Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 17 (1913)
- Issue
- 29 (18.7.1913)
- Date
- 1913-07-18
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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930 DIE^ELT all den sieben Jahren seiner Jerusalemer Wirksamkeit. Sieben Jahre, wie Jakob um Rahel, warb er um seine Kunst, sehnte er sich danach, von der kommerziellen Leitung-, von dem „trouble“, wie der Engländer sagt, entbunden zu werden, um sich ausschließlich der Skulptur widmen zu können. Und es ist eine wahre Freude, dem phantasiebegabten und nimmermüden Künstler in seinem Atelier im Dachstübchen des Bezalel, von wo man einen herrlichen Fernblick auf das Stadtgebiet und die ganze Umgebung genießt, bei seiner Arbeit zuzusehen. Da ist ferner Dr. Ahron M a s i e , der in klassischem Hebräisch die Schüler in die Geheimnisse der Anatomie einweiht. K. L. S i 1 m a n lehrt Bibel und jüdische Geschichte. Auch in der Geometrie wird noch Unterricht erteilt. Abel Pan, dieser junge und bereits berühmte Maler, von dem die französische Regierung ein Bild für das Luxemburg-Museum erworben hat, lehrt Zeichnen und Malen. Er ist bei allem Eurcpäertum ein warmblütiger Jude geblieben, der sein Volk unendlich liebt, weil er es gründlich kennt. Mit besonderer Liebe hängt er an der jüdischen Literatur. Seine Illustrationen zu Schalom A s c h s „Städtchen“ befinden sich jetzt in einer Pariser Kunst-Ausstellung. Besondere Aufmerksamkeit wird der dekorativen Kunst zugewandt. Einige Schüler erscheinen hierin außerordentlich begabt und von der Entwicklung ihres Könnens ist noch vieles zu erhoffen. Es ist, wie bereits gesagt, ein Anfang. Man hat die Empfindung, als wäre der Bezalel erst jetzt nach langen Wander- und Irrfahrten in seine eigentliche Heimat zurückgekehrt. .... Neue Jemenitensiedlungen in Palästina Vor kurzem fand in Jaffa eine Beratung bezüglich der Anlage neuer Jemenitensiedlungen statt, an der Vertreter des Palästina-Amtes und der verschiedenen jüdischen Arbeiterorganisationen teilnahmen. Es wurde beschlossen, für eine neue Siedlung in der Kolonie Rechoboth 10 000 Frs. und für die Erweiterung der Siedlung in Pethach-Tikwah 7000 Frs. zur Verfügung zu stellen. Dies soll in der Weise geschehen, daß jede jemenitische Familie in diesen beiden Kolonien, die mit etwas eigenem Kapital den Bau eines Wohnhauses in Angriff nehmen will, ca. 500 Frs. als Darlehen erhält. Auch der Gesundheitszustand der Jemeniten, besonders in den Kolonien Pethach-Tikwah und Ched e r a h, war Gegenstand der Besprechung. Es wurde festgestellt, daß eine wirksame Abhilfe für die Jemeniten aller Kolonien die Aufwendung von etwa 5000 Frs. jährlich erforderlich machen würde. Bei dem allgemeinen Interesse, das für die Einwanderung der Jemeniten herrscht, wäre es seltsam, wenn die Aufbringung dieses Betrags für ein derartiges Werk sozialer Fürsorge Schwierigkeiten böte. Es besteht die Hoffnung, daß in erster Reihe die jüdischen Palästinafreundein Amerika hier eingreifen werden. Die Deutsche Palästina-Bank In der Sammlung „Die Entwicklung Groß-Berlins“ („Die Führenden und ihr Werk“. Fierausgeber: Archiv für Kunst und Wissenschaft) findet sich ein mit mehreren Illustrationen versehener Aufsatz über die Entwicklung der Deutschen Palästina- Bank, dem wir folgende kurze Mitteilungen entnehmen: Die Deutsche Palästina-Bank ist 1899, ein Jahr nach der Orientreise des Deutschen Kaisers, mit einem Aktienkapital von 450 000 M. gegründet worden. Sie übernahm die sämtlichen Aktiven und Passiven der Deutschen Palästina- und Orientgesellschaft m. b. H. und deren Geschäftsbetrieb in Jerusalem, der zunächst allein Träger des Unternehmens war. Im Laufe der Jahre zog sich die Jerusalemer Filiale immer mehr vom Kreditgeschäfte zurück und pflegte um so eifriger den Zahlungsdienst für religiöse Körperschaften und die Touristen. Bald darauf, Dezember 1899, erfolgte die Gründung der Filiale in Jaffa, die insbesondere den Ankauf von Warenwechseln und Beleihung von .Verladungspapieren besorgte. Für Nr. 29 die Zeit der Getreideverschiffung wurde auch in Gaza eine Agentur errichtet. An Dividenden wurden bereits 1900 und 1901 je 5 °/o ausgeschüttet. 1903 wurde das Aktienkapital auf 800 000 M. erhöht. Verluste, die 1903 eintraten, wurden schnell überwunden. Bereits 1904 wurde die Filiale in Haifa errichtet und 1905 konnten wieder 5 o/o Dividende . ausgeschüttet werden. Während 1900 der Umsatz zirka 30 000 000 M. betrug, stieg er 1906 auf 114 000 000 M. und bei reichlichen Rückstellungen konnte man in diesem Jahre 6 o/o Dividende zahlen. 1907 wurde der vorjährige Reingewinn, trotz der allgemeinen wirtschaftlichen Krise, noch überstiegen. In demselben Jahre erfolgte die Gründung der Filiale in Beirut sowie die Erhöhung des Kapitals auf 1000 000 M. Nun tritt die D. P. B. in eine neue Phase ein: das Kapital wird 1908 auf 5 000 000 M. und 1910 gar auf 20 000 000 Mark erhöht. Sie erweitert einerseits ihren Verkehr auf den Balkan, die Levante, den Kaukasus usw. und widmet sich andererseits kaufmännischen und industriellen Unternehmungen in Deutschland. Von da ab fehlen leider weitere Angaben über das palästinensische Geschäft. Veranstaltungen und Vorträge Zu Gunsten des jemenitischen Ambulatoriums, das seit einiger Zeit in Jaffa besteht, wurde dort Mitte Siwan ein Frischmann -Abend veranstaltet, der einen sehr schönen Verlauf nahm. Ueber David Frischmann sprachen J. Fichmann, der den Lyriker behandelte, und J. Rabinowitz, der auf das Kulturfördernde in Frischmanns literarischem Schaffen einging. Frau D. Feldmann rezitierte aus Frischmanns Schriften. Auch der finanzielle Erfolg war befriedigend. Im Jerusalemer Beth-Am sprach Zerubabel über die amerikanischen Juden. Er behandelte u. a. die Bedeutung, die dem amerikanischen Judentum in dem palästinensischen Kolonisationswerke zukommt. Im Jaffaer Beth-Hamikra sprach Ben-Israel über „Palästinische Sagen“. Dienstag, 26. Siwan (1. Juli), sprach Redakteur Elnecave aus Konstantinopel in der Synagoge der Sephardim in Jaffa über den Schekel sowie über die Forderungen der nationalen Renaissance. Nochmals: „Kapitalistische oder nationale Kolonisation?" Von J. Feldmann, Jaffa. In meiner in Nr. 24 der „Welt“ abgedruckten Zuschrift kam es mir darauf an, auf eine nicht uninteressante Schwenkung in der öffentlichen Meinung Palästinas — wenigstens soweit die Arbeiterschaft in Betracht kommt — aufmerksam zu machen. Noch vor fünf Jahren waren die nationalen Elemente Palästinas überzeugt, daß ein Aufschwung der Kolonisation nicht durch Institutionen, über die man sich im allgemeinen lustig machte (vergleiche die damaligen Aufsätze von Sme- 1 ans k i im „Haomer“, von Kah an und Ussischkin im „Haschiloach“), sondern ausschließlich von der Heranziehung des privaten Kapitals zu erwarten sei. Die damals erfolgte Gründung des Palästina-Amtes wurde mit sehr skeptischen Gefühlen aufgenommen. Alle Administration, alles Beamtentum erschien als Krebsschaden, bestenfalls als Hemmschuh für die Entwicklung der Kolonisation. Ganz anders der private Kapitalist, der nur auf seinen Vorteil bedacht ist. Daß auch er jüdische Arbeiter beschäftigen würde, schien eine selbstverständliche Sache, da doch der jüdische Arbeiter dem Araber gegenüber immerhin mancherlei Vorzüge besitzt. Die Jahre aber, die dazwischen liegen, brachten eine Ernüchterung. Ich habe in der vorigen Zuschrift bloß zwei Fälle angeführt. Ich könnte aber eine endlose Liste zusammen-