Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 17 (1913)
- Issue
- 29 (18.7.1913)
- Date
- 1913-07-18
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/3315709-3316567-3316603--57688-3376157- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Nr. 29 DIE^ELT 929 PALÄSTINA-RUNDSCHAU Ein neues jfidisches Stadtviertel in Jaffa (Von unserem Berichterstatter.) Dieser Tage fand auf dem Terrain der „Chewrah Chadaschah" („Neuen Gesellschaft“), das an Tel-Awiw grenzt, die Grundsteinlegung eines neuen Stadtviertels statt. Bekanntlich sind es erst vier Jahre her, daß das moderne jüdische Villenviertel Tel-Awiw gegründet wurde. Seit dieser Zeit ist die Bautätigkeit der jüdischen Bevölkerung Jaffas immer reger geworden. Es entstand das neue Viertel „Nachlath Benjamin“, dessen Gründer noch, wie die ersten Ansiedler in Tel-Awiw, liehen Kredites gebaut. Es ist wohl auch dem technischen Bureau zuzuschreiben, daß bei diesen Bauten jüdische Maurer und sonstige jüdische Handwerker ausgiebig beschäftigt Erfreulich ist es, daß auch Araber sich in Baufragen an das technische Bureau wenden. Hingegen ist es sehr zu bedauern, daß wir jetzt am Eingänge von Tel-Awiw die erste Mietskaserne in Gestalt eines dreistöckigen Neubaus erhalten haben. Hier in Palästina, wo Licht und Luft mehr als irgendwo eine Lebensnotwendigkeit sind, muß das Mietskasemen-Unwesen als doppelt schädlich empfunden werden. Es täte wahr- Feier der Grundsteinlegung zu dem neuen jüdischen Viertel in Jaffa Baukredite vom Jüdischen Nationalfonds erhielten. Aber auch innerhalb Tel-Awiws sowie auf dem freien Gelände an der Westseite desselben wurde recht eifrig gebaut, — leider auch sehr überstürzt und planlos. Die Hausbesitzer dieses Viertels, das jetzt wegen seiner Lage zwischen Tel-Awiw und Neweh- Zedek den Namen „Schaarajim“ („Zwei Pforten“) erhalten hat, haben sich in letzter Zeit zusammengeschlossen, um nach Möglichkeit den Forderungen der neuzeitlichen Hygiene zu genügen. Und nun legte man den Grundstein zu „Chewrah Chadaschah“, das aller Wahrscheinlichkeit nach Tel-Awiw in vielen Beziehungen noch übertreffen wird. Die schönen, zum Teil recht merkwürdigen Bäume, die sich auf dem Gelände befinden, bleiben öffentliches Eigentum. Es wird auch nicht mehr blind drauf los nivelliert und planiert werden, sondern man wird dem Charakter des Geländes Rechnung tragen. Für die Kleinen wird es besondere Spielplätze geben, die für Wagen und Reit- oder Lasttiere gesperrt sein werden. Die Hauptstraße, die voraussichtlich bis an den Meeresstrand führen wird, erhält eine Breite von 18 Metern und wird somit die breiteste Straße Jaffas sein. Das dem Palästina-Amte angegliederte technische Bureau hat die Oberaufsicht über den Bau der neuen Häuser in „Chewrah Chadaschah“. Diese werden ohne Inanspruchnahme eines öffentlich not, daß man auch hier den gesunden Ideen der Bodenreformer Aufmerksamkeit schenkte und nicht wieder in die Erbfehler des alten Bausystems verfiele. Aus der Kunstgewerbeschule des „Bezalel“ Wie vorauszusehen war, kommt die von Prof. B. Schatz lange erstrebte und jetzt endlich, dank dem Eingreifen der zionistischen Organisation, durchgeführte Trennung der Werkstätten des Bezalel von der eigentlichen Kunstgewerbeschule auch dieser zu statten. „Ernst ist das Leben, heiter ist die Kunst“. Wenn man durch die bunten Straßen Jeruschalajims streift, die dem selbstbewußten Juden so viel Trauer und Verdruß und so wenig Trost bieten, und man dann den Garten des Bezalel betritt, so fühlt man sich in eine andere Welt versetzt, und die eifrige und geräuschlose Hingabe dieser Jünglinge an ihr Kunstideal versöhnt einen wieder mit der Gegenwart und läßt Besseres für die Zukunft erhoffen. Vorläufig ist alles noch in den Anfängen. Es sind erst Keime, die sich hier dem Auge des Betrachters darbieten. Da sind zwanzig Schüler, die sich ausschließlich dem Kunststudium widmen und weitere sechs Schüler, die bereits den Werkstätten vorstehen und hier nur wenige Stunden tätig sind. Da ist Prof. Schatz, unermüdlich wie in