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Die Welt · 1913-07-18 · 29 (18.7.1913) · page 4

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
17 (1913)
Issue
29 (18.7.1913)
Date
1913-07-18
Page
– (sequence 4)
Language
German
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920 DIE!§BELT Nr. 29 □ cm □□□□□□ Die russisch-jüdische Studentenschaft für die Universität in Palästina Das Zentralkomitee des „Kartells zionistischer Studenten aus Rußland in Deutschland" hat vor einiger Zeit einen Aufruf an die jüdische Studentenschaft versandt, in dem diese aufgefordert wird, Stellung zur „Universitätsfrage" zu nehmen. Der Aufruf wurde in 4000 Exemplaren verbreitet und hatte zur Folge, daß in verschiedenen Universitätsstädten die zionistische Studentenschaft — in manchen Orten auch die nicht-zionistische — Versammlungen abhielt, in denen die Frage der Gründung einer jüdischen Universität m Palästina lebhaft besprochen wurde. Es fanden Versammlungen in folgenden Städten statt: Berlin, Leipzig, München, Straßburg, Darmstadt, Braunschweig, Königsberg, Bern, Basel, Lausanne und Graz. In den meisten Orten wurden entsprechende Resolutionen vorgeschlagen, die immer mit großer Mehrheit — oft einstimmig — angenommen wurden. So wurde in der am 28. Juni in Berlin abgehaltenen Versammlung, an der sich etwa 200 Akademiker beteiligten, folgende Resolution einstimmig angenommen: „Die Versammlung jüdischer Akademiker der Stadt Berlin sieht die einzige radikale Lösung des jüdisch-akademischen Problems in der Gründung einer jüdischen Universität in Palästina und appelliert an die jüdische Gesellschaft, dieses Projekt tatkräftig zu unterstützen.“ Aehnliche Resolutionen wurden auch in den übrigen genannten Städten gefaßt. Es sei noch erwähnt, daß in der Konferenz ostjüdischer Studentenvereine in Westeuropa, die im März d. J. in Zürich stattfand und in der 1300 jüdische Studenten vertreten waren, gleichfalls eine Resolution zugunsten der Gründung einer jüdischen Universität gefaßt worden ist. Zweite jüdische Ruderregatta bei Berlin Am Sonntag, den 13. Juli fand auf dem Crossin-See die zweite jüdische Ruderregatta statt, an der sich der J ü - dische Ruderklub „Ivria", die Ruderabteilung der Vereine jüdischer Studenten, beide Berlin, und die Ruderabteilung des J.T.V. Bar Kochba, Hamburg, beteiligten. Das günstige Wetter hatte eine unerwartet große Zuschauermenge herausgelockt; der Dampfer, den die Regattakommission bereitgestellt hatte, war überfüllt, zahlreich kamen die Mitglieder der anderen jüdischen Tum- und Sportvereine Berlins zu dieser im jüdischen Leben noch einzigartigen Veranstaltung. Insgesamt waren etwa 700 Personen beisammen, die mit großer Spannung den Verlauf der Rennen verfolgten und die Boote am Ziele erwarteten. Das Ergebnis war im einzelnen folgendes: Zweiter Vierer über 2000 Meter vom Jüdischen Ruderklub „Ivria" - Berlin vor der Ruderabteilung der Vereine jüdischer Studenten nach hartem Bord an Bordkampf mit s/4 Längen gewonnen. Anfänger-Vierer über 1500 Meter. Die Boote kamen mit je 4 Längen Abstand in folgender Reihenfolge ein: Ivria, Verein jüdischer Studenten, Ruderriege des Jüdischen Turnvereins Bar Kochba, Hamburg. Erster Vierer über 2000 Meter. Das spannendste Rennen, bei dem die Ruderabteilung der Vereine jüdischer Studenten nach heißem Kampfe mit Längen gewann. Die Hetzjagd der Antisemiten auf Rudolf Hans Bartsch (Von unserem Berichterstatter.) Wien. Der österreichische Dichter Rudolf Hans Bartsch hat in seinem Erstlingswerke eine jüdische Gestalt gezeichnet, die, wie er jetzt selbst sagt, eine gehässige Karikatur ohne künstlerischen Wert ist, geboren aus der frischen Lektüre H. St. Chamberlains, eine Figur, „die ihre Entstehung dem theoretischen Antisemitismus eines jungen Menschen verdankt, der noch keinen Juden persönlich kannte.“ Bartsch hat sich bald zur Höhe alliebender Menschlichkeit durchgerungen und seine Vorurteile gegen die Juden überwunden, ja, dieser urdeutsche Aelpler bringt dem Wesen der jüdischen Psyche und dem tragischen Schicksal unserer Exilsnot erstaunlich reifes und inniges Verständnis entgegen. (Man denke nur an den jüdischen Musiker in dem berühmten Roman „Zwölf aus der Steiermark", der zum Zionisten wird.) Ein ganzer Mann, der nichts Unreines, Kitschiges in seiner Schöpfung duldet, hat Bartsch anläßlich der Neuausgabe seiner ersten Erzählung, die unter dem Titel „Der letzte Student" bei Ullstein erschienen ist, die Gestalt des jüdischen Journalisten Hirsch aus dem Buche eliminiert. Nun geht die wilde Jagd der Judenhasser aller Schattierungen gegen den Dichter los. Eine Flut von Verdächtigungen, Beleidigungen, häßlichen Schmähungen ergießt sich über ihn. Man schimpft ihn ehrlos, von den Juden gekauft, wirft ihm vor, er habe seine Dichtung aus Furcht vor dem Judentume beschnitten und stellt fest, „der durch Juda’s Lohn Reichgewordene" (er ist übrigens nach wie vor mittellos) sei nach Canossa gegangen und verleugne das beste Kind seiner Muse. Bartsch flüchtet nun in die Oeffentlichkeit und publiziert eine Erwiderung, in der es heißt: „Durch die tiefe Heizenserfahrung zu der einfachen Wahrheit gelangt, daß es keine spezifisch „jüdischen" Laster gibt und im Glauben an ein allgemeines Menschentum strich ich ohne unreine Nebenabsicht die gehässige Karikatur, zu der ich in Jünglingstagen das Bild des jüdischen Journalisten m meinem Erstlingsroman entstellte. Zu diesem einfachen, aus dem Herzen kommenden und sonst von niemand diktierten Entschluß gehörte mehr Mut, als wenn ich die Figur stehen gelassen hätte, denn eine Flut von Schmähungen wird besonders von klerikaler Seite deshalb gegen mich erhoben.“ So ist auch der bisher so gefeierte Romancier zum Freiwild der Antisemiten geworden, wie so mancher andere nichtjüdische Denker, Staatsmann oder Künstler, der den Juden Gerechtigkeit widerfahren ließ oder ihnen gar Liebe bezeigte. Uns Juden berührt es tief, wenn wir sehen, wie edle, schaffende Menschen deshalb, weil sie unserem Volke brüderlich begegnen, aus der geheiligten Ruhe ihres Werkes aufgescheucht und auf den Dornenweg gehetzt werden, auf welchem sie eifernder Unverstand und giftiger Haß besudeln. Wir drücken dem jungen Grazer Meister stumm die Hand. Jüdische Streiflichter zum Skandalprozeß Lukäcs—D£sy (Von unserem Berichterstatter.) Budapest. Der Skandalprozeß Lukäcs — Däsy, der bekanntlich den Sturz des Ministeriums Lukäcs zur Folge hatte, bietet jetzt nach einigen Wochen auch dem jüdischen Beobachter Gelegenheit zu einigen Betrachtungen. An der Spitze der Ungarischen

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