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Die Welt · 1913-07-18 · 29 (18.7.1913) · page 5

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Journal
Die Welt
Volume
17 (1913)
Issue
29 (18.7.1913)
Date
1913-07-18
Page
– (sequence 5)
Language
German
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LT 921 Nr. 29 .-.,-r^- DIE^E Bank- und Handelsaktiengesellschaft, die in diesem Korruptionsprozeß eine so traurige Rolle spielte, standen als leitende Direktoren Hofrat v. Elek, v. Vajda und S z a 1 a i. Drei Täuflinge, die sich besondere Verdienste dadurch zu erwerben suchten, daß in der von ihnen geleiteten Großbank und in den zahlreichen mit dieser affiliierten Gesellschaften kein einziger Jude auf einen höheren Posten gelangen konnte, ohne vorher die Taufe zu nehmen. Das Budapester Rabbinat hält es nicht für angezeigt, die Liste der Ueberläufer zu veröffentlichen, es ist aber ein öffentliches Geheimnis, daß Hofrat v. Elek und Konsorten ihre Beamten dutzendweise der Taufe zuführten. Es ist auch der Gemahlin des zu Fall gebrachten Ministerpräsidenten nicht zu vergessen. Frau Rosa v. Lukäcs, geborene Feilchenfeld, ist eine getaufte Jüdin, die den Ehrgeiz hatte, Gräfin zu werden. Die Fama bringt sie in Zusammenhang mit diesen sauberen Geschäften ihres Gatten. Sie und die anderen getauften Helden dieses politischen Skandalprozesses werden leider dem jüdischen Volke, trotzdem sie sich längst von ihm losgesagt haben, aufs Kerbholz geschrieben. Der Verteidiger des Staatssekretärs a. D. v. Desy war der bekannte jüdische Rechtsanwalt und Reichstagsabgeordnete Dr. Wilhelm Väzsonyi. Ihm ist es zum nicht geringen Teile zuzuschreiben, daß Dr. v. Lukäcs durch das Urteil des Gerichtes gestürzt wurde. Er wird jetzt von der gesamten Opposition als Vorkämpfer für Recht und Wahrheit gefeiert. Väzsonyi kämpfte schon in früheren Jahren Schulter an Schulter mit den Führern der jetzigen Opposition gegen die Vorläuferin der jetzigen Regierungspartei. Seine Waffenbrüderschaft wurde auch damals sehr hoch geschätzt, als aber die koalierten oppositionellen Parteien die Regierung übernahmen, wurde Väzsonyi und die von ihm geleitete demokratische Partei einfach beiseite geschoben und es begann eine unverhüllt reaktionär-antisemitische Aera im politischen Leben Ungarns. Man muß wahrlich kein Prophet sein, um voraussehen zu können, daß Dr. Väzsonyi sein Judengeschick auch diesmal ereilen wird. Als Kampfgenossen läßt man ihn sich gefallen, bei der Aufteilung der Beute wird er aber wieder leer ausgehen, denn die judenfeindliche Natur der einstigen Koalitionsparteien wird, wenn diese wieder einmal ans Ruder kommen sollten, sicherlich von neuem zum Vorschein kommen. Die ersten Zionisten im Lemberger Kultusrat (Von unserem Berichterstatter.) Lemberg. Sonntag, den 6. Juli fand eine Sitzung des neuen Lemberger Kultusrates statt, an der Dr. Alexander Hausmann und Direktor Simon Orange, die neugewählten zionistischen Kultusräte, zum erstenmal teinahmen. Präsident Dr. Simon Schaff begrüßte sie in seiner Programmrede sehr warm. Darauf gab Dr. Alexander Hausmann im Namen beider zionistischer Kultusräte eine Erklärung ab, in der er u. a. ausführte, für die Zionisten sei die Kultusgemeinde die einzige autonome jüdische Volksinstitution. Es werde daher das Bestreben der zionistischen Kultusräte sein, die Gemeinde zu nationalisieren und zu demokratisieren. Sie hofften darin auch auf die Unterstützung der einsichtigen nichtzionistischen Mitglieder des Kultusvorstandes, die sich unmöglich auf die Dauer den nationalen Forderungen der jüdischen Massen entziehen könnten. Einstweilen bilden die Zionisten in der Kultusstube eine verschwindende Minorität, sie seien aber die Majorität von morgen. Die Zionisten seien in den Kultus Vorstand eingetreten in der Hoffnung, daß die Mehrheit es ihnen ermöglichen wird, positive Arbeit im Dienste des jüdischen Volkes zu leisten. Die Rede wurde auch von den Assimüanten mit Beifall aufgenommen und machte großen Eindruck. Kultusrat Orange wurde in den Finanz- und Wohltätigkeitsausschuß, Kultusrat Hausmann in den Schul- und Organisationsausschuß gewählt. Das Fazit der ersten Dumasession (Von unserem Berichterstatter.) Petersburg. Die erste Session der vierten Reichsduma ist zu Ende. Die überarbeiteten Gesetzgeber sind in die Ferien gegangen und wir können bereits das Fazit ihrer mühevollen Arbeit ziehen. Trotz einiger „ungehorsamer“ Anläufe am Anfänge, die einiges politisches Selbstbewußtsein und Unabhängigkeitsgefühl argwöhnen ließen, hat sich die vierte Duma sehr bald als würdige Nachfolgerin ihrer echtrussisch „staatserhaltenden“ Vorläuferin erwiesen. Was speziell die Judenfrage betrifft, so war die vierte Duma hierin womöglich noch gesinnungstüchtiger, als ihre strammpatriotische Vorläuferin. Das Neue, das die vierte Duma darin brachte, war das entschiedene Bekenntnis der Oktobristen zum aggressiven Antisemitismus. Diese Herren, die sich gerne als die russischen „Nationalliberalen“ bezeichnen lassen, hatten es sonst vorgezogen, die judenfeindlichen Pläne der Regierung mit verschämter Zurückhaltung gewähren zu lassen. Nun ist es anders geworden. Ihr Fraktionschef Herr A n t o n o w, der Nachfolger des gewiß viel klügeren und fähigeren Alexander Gutschkow, läßt sich keine Gelegenheit entgehen, den Juden feindselig zu begegnen. Als Vorsitzender der einflußreichen Präliminarkommission gibt er sich die erdenklichste Mühe, neue Rechtseinschränkungen für die Juden zu schaffen. Seinen Bemühungen ist es zu verdanken, daß diese Kommission bis heute nicht eine einzige Vorlage erledigt hat, ohne irgendeine mehr oder weniger empfindliche Ausnahmebestimmung gegenüber den Juden in Vorschlag zu bringen. Bis jetzt hat das Plenum der Reichsduma nur die wenigsten dieser Vorlagen verabschiedet, allein es ist noch nicht vorgekommen, daß ein judenfeindlicher Antrag der Antonowschen Kommission vom Plenum abgelehnt worden wäre. Das Charakteristische an dieser judenfeindlichen Politik ist, daß man sich nicht einmal die Mühe nimmt, die „Staatsraison“ oder die „Interessen der autochthonen Bevölkerung“ vorzuschützen. Man sucht die Juden zu schikanieren, auch wo dies offenbar ihren christlichen Mitbürgern zum Schaden gereicht. So hat es die vierte Duma bei der neuen Einschränkung bezüglich der Majoratsgüter in Polen gemacht. Die Duma hat das sinnlose Verbot der Verpachtung dieser Güter aufgehoben. Den Juden wurde aber das Packten der Majoratsgüter verboten, trotzdem die Interessen der russischen Eigentümer die Zulassung mehrerer Wettbewerber verlangen, und es doch gerade russische Juden sind, die als Pächter den Polen hätten Konkurrenz machen können. Wie gesagt, siegte hierbei die uneigennützige antisemitische Politik. Aehnlich war es mit der Frage der Selbstverwaltung in Polen. Die wütendsten Russifikatoren und Feinde der polnischen Autonomie stimmten für die Entrechtung der zum großen Teil aus Rußland zugewanderten Juden und sicherten damit dem aggressiven polnischen Nationalismus die Herrschaft über die Städte Polens. Ein weiteres Charakteristikum der judenfeindlicken Dumapolitik ist das Bestreben, die Juden zu demütigen und zu erniedrigen, auch wenn praktisch nichts dabei herauskommt. Die vierte Duma hat vielfach ganz gegenstandslose antisemitische Beschlüsse gefaßt, die auf eine leere Demonstration hinausliefen. Dem in der Duma herrschenden Geiste entsprach übrigens die Verwaltungspraxis in vollem Maße. Die unaufhörlichen Massenausweisungen, die nächtlichen Hetzjagden auf „wohnrechtslose“ Juden, die Schulsperre, die offiziell sanktionierte Ritualmordhetze — all diese Glanzleistungen unserer obersten Verwaltungsbehörden passen sich harmonisch den weisen

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