Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 17 (1913)
- Issue
- 29 (18.7.1913)
- Date
- 1913-07-18
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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Nr. 29 919 DIESqKELT Palästina beweisen können; vielleicht mag uns der Versuch gelingen, durchden Ausbau eines vielsprachigen, großen Jüdischen Verlags, der stärker sein müßte als irgend ein Privatim tenrehmen, eine kulturelle Tat zu schaffen; vielleicht werden wir mit dem Zionistischen Zentralfonds zuerst die wichtigen sozialen Fragen in Palästina ihrer Lösung näherführen oder das Arbeiterproblem an der Wurzel anfassen können: jedenfalls nur mit Hilfe des Zionistischen Zentralfonds wird die zionistische Organisation, der politische Zionismus, den großen Aufgaben gerecht werden können, welche die Zukunft unseres Volkes bedeuten. Vom Wiener Kongress nach Palästina Von Dr. Otto Abeies Ein ebenso schöner wie fruchtbarer Gedanke hat die Wiener Gesinnungsgenossen veranlaßt, im Anschluß an den XI. Kongreß von Wien aus eine Palästinafahrt der Kongreßteilnehmer zu veranstalten. Man erfasse den Sinn des Unternehmens ganz: Nicht eine beliebige zionistische Gesellschaft aus irgend einer Stadt oder Provinz soll aus Interesse an unserer Sache das neue Palästina aufsuchen, sondern eine möglichst große Zahl der Mandatare unseres Volkes, der verantwortlichen Kongreßdelegierten soll sich nach den Beratungen des jüdischen Volksparlamentes, nach der sicherlich großartigsten und eindrucksvollsten Bekundung des jüdischen Volkswillens in der Diaspora, nach Erez Israel begeben. Wenn der Präsident die Verhandlungen des XI. Zionistenkongresses schließt, sollen die Delegierten, denen es Zeit und Mittel nur irgendwie ermöglichen, nicht auseinander gehen, sondern gemeinsam, gerüstet durch die bedeutsamen Verhandlungen der Tagung, unter dem Eindrücke der Begeisterung, die der Kongreß auslöst, vertraut gemacht mit den brennenden Fragen der nächsten zionistischen Palästinaarbeit und getragen von dem großen Verantwortlichkeitsgefühl ihrer Wählerschaft gegenüber, das Land unserer Hoffnung bereisen. Wenn der Plan so glückt, wie er gefaßt wurde, wenn es gelingt, eine entsprechende Zahl von Delegierten zu dieser wichtigen Fahrt zu vereinigen, dann wäre sie eine Tat von unschätzbarem Werte für die zionistische Bewegung. Das erste Mal würden zionistische Vorkämpfer aus aller Herren Ländern durch gemeinsame Erfahrungen und Studien sich zu einer gleichartigen und gleich intensiven Arbeit für das Palästinawerk in ihrem Wirkungskreise erziehen. Sie müßten aber auch durch die engste Fühlungnahme, durch das gemeinsame Erlebnis im jüdischen Neuland zusammengeschmiedet werden, wie es das lose Band der Organisation niemals vermochte. Ueber alle Breitegrade hinweg, von Land zu Land, von Erdteil zu Erdteil würden unsere Besten den kostbaren Zusammenhang für die nächste Zukunft finden. Wie dringend nötig ist doch diese Kongruenz der Arbeit für Palästina und dieses menschliche Zueinander- Jeder von uns weiß, was heute schon Palästina für die Länder der Diaspora bedeutet. Wo immer man Bilder aus Palästina zeigt, Vorträge über Reisen in den jüdischen Kolonien hält, strömt das jüdische Publikum in Massen zu. Allenthalben fühlt man, daß schon gegenwärtig Palästina auf die Juden in aller Welt wie eine wärmende und belebende Lichtquelle wirkt, daß, wie einer unserer führenden Männer sagte, Palästina das Golus zu revolutionieren beginnt. Wie könnte man diese Gefühle überall nähren und in Aktivität umsetzen, wenn die Auslese des zionistischen Menschenmaterials aus Ost und West, aus Europa, Amerika, Südafrika gleichzeitig das Land aufsuchte, unsere Institutionen an Ort und Stelle studierte, sich unseren Pionieren gesellte, gemeinsam die Freude an der ersten Blüte des jungen jüdischen Lebensbaumes genösse und wenn dann jeder in seinem Bezirke wirkte! Der Erfolg müßte die kühnsten Hoffnungen rechtfertigen. Ist doch gerade jetzt, nach den ersten dreißig Jahren zionistischer Palästinaarbeit — darüber sind alle, selbst unserer Bewegung fernstehende Juden einig, die das Glück hatten, in den letzten Jahren auch nur vorübergehend drüben zu weilen — der Eindruck Jung- Palästinas auf den Besucher ganz gewaltig. Dort drüben fiel die alte Jammerhülle, geflickt aus Mutlosigkeit und trägem Fatalismus, aus maskierter Selbstverachtung und Mäklergeist vom Volkskörper ab. Die Sprache der Urväter saugt sich förmlich fest an diesen Boden, von dieser Scholle und von dieser Sonne neu begnadet, eine ganz neue Generation gedeiht, die hebräisch spricht und jüdisch fühlt, bibelfest und muskelstark ist und über allen Lebensäußerungen der jüdischen Menschen, über Arbeit, Freude, Liebe, Kampf, Entbehrungen lagert etwas, das wir tausende von Jahren nicht mehr kannten, und das der Jugendbildner von Tel-Aivivv, Mossinsohn, mit einem einzigen kleinen Worte nannte: die Ruhe. . . Von jedem, der dort war, hört man’s bestätigt, daß Palästina heute schon nicht bloß ein Symbol ist, das man in die Gebetbücher vergräbt, nicht bloß das Land, aus dem man sich ein Säckchen Erde für die Gruft holt und es neben dem Sterbelinnen aufbewahrt, nicht bloß der Tummelplatz von Bettelbrieffabrikanten — sondern auch ein Leuchtturm jüdischer Arbeit und jüdischen Lebens, ein Land, in welchem jüdische Sensen mähen, der jüdische Hammer schmiedet, der jüdische Geist sinniert, das jüdische Lied erklingt. Wenn das unsere Kongreßdelegierten gemeinsam sehen und erleben, wenn sie sich überzeugen, daß die Probe auf das Exempel herrlich gelungen ist, bringen sie einen unversiegbaren Schatz von Selbstvertrauen, Begeisterung, froher Hoffnung und Stolz in alle Länder mit und schaffen gleichzeitig die neue einheitliche Basis für eine großzügige Palästinapropaganda. Da sich aber eine Auslese der Berufensten zusammenfindet, die unser Werk in Palästina prüfen, alle Mängel entdecken, ihre Beobachtungen austauschen und ihre Schlüsse ziehen, würde sich auf das verläßlichste erweisen, ob und inwieweit unsere Methode und das gegenwärtige System der Arbeit richtig ist, wo sich Unstimmigkeiten ergeben, Aenderungen nötig, Schäden auszumerzen sind, und die gesunde, produktive Kritik könnte segensreich einsetzen. Nicht zuletzt führen wir ins Treffen, daß diese Fahrt eine dauernde Arbeitsgemeinschaft zwischen den leitenden Gesinnungsgenossen aller Länder schaffen könnte, die geeignet wäre, die zionistischen Erfolge einzelner Provinzen rasch und zuverlässig überall zu fruktifizieren. Darum mögen alle Teilnehmer des Wiener Zionistenkongresses, denen es nur irgendwie möglich ist, an dieser so wichtigen Studienfahrt teilnehmen, die gleichsam eine Fortsetzung des Kongresses in Palästina bedeuten wird.