daß die Juden, die zum Bau einer Synagoge das Blut junger Christenmädchen benötigen, im benachbarten Bersinawalde ein Mädchen getötet hätten. Um größeren Ausschreitungen zuvorzukommen, ersuchte der Gemeindevorstand die Behörden, eine Untersuchung einzuleiten. Der Wald wurde auch gründlich durchsucht, die Verbreiter des Blutmärchens wurden alle verhört, von dem angeblichen Ritualmord wußte aber kein einziger etwas Positives zu berichten. Trotzdem sieht die jüdische Bevölkerung dem Tage der Synagogen-Einweihung mit Besorgnis entgegen. Die Taktik der „ungarischen Ito" Wir mußten schon oft die traurige publizistische Pflicht erfüllen, die sonderbaren Mätzchen der ungarischen Ito-Geschäftsführer vor der breiten jüdischen Oeffentlichkeit aufzudecken. Diese Herren wollen aber nichts bereuen und nichts vergessen. Nicht einmal der Ausgang des gegen die „Welt“ angestrengten Prozesses macht sie stutzig. Wie bekannt, wird die jüdisch-nationale Bewegung in diesen Kreisen mit den ärgsten Denunziationen und Verdächtigungen bekämpft, im besten Falle totgeschwiegen und abgeleugnet. Dabei passiert ihnen natürlich das Unglück, zu dem von ihnen propagierten Ito-Gedanken und dessen Vorkämpfern in Gegensatz zu geraten. So brachte unlängst das Organ der „ungarischen Ito“ in ungarischer Uebersetzung einen Vortrag Israel Z a n g w i 11 s, den er in der jüdischliterarischen Gesellschaft gehalten hatte, und in dem er seinen nationaljüdischen Standpunkt mit solcher Klarheit und Deutlichkeit entwickelte, daß sich die Redaktion des ungarischen Ito-Organs in ihrer magyarisch-nationalen Bedrängnis nicht anders zu helfen wußte, als daß sie diesen wichtigsten Teil des Vortrags einfach unterdrückte und den Vortrag dem ungarischen Dorfjuden in einer Form verabreichte, daß Zangwill seine Worte nicht wiedererkennen würde. „Zsidö Szemle“ brachte hierauf die weggelassenen jüdischnationalen Stellen des Vortrages, die sich auf mehrere Spalten erstrecken, und kennzeichnete das Vorgehen des ungarischen Ito-Organs mit Worten, die zu einem Preßprozeß geradezu herausforderten. Die Herren hüteten sich aber in ihrem eigenen wohlverstandenen Interesse, den Klageweg zu betreten. So mußte das zionistische „Zsidö Szemle“ die ungarischen Juden aufklären, auf welcher Grundlage die wirklichen Führer der Ito stehen. . . . Die ungarischen Ito- Geschäftsführer setzen aber ihre edle Taktik weiter fort. In den allerletzten Tagen schrieb ein antisemitisches Blatt, die Ito-Bewegung sei jüdischnational. Das Ito-Organ leistete sich hierauf folgende Antwort:

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