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Die Welt · 1913-07-18 · 29 (18.7.1913) · page 2

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Journal
Die Welt
Volume
17 (1913)
Issue
29 (18.7.1913)
Date
1913-07-18
Page
– (sequence 2)
Language
German
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918 LT Nr. 29 nur für unsere unmittelbare Palästinaarbeit reichte. Diese aber erschöpft sich nicht im Landkauf. Deshalb hat sich die zionistische Organisation den Zionistischen Zentralfonds geschaffen, wie sie früher den Jüdischen Nationalfonds ins Leben gerufen hat. Und wie der Jüdische Nationalfonds bei seiner Entstehung mit den Mißverständnissen und Mißdeutungen der Gleichgültigen zu kämpfen hatte, so muß sich auch der Zionistische Zentralfonds gegen ungerechte und mißverständliche Deutungen seiner Bestimmung wehren. Und es wird voraussichtlich noch einige Zeit dauern, bevor unsere Freunde und unsere Gegner wissen werden, was der zionistischen Zentralfonds soll und was die zionistische Organisation durch ihren Zentralfonds will. Auch im Lager unserer Freunde verkennt man noch oft den eigentlichen Zweck, die Aufgaben und die Bedeutung des Zionistischen Zentralfonds. Man sagt, wir brauchten den Zionistischen Zentralfonds zur Bestreitung der organisatorischen Bedürfnisse unserer Partei, zur Deckung unserer Agitationskosten, zur Begleichung unserer Verwaltungsspesen. Man müßte heute doch schon wissen, daß für diese Zwecke der Schekel bestimmt ist. Der Schekel ist unsere Parteisteuer, wenn man in diesem Sinne die Bezeichnung Partei verwenden will, da für die äußere Form, in der unsere Bewegung ihre Anhänger zusammenfaßt, der Ausdruck „Organisation" keineswegs genügen kann. Den Schekel nehmen wir prinzipiell nur von solchen Juden entgegen, die sich uneingeschränkt zu unserem Programm bekennen, die Pflichten auf sich nehmen, die dieses Bekenntnis auferlegt, und die die Rechte ausüben wollen, die mit der Zugehörigkeit zur zionistischen „Partei" verbunden sind. Die direkten Ausgaben der zionistischen Organisation für Agitations- und Verwaltungsspesen sind in den letzten Jahren bedeutend angewachsen; sie werden notwendigerweise weiter wachsen müssen. Aber es gibt für diese Ausgaben eine Grenze, die nach der Größe und Stärke der Organisation abgesteckt werden kann. Diese Ausgaben können und müssen durch die Schekeleinnahmen gedeckt werden, die ja auch in einem erfreulichen Anwachsen begriffen sind, - weiter wachsen können und in direkter Proportion zu dem Ausbau und zu der Ausgestaltung unserer Organisation steigen werden. Der Zionistische Zentralfonds ist nicht für diese Zwecke geschaffen. Seine Bestimmung ist es, der Fonds zur Erfüllung der großen politischen und kulturellen Aufgaben zu werden, die das Programm der zionistischen Bewegung ihr zuweist. Diese Aufgaben aber können nicht für alle Zeiten und für alle Verhältnisse im vorhinein bestimmt und begrenzt werden. Ein jeder neue Schritt vorwärts eröffnet ganz neue Perspektiven und weist uns neue Aufgaben zu, die zu ihrer Ausführung neue Mittel von uns erfordern. Die Arbeit auf diesem Gebiete ist ja unbegrenzt und erfordert demgemäß überaus große, unbegrenzte Mittel. Ein Beispiel: Das Projekt der Gründung einer jüdischen Hochschule in Palästina. Wir sprechen natürlich nicht von den gewaltigen Summen, welche die Realisierung des Projektes erfordern muß, und die wir auch mit einem ganz gewaltig angewachsenen Zentralfonds nicht bestreiten könnten. Aber schon um die Möglichkeit der Realisierung eines solchen Planes zu studieren und sie eventuell vorzubereiten, um die notwendige Propaganda und eine großzügige Aktion dafür zu entwickeln, bedarf es großer Mittel, für die ein Fonds wie der Zionistische Zentralfonds aufkommen müßte. Das Programm der zionistischen Bewegung strebt nichts ausschließlich für unsere Partei an; es steht vollkommen im Dienste unseres ganzen Volkes, dem es in Palästina eine neue gesicherte Heimstätte schaffep will. An dieser Arbeit ist die ganze jüdische Gemeinschaft interessiert; ihre Sache führen wir. Die Ausführung dieses Programms bedarf unendlicher Arbeit und diese Arbeit bedarf großer Mittel, viel größerer, als sie uns irgend welche Privatpersonen zur Verfügung stellen können. Aber eben diese Arbeiten, die auf dem Gebiete der politischen und kulturellen Tätigkeit zu leisten sind, geben uns in erhöhtem Maße den Anspruch auf das Interesse und die Unterstützung aller Juden. Der Fonds, der die Mittel für diese Arbeiten zur Verfügung stellen soll, muß ein Zentralfonds sein: ein gewaltiger Fonds, der aus großen und reichlich fließenden Jahreseinnahmen aller Juden, die unser Werk fördern wollen, allmählich zusammenströmt. Er muß ein Zentralfonds sein, für den sich alle Juden, die die Bedeutung der nationalen Arbeit, der zionistischen Bewegung zu schätzen wissen, mit opferwilligem Sinn besteuern; den die Piaster des Kolonisten von Pethach Tikwah so gut wie die Pfundnoten des englischen Kaufmanns, die Rubel des russischen Juden und die Mark- Kronen- und Francs-Stücke unserer westeuropäischen Brüder zusammenbringen. Und er muß ein Zentralf o n d s sein in dem Sinne, daß er sowohl die großen Kosten einer kontinuierlichen politischen, kulturellen und kolonisatorischen Arbeit deckt als in jenen Ausnahmefällen seltener Art bereit steht, in denen eine ihrer Verantwortung sich wohlbewußte Bewegung die Entwicklung unserer Volksgemeinschaft wie mit einem Ruck über hohe Hindernisse heben könnte. Wer für politische Vorgänge Sinn hat, wird wissen, daß solche Situationen durchaus nicht außer dem Bereich der Berechnungen liegen dürfen. Durchdrungen von der Erkenntnis der überragenden Bedeutung, die dem neugeschaffenen Zionistischen Zentralfonds zukommt, hat das Engere Actions- Comite beschlossen, ihn weiter auszubauen und ihm eine feste Form zu geben. Das Engere Actions-Comite der zionistischen Organisation wird daher dem XL Zionistenkongreß vorschlagen, von den Einkünften für den Zionistischen Zentralfonds, so verhältnismäßig klein sie auch jetzt noch sind, stets den vierten Teil als Reserve für besondere Fälle festzulegen. Dieser Teil des Zionistischen Zentralfonds dürfte nur unter ganz bestimmten Bedingungen angetastet werden, etwa wenn sich vom Großen Actions-Comite oder gar vom Zentralkomitee zwei Drittel der Mitglieder dafür aussprächen. Wir glauben nicht, daß wir selbst mit dem Zionistischen Zentralfonds alle Arbeit leisten werden, die unsere nationale Zukunft fordert. Auch der Zionistische Zentralfonds, so stark er werden kann, ist nur klein, gemessen an der Fülle und Größe des Werkes, das uns von allen anderen zu tun übrig gelassen ist. Wir aber müssen unsere Hände an dieses Werk legen; es geht nicht an, daß die zionistische Organisation, die einzige umfassende nationale Vertretung des jüdischen Volkes, ganz wichtige Arbeiten politischer und kultureller Art Organisationen überläßt oder zuweist, die gar nicht den Anspruch darauf erheben, das ganze nationale Judentum vertreten zu wollen. Wir werden durch den Zionistischen Zentralfonds die Initiative aller Glieder unserer Gemeinschaft neu befruchten können. Wir werden die Bedingungen schaffen, unter denen auch andere, von unserer Initiative angeregt, mit neuen, vielleicht mit größeren Mitteln unser Werk, unsere Werke fortführen können. Wir werden mit dem Zionistischen Zentralfonds nur das tun, was unserer ganzen Arbeit den Sinn und die Berechtigung gibt: wir werden unser Volk an sein Werk führen. Vielleicht werden wir dies schon mit der Vorbereitung der Gründung einer jüdischen Universität in

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