Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 17 (1913)
- Issue
- 29 (18.7.1913)
- Date
- 1913-07-18
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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DIE BERLIN W15, SÄCHSISCHE STR. 8. W ERSCHEINT JEDEN FREITAG ZENTRALORGAN DER ZIONISTISCHEN BEWEGUNG XVII. JAHRO. BERLIN, 18. Juli 1913 UrvtaV T'Onn 'K Tion Y» ,1^-12 Nr. 29. r * vt iw \ i T Zionistische Zentralfonds — OTTO ABELES: Vom Wiener Kongress nach Palästina — WELT- 11N n/\L 1 : CHRONIK — FRANZ OPPENHEIMER: Im heiligen^Lande (EL) — DANIEL PASMANIK: Die Legende von der „ostjüdischen4* Kultur — PALÄSTINA-RUNDSCHAU — AUS^DER BEWEGUNG — Mitteilnngen’des'J. N.-F. Der Zionistische Zentralfonds Die zionistische Organisation erhebt den Anspruch darauf, den organisierten Willen des jüdischen Volkes zu verkörpern; sie ist jedenfalls die Organisation des Nationaljudentums. Das war Theodor Herzls große Tat: Er hat den unorganisierten Wünschen und Forderungen des jüdischen Volkes, das seine Zukunft nicht auf die automatische Fortentwicklung aus seiner gegenwärtigen Zersplitterung und Verknechtung, sondern auf den festen Willen zu neuem eigenem Schaffen aufbauen muß, die Form und das Ziel gegeben. Deshalb ist die zionistische Bewegung trotz allem keine Partei; sie steht im Gegensatz, im scharfen Gegensatz, zu vielen mächtigen Tendenzen der jüdischen Gegenwart; aber was sie will, will sie für das ganze Volk, was sie tut, tut sie für das ganze Volk, was sie in hartem Kampfe und in unablässiger Mühe erreicht und sichert, bedeutet ein Stück Zukunftssicherheit und Gegenwartsfreudigkeit für die ganze jüdische Gemeinschaft. Darum nennt sich unsere Bewegung mit unbestreitbarem Recht eine politische. Ihr Programm ist ein politisches in jenem höchsten Sinne von Politik, als dem Versuch zu einer zielbewußten, organisierten Zusammenfassung aller gesellschaftlichen, kulturellen und wirtschaftlichen Tätigkeit zum Wohle einer lebendigen Gemeinschaft. Theodor Herzl ist uns, ist dem jüdischen Volke entrissen worden, kaum daß er das große Werk der Organisierung des jüdischen Volkes begonnen hatte. Die Organisierung ist auch heute nicht vollendet. Wir haben die schwere Pflicht und die hohe Aufgabe, Herzls Werk im Sinne seines Schöpfers weiter zu führen. Wir würden uns aber dieser Aufgabe nicht gewachsen zeigen, wollten wir zugeben, daß sie mit der Begründung der ersten notwendigsten Institute für die Kolonisierung Palästinas schon erfüllt ist. Für unsere Palästinaarbeit fehlen uns noch manche Instrumente, und die Aufgabe der zionistischen Organisation ist es, diese Instrumente landwirtschaftlicher, industrieller, kultureller Arbeit zu schaffen. Es fehlt uns zunächst eine Agrarbank; und ohne ein gut organisiertes und gut arbeitendes Institut, das den Zwecken des Agrarkredites dienen soll, ist eine irgendwie bedeutende Kolonisation kaum denkbar. Ein anderes Institut, das demselben Zwecke der Erleichterung und Förderung der Immigration und Kolonisation dienen soll, eine richtige Boden-Einkauf-, Parzellierungs- und Verkaufs-Gesellschaft, wie wir sie in der Palestine Land Development Company geschaffen haben, ist noch sehr klein und schwach und muß erst mit den notwendigen Mitteln dotiert und weiter ausgebaut werden. Mit diesen Unternehmungen, die die eigentliche Kolonisation fördern müssen, ist aber unsere Arbeit nicht getan: Es gehört zu ihr auch eine großzügige kulturelle Arbeit in Palästina selbst und als ihr Korrelat eine entsprechende Nationalisierungsarbeit in den Ländern der Diaspora. Wir können jedoch nicht zur Erfüllung jedes notwendigen Zwecks, für die Befriedigung jedes uns klar werdenden Bedürfnisses immer besondere Mittel auftreiben, immer spezielle Vereine ins Leben rufen, die die nötigen Fonds beschaffen. Wenn wir die zionistische Organisation wirklich als die Vertretung des jüdischen Volkes betrachten, wenn ihre höchste Körperschaft, der Kongreß der zionistischen Weltorganisation, sich in Wahrheit berufen fühlt, in die Entwicklung des Lebens unseres Volkstums schöpferisch einzugreifen, wenn die zionistische Organisation Herzls Gedanken nicht verraten will — dann muß in der Hand des zionistischen Kongresses die Kraft und die Macht konzentriert und zentralisiert sein, aus seinen Wünschen, Forderungen und Beschlüssen, Taten und Werke entstehen zu lassen. So stark auch heute schon unser Wille ist, unsere Mittel sind, an ihm gemessen, klein und schwach. Einen einzigen großen und stets wachsenden Fonds nennt unsere Bewegung ihr eigen, den Jüdischen Nationalfonds. Für seine Arbeit sind ganz bestimmte, feste Wege gebaut und schon fühlt der Jüdische Nationalfonds, daß er an sich notwendige und unaufschiebbare Leistungen übernehmen und ausführen muß, weil er eben im lebendigen Zusammenhang mit der für das Schicksal des jüdischen Volkes sich verantwortlich fühlenden Bewegung steht und diese doch über keinen anderen Fonds verfügt, der auch