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Die Welt · 1913-07-18 · 29 (18.7.1913) · page 15

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Journal
Die Welt
Volume
17 (1913)
Issue
29 (18.7.1913)
Date
1913-07-18
Page
– (sequence 15)
Language
German
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Nr. 29 931 DIE3^ELT stellen. Jede Nummer der hiesigen Arbeiterblätter liefert Material hierfür. Es gibt Fälle, die in dieser Beziehung die reinste Tragikomödie sind. Der redliche Berichterstatter, dem es mit seiner Pflicht ernst ist, steht oft vor einem peinlichen Dilemma. Zuweilen sagt er sich auch: Wozu die persönliche Verbitterung verschärfen, wenn hier anscheinend innere Tendenzen allgemein kapitalistischer Natur walten. Zu verstehen ist es aber, wenn die Palästinenser nicht mehr das Heil in der Heranziehung des privaten Kapitals erblicken. Zu gleicher Zeit vollzog sich auch, ein Wechsel der Anschauungen in bezug auf die nationalen Institutionen und das Palästina-Amt. Die Institutionen, die der Kolonisation gewidmet waren, wurden immer kapitalkräftiger. Die Einnahmen des Nationalfonds stiegen von Jahr zu Jahr. Es war klar, daß man sie nicht mehr als Faktor der nationalen Kolonisation unterschätzen durfte. Gleichzeitig lernte man das Palästina - Amt von der früheren Administration unterscheiden. Diese völlige Umkehr äußert sich besonders markant in einem längeren Aufsatz des edlen, leider allzu früh verstorbenen Lehrers Witkin, in dem es u. a. heißt: „Der Jüdische Nationalfonds hat planmäßig seine Arbeit aufgenommen und seine Quelle wird nie versiegen. Er ist wie ein aus dem Herzen der Nation sich ergießender Strom. Das Volk ist von der gewaltigen Aufgabe seines Fonds tief durchdrungen, und sobald es bekannt wird, daß der Volksschatz schon jetzt seine Aufgabe treu erfüllt, wird es an Mitteln nicht mehr fehlen. Auch mißglückte Versuche werden den Glauben des Volkes nicht erschüttern, wenn nur die Arbeit im Lande nicht erlahmen wird.“ Im weiteren Verlauf seiner Ausführungen findet er Worte der höchsten Anerkennung für die „Volksbeamten“, denen er Opfersinn und treue Hingebung nachrühmt. Tatsache ist, daß die gesamte palästinensische Arbeiterschaft und vielleicht alle nationalen Elemente in Palästina zum Palästina-Amt das größte Zutrauen hegen. (Daß das P.-A. auch seine Mängel hat, wird freilich kein Vernünftiger in Abrede stellen.) Ich habe dies alles ausgeführt, weil ich in den diesbezüglichen Bemerkungen von Co w e n und Jean Fischer den alten palästinensischen Standpunkt wieder erkenne, der hier bereits als überwunden gilt. Wir in Palästina sehen keinen Segen aus der privaten kapitalistischen Kolonisation ersprießen. Hingegen scheint uns die Arbeit der nationalen Institutionen, die freilich — auf Grund eingehender sachlicher Prüfung — verbesserungsfähig ist, von größter Tragweite. Wir meinen daher, daß man alle Kräfte anspannen müßte, um die Einnahmen des N.-F. zu vervielfachen. Wir würden es mit Freuden begrüßen, wenn sich der Kongreß mit dieser Frage gründlich befaßte. Hingegen scheint uns die Frage der jüdischen Arbeit in den Kolonien aus verschiedenen Gründen nicht geeignet, den Kongreß zu beschäftigen. Und nun kurz zu der Zuschrift des Herrn Schwadron in Nr. 25 der „Welt“. „Poriah“ ist kein rein „kapitalistisches“ Unternehmen. Daß der jüdische Arbeiter in St. Louis, der sich in Poriah durch eine Administration eine Pflanzung anlegen läßt, die er nach Jahren selbst bewirtschaften will, auch gerne jüdische Arbeitskräfte beschäftigt, ist begreiflich. Dennoch waren aber auch dort Kämpfe nötig, da der Verwalter zuerst nichtjüdische Arbeiter aus Südpalästina mitbrachte. Der Umstand, daß in der Umgebung von Poriah keine arbeitskundigen nichtjüdischen Arbeiter vorhanden waren, ferner die Haltung der Arbeiter brachte es dahin, daß sich dort die jüdische Arbeit durchgerungen hat. Auch „Migdal“ ist kein rein kapitalistisches Unternehmen und es sind dort übrigens nicht ausschließlich jüdische Arbeiter beschäftigt, wie Sch. irrtümlich meint. Auch daß die Jemeniten diese Siedlung nach mehrmonatlicher Arbeit verlassen mußten (weil sie gemäß ihrer Ueberlieferung am Freitag nachmittag nicht arbeiten wollten) ist wohl auf den etwas kapitalistischen Charakter dieser Wirtschaft zurückzuführen. — Daß der einzige Kolonist Kroll in Pethach-Tikwah (Stein hat sein Besitztum in Ain-Chai) jüdische Arbeiter beschäftigt, will wohl wenig bedeuten. Tatsache ist, daß dort täglich 30—40 jüdische Arbeiter arbeitslos sind, während 1000 bis 2000 nichtjüdische Arbeiter — selbst bei bekannten Palästinafreunden — beschäftigt werden. Gerade Pethach-Tikwah zeigt den großen Unterschied zwischen privatkapitalistischer und nationaler Kolonisation. So mancher europäische Zionsfreund hat dort bis zu 100 000 Frcs. investiert. Der Erfolg aber kommt wohl der Erschließung des Landes, nicht aber der nationalen Renaissance zugute. Hingegen hat dort der N.-F. (Ledigenheim, Jemenitensiedlung) bloß ungefähr SO 000 Frcs. investiert — und hat das jüdische Pethach-Tikwah um einige hundert Seelen vermehrt. Angesichts dieser Tatsache ist es für mich nicht wesentlich, ob der N.-F. bloß 2 o/« oder 4 o/o Verzinsung erzielt. Und darum sage ich: Vervielfacht die Einnahmen unserer Institutionen, denn sie allein treiben jüdische Kolonisation! Programm der Mädchenfarm in Kinereth Der Verband jüdischer Frauen für Kulturarbeit in Palästina bittet uns um Veröffentlichung folgender Aufteilungen: Die Farm in Kinereth verfolgt das Ziel, jüdischen Mädchen eine gute landwirtschaftliche Ausbildung zu geben. Zu diesem Zwecke werden die Mädchen in Haushaltung, Gartenbau, Geflügelzucht und Milchwirtschaft unterrichtet. Der Unterricht ist zugleich praktischer und theoretischer Art. Der größte Wert wird auf die praktische Ausbildung gelegt. Die Mädchen werden täglich 7—0 Stunden mit praktischer Arbeit beschäftigt. Für die praktische Ausbildung besitzt die Farm einen Schmuckgarten vor dem Hause, eine Baumschule und ein Feld von 70 Dunam, das mit verschiedenem Gemüse bebaut und teilweise mit Obstbäumen bepflanzt ist. Auch ein Wirtschaftshof für Vieh und Geflügel ist vorhanden. Der theoretische Unterricht wird im Anschluß an die praktischen Arbeiten und zum besseren Verständnis derselben dreimal wöchentlich erteilt. Im ersten Jahre werden Botanik, elementare Chemie, die notwendigen Begriffe aus der Physik, Koch- und Konservierungslehre vorgetragen. Im zweiten Jahre: elementare Bodenkunde, Düngerlehre, Pflanzenkrankheiten, ausführliche Lehre verschiedener Kulturen, Geflügelzucht, Viehzucht und Verarbeitung der Milchprodukte. Alle Fächer werden in hebräischer Sprache vorgetragen. Außerdem wird dreimal wöchentlich hebräischer Unterricht erteilt. Dem theoretischen Unterricht wird auf diese Weise nur eine Stunde täglich gewidmet. Im Winter findet sie abends, im Sommer in der Mittagspause statt. Aufnahmebedingungen. a) Der Kursus ist zweijährig. b) Neue Schülerinnen werden nur am Anfang des landwirtschaftlichen Arbeitsjahres, d. i. Anfang September, aufgenommen. c) Alter: von 17 Jahren an. d) Die Mädchen bekommen freie Station und freien Unterricht. Außerdem im ersten Jahr 5 Frcs., im zweiten 10 Frcs. monatlich. e) Da das Budget nur klein ist und nur eine bestimmte Anzahl von Mädchen freie Aufnahme finden kann, ist beschlossen worden, einige Plätze für solche Mädchen zu schaffen, die ihren Unterricht bezahlen wollen. Der Preis für die Pension beträgt in solchen Fällen 50 Frcs. monatlich. Gezahlt wird vierteljährlich pränumerando. f) Diejenigen Mädchen, die zum September dieses Jahres aufgenommen werden wollen, haben sich bis zum 30. Juli bei Fr. Dr. S. Thon, Jaffa, oder bei Fr. Dr. Ghana Maisei, Kinereth bei Tiberias, zu melden. g) Das Schulreglement wird den Interessenten auf Wunsch bekannt gegeben werden.

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