Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 17 (1913)
- Issue
- 28 (11.7.1913)
- Date
- 1913-07-11
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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89S DIEI^ELT — .^ Nr. 28 Frühjahr erscheinende Band sicherlich eine große Wirkung ausüben. Auch hier handelt es sich um ein ganz eigenartiges Denkmal unserer Literatur. Es sind dies die hebräischen Berichte jüdischer Augenzeugen der Kreuzzüge. In den Tagen der Judenpogrome und des Kiewer Prozesses ist es gut, sich daran zu erinnern, wie alt und unveränderlich das Judenleid ist und wie die jüdische Geschichte des Exils unter allen Himmelsstrichen und in allen Epochen die gleich gewesen ist. Außer den erwähnten Sammlungen wurden drei wichtige Publikationen der Parteiliteratur herausgegeben: a) die dritte wesentlich vermehrte Auflage des Zionistischen Merkbuches von Schachtel, das durch einen Nachtrag auf den Stand von 1913 gebracht worden ist; b) Palästina als Judenland von Elias Auerbach. Dieses Heft hat uns endlich die notwendige Agitationsbroschüre über Palästina gegeben; c) Protokoll des X. Kongresses. Dann folgten die dritte vermehrte und verbesserte Auflage von Davis Trietschs „Palästinahandbuch“ und die zweite gleichfalls vermehrte und vom Verfasser verbesserte Auflage von Achad Haams „Am Scheidewege“. Zum Schluß seien noch erwähnt: Die zweite Serie von Gedichten Theodor Z 1 o c i s t i s unter dem Titel „Am Tor des Abends“ und ein kulturhistorisch sehr interessantes Werk von Heinrich Loewe „Die Juden in der katholischen Legende.“ Nicht aus der Initiative des Jüdischen Verlags entstanden, wohl aber dank seinem energischen Eingreifen zustande gekommen, ist endlich ein großes Werk, auf das unsere Organisation stolz sein kann: die Palästinakarte in hebräischer Sprache. Die Karte ist auf Veranlassung der Gesellschaft „Koheleth“ in Jaffa in Angriff genommen und von dem unvergeßlichen Elijahu S a p i r geschaffen worden. Leider hat der treffliche Mann die Fertigstellung des Werkes nicht mehr erlebt. Mag sein, daß es später einmal gelingen wird, unseren Schulen in Palästina ein noch besseres Hilfsmittel für den Unterricht in der Heimatkunde zu geben — diese Karte bleibt ein unvergängliches Denkmal für die Initiative unserer Palästinenser und für den trefflichen Verfasser. — Schon in Köln hatte der Jüdische Verlag begonnen, seine Beziehungen zu den Gesinnungsgenossen für seine Buchhandlung zu verwerten, aber erst in Berlin erfuhr dieser Geschäftszweig einen vollständigen Ausbau. Es ist Ehrenpflicht der Gesinnungsgenossen, namentlich in Deutschland und Oesterreich, ihren gesamten Bücherbedarf durch den Jüdischen Verlag zu decken. Es muß hervorgehoben werden, daß erst der Buchhandel dem Jüdischen Verlag die Möglichkeit geben wird, sich von der Beihilfe aus Parteimitteln zu emanzipieren. Deutschland Berlin. Der Berliner hebräische Klub versammelt sich jeden Montag, 9 Uhr abends, im Cafe Loy, Oranienburger Straße 27. Gaste, Damen und Herren, willkommen. Oesterreich Bukowinaer zionistisches Landeskomitee (Von unserem Berichterstatter.) Czernowitz. Das Bukowinaer Landeskomitee hat in der letzten Zeit eine rege Agitation für den Zentralfonds betrieben, die noch fortgesetzt wird. An der Sammlung für diese Institution beteiligten sich die Mitglieder des Landeskomitees Dr. Th. Weißeiberger, B. Flohr und Dr. M. S c h a p i r a. Auch in der Provinz wurde, dank der Agitationstournee Dr. Geyers (Lemberg), fleißig für den Zentralfonds agitiert. Das Interesse für den bevorstehenden XI. Zionistenkongreß ist in der Bukowina sehr lebhaft. Bisher haben 17 Bewerber um Delegiertenmandate zum Kongreß ihre Kandidatur beim Landeskomitee angemeldet. Der lebhaften Mandatsbewerbung entspricht teilweise auch die Schekelsammlung. Das Landeskomitee beabsichtigt, sämtliche Kandidaten dazu zu verpflichten, vor der Wahl Schekelversammlungen abzuhalten und die eventuellen Delegierten anzuhalten, nach dem Kongreß in ihrem Wahlkreise Bericht zu erstatten. Auf diese Weise hofft das Landeskomitee die zionistische Agitation zu fördern durch Männer, von denen manche zu zionistischen Vorträgen sonst schwer oder überhaupt nicht zu gewännen sind. Das Landeskomitee hat in seiner jüngsten Sitzung seinem Obmann Herrn Universitätsprofessor Dr. L. Kellner zu Erholungszwecken einen Urlaub von drei Monaten bewilligt. Die Leitung während dieser Zeit wurde dem Mitglied Dr. Th. W eißelberger anvertraut. Agitationstournee von Dr. Korngrun In der Bukowina Der Sekretär des E. A. C. Dr. Korngrün absolvierte in der letzten Woche des vergangenen Monats eine Vortragstournee durch die Bukowina. Am 23. Juni sprach er in Kotzm a n vor einem zahlreichen Publikum über den „XI. Zionistenkongreß“. Ueber das gleiche Thema referierte Dr. Korngrün hierauf in Kimpolung in der Synagoge vor einem Auditorium von mehr als 300 Personen. Ferner hielt er größere Volksversammlungen ab in Gurahumora Dorna- Wat ra und Sadagöra. Den Höhepunkt der Tournee bedeutet die Massenversammlung, die am 30. Juni in Czernowitz stattfand. Herr Dr. Korngrün hielte eine formvollendete, begeisternde Rede über die „Bedeutung des XI. Kongresses“ die starken Beifall fand. Hierauf sprach Prof. Dr. Kellner über die „jüdischen Bauern in Palästina“ nach Tagebüchemotizen von seiner jüngsten Palästinareise. — Hierauf nahm Dr. Komgrün an einer Sitzung des Landeskomitees teil, in der über die Vorbereitungen zum bevorstehenden Wiener Kongreß beraten wurde. — Dr. Komgrün gab durch seine Vortragstoumee der bereits recht lebhaften Schekelsammlung einen starken Impuls. Herzl-Feier Am 5. Juli veranstaltete die jüdisch-nationale akademische Verbindung „Hasmonäa“ eine Herzl-Feier, bei welcher Herr Oberabbiner Dr. Rosenfeld eine glänzende Gedenkrede hielt. Die Feier war sehr stark besucht. Sadagöra. In der am 7. .Juni abgehaltenen Generalversammlung des jüdischnationalen Vereins „Kirja Neemuna“ in Sadagöra wurden die Herren Advokaturskandidat Dr. Moses Schäfer zum Obmann und Bankdirektor Salomon Lehr zum Obmann-Stellvertreter gewählt. Podwoloczyska. Hier hat sich eine zionistische akademische Verbindung „Tikwah“ gebildet. Zum Senior wurde stud. jur. A. Ratz gewählt. Ungarn Zionistische Jugendarbeit (Von unserem Berichterstatter.) Budapest. Der Winter 1912/13 brachte der zionistischen Jugendbewegung einen schönen Aufschwung. Die Hochschüler- Vereinigung „Makkabäa“ entfaltete eine intensive Tätigkeit in der zionistischen Ausbildung der Mitglieder. Im ersten Semester wurden wöchentlich an drei Abenden Seminare abgehalten, im zweiten wurde ein größerer Vortragszyklus veranstaltet. Von den Vortragenden seien hier erwähnt: Lehrer Moses Wachsberger und Dr. Ludwig Scheiber die über ihre Palästinareise sprachen, Schriftsteller Max Viola, der einige treffliche Novellen und Partien aus seinem Schauspiel „Die Familie Löwenthal“ vorlas, sowie Prof. Dr. Armin Frisch der über die Juden in der modernen Kultur einen gediegenen Vortrag hielt. Es folgten dann die Jubiläumsfeier und die Herausgabe der ersten beiden Hefte der „Makkabäa-Bibliothek“. Gegen Ende des Semesters gründeten Hörer des Polytechnikums die Hochschüler-Vereinigung „Bar Kochba“, die in kurzer Zeit eine größere Anzahl von Mitgliedern um ihre Fahne zu scharen verstand. Die zionistischen Mittelschüler reorganisierten unter der Aegide der „Makkbäa“ ihren Verein, der jetzt den Namen „Hasmonäa“ annahm und sich gut entwickelt. Allwöchentlich werden von Zionisten und außenstehenden Persönlichkeiten zionistische und allgemein-jüdische Vorträge gehalten. Der Verein sammelte ca. 200 Kronen für das hebräische Gymnasium in Jerusalem. Ebenfalls reorganisiert wurde der Mädchenverein „Deborah“. Es wurden viele neue Mitglieder gewonnen, die sich unter Leitung der Präsidentin Fräulein Dr. med. Frieda K o h n rege im zionistischen Sinne betätigten. — Der jüdische Turnverein „Vivo es Atletikai Club“ beginnt sich auch zu konsolidieren, da es ihm mit schwerer Mühe endlich gelang, in der Knaben-Bürgerschule der jüdischen Gemeinde einen modernen und zweckmäßigen Turnsaal zu erhalten. — Endlich ist der große Aufschwung des vor drei Monaten gegründeten „Jüdischen Wanderbundes“ wohl das erfreulichste Symptom. Ueber 300 jüdische Kinder sind bereits in diesem Bunde ver-