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Die Welt · 1913-07-11 · 28 (11.7.1913) · page 10

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Journal
Die Welt
Volume
17 (1913)
Issue
28 (11.7.1913)
Date
1913-07-11
Page
– (sequence 10)
Language
German
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894 Nr. 28 arbeiten in den Balkanländem und den benachbarten Gebieten, der Balkankrieg unserer Sache nicht ernstlich geschadet hat. Die Erfahrungen der letzten Vergangenheit sind geeignet, mehr als einen vorübergehenden Eindruck auf die ottomanische Regierung zu machen, die jetzt mehr als je Hilfe und Freundschaft braucht. Wir haben wiederholt erklärt, daß unsere Absichten in Palästina friedlicher und wohltätiger Natur sind, und wir vertrauen darauf, daß die Regierung, sobald sie in der Lage sein wird, sich wieder mit den Angelegenheiten dieses Landes zu beschäftigen, die Ueberzeugung gewinnen wird, daß wir der Entwicklung der Kolonisation dort wertvolle Dienste geleistet haben, besonders in den letzten zehn Jahren, und daß unsere Bewegung große Zukunftsmöglichkeiten birgt. Jedes neue Jahr bringt uns natürlich neue Lasten und Versuche, und es ist deshalb die Pflicht aller unserer Federationen, ihr Augenmerk darauf zu richten, daß wir völlig imstande sind, den an uns gestellten Anforderungen zu genügen. Ich bin sicher, daß Ihre Convention durch einen mehr als gewöhnlichen Enthusiasmus ausgezeichnet sein wird, sowohl wegen des Besuches von Herrn Sokolow, als auch, weil wir am Vorabend eines wichtigen Kongresses stehen. Ich vertraue deshalb darauf, daß der Enthusiasmus der Delegierten seinen Ausdruck in Maßnahmen finden wird, die bestimmt sind, Ihre Federation zu kräftigen und auszudehnen, die, wie ich und meine Kollegen hoffen, ein Faktor von noch größerer Bedeutung als bisher in der künftigen Entwicklung unserer Weltorganisation werden wird. Herr Wolffsohn. der frühere Präsident des E. A. C., richtete an die Convention folgendes Schreiben, das von der üblichen Form solcher Begrüßungsschreiben durch seinen polemischen Ton abweicht. Der Brief des Herrn Wolffsohn hat nach dem Bericht des Londoner „Jewish Chronicle" und der New Yorker Zeitung „Jiddische Gazetten" folgenden Wortlaut: „Obgleich es mir nach meiner langen Krankheit schwer fällt, zu schreiben, kann ich doch nicht umhin, Ihrem Wunsche nachzukommen und Ihnen meine Ansichten über die Aufgaben und Probleme unserer Organisation mitzuteilen. Stets seit Anbeginn unserer zionistischen Bewegung habe ich die Ansicht vertreten, daß die politische Seite unserer Bewegung, wie sie von unserem verstorbenen Führer Dr. Herzl sorgfältig ausgearbeitet wurde, an erster Stelle stehen muß. Aber es sollte kein Antagonismus zwischen den politischen und den praktischen Zionisten herrschen, denn beide Seiten der Bewegung sind gleich notwendig. Diese Ueberzeugung ist in mir immer stärker geworden in den vielen Jahren, in denen ich mit der Bewegung in Verbindung stehe. Beide Arbeitsgebiete müssen Hand in Hand mit der kulturellen Tätigkeit gehen, wenn wir unser Ziel erreichen wollen. Aeußere oder innere Verhältnisse können es notwendig machen, daß zuweilen eine Seite des Programmes mehr in den Vordergrund tritt als die andere, aber keine von beiden darf vernachlässigt werden. Selbstverständlich muß die politische Arbeit der Bewegung ganz in den Händen der Zentralleitung ruhen; die verschiedenen Föderationen und Vereine können der Leitung nur mit Rat und moralischer Unterstützung zur Seite stehen. Umgekehrt verhält es sich mit der praktischen Tätigkeit des Zionismus, die in der Hauptsache den einzelnen Föderationen, Vereinen und Privatpersonen überlassen bleiben muß, während die Zentrale ihnen nur Anregungen geben und mitunter Beihilfen gewähren kann. Die zionistischen Landsmannschaften, Vereine und Privatpersonen können und sollen auch solche Arbeiten in Palästina in Angriff nehmen, deren Erfolg nicht von vornherein sicher ist. Anders steht es mit der Zentralorganisation, die niemals einen Schritt unternehmen darf, wenn sie von dem Erfolg nicht überzeugt ist. Die Finanzinstitutionen unserer Organisation sind die eigentliche Basis unserer Bewegung, und diese müssen sich daher stets in den Händen solcher Leute befinden, auf die wir uns vollkommen verlassen können. Nehmen wir die Anglo-Palestine Company als ein Beispiel. Auf dem nächsten Kongreß wird ein Bericht über die zehnjährige Tätigkeit dieser Company erstattet werden. Es wird gezeigt werden, daß dieselbe nicht nur gute Arbeit in Palästina geleistet hat, sondern daß sie dort eine bedeutende Macht geworden ist und ein Werkzeug für die Entwicklung Palästinas. Die Company hat die besten Geschäfte gemacht und ihr Kapital erhöht. Der Erfolg derselben ist nur der Tatsache zuzuschreiben, daß ihre Leitung Fachleuten anvertraut war, die äußerst vorsichtig waren und sich hüteten, zweifelhafte Unternehmungen in Angriff zu nehmen. Es hat sich erwiesen, daß der letzte Kongreß recht daran tat, die Finanzinstitutionen unter der sicheren Kontrolle zu belassen, unter der sie jetzt noch stehen. Ich habe aber allen Grund, zu glauben, daß auf dem nächsten Kongreß ein Versuch gemacht werden wird, diese Finanzinstitutionen der Kontrolle ihrer jetzigen Leiter zu entziehen, und sie denjenigen anzuvertrauen, die bereit sind, sich in gewagte Unternehmungen einzulassen. Eine solche Politik ist geeignet, den Erfolg unserer Bewegung zu gefährden und unsere Organisation zu schädigen. Aber ich hoffe, daß der nächste Kongreß sich keiner Täuschung hingeben wird. Ich möchte gerne glauben, daß der Kongreß sich für die Solidität unserer Institutionen erklären wird. Ich bin überzeugt, daß die amerikanischen Zionisten meine Worte verstehen werden, und daß ihre Delegierten auf dem Kongreß diese Ansichten vertreten werden." Wir werden auf einzelne Phasen aus den sehr interessanten Verhandlungen der Convention demnächst noch ausführlich zurückkommen. Dr. Tschlenow über Palästina Unsere Gesinnungsgenossen werden es freudig begrüßen, daß Herr Dr. Tschlenow sich entschlossen hat, die Eindrücke von seiner zweiten Palästinareise, die er voriges Jahr unternommen hat, auch dem deutschlesenden Publikum mitzuteilen. Seine Schrift „Fünf Jahre Palästinaarbeit", von deren russischem Original in kurzer Zeit 2000 Exemplare verkauft worden sind, erscheint Ende Juli in deutscher Uebersetzung beim Jüdischen Verlag, Berlin. Die Arbeit enthält eine ausführliche Würdigung der aktuellsten Dinge unserer Palästinapolitik: Arbeiterfrage, Jemeniteneinwanderung, P. L. D. C., Nationalfonds, Schulpolitik und endlich eine ausführliche Auseinandersetzung mit Achad Haam, dessen Ansichten über unsere Aufgaben und Arbeiten in Palästina durch die deutsche Ausgabe seiner Schriften (2. Aufl. 1913, Jüdischer Verlag) auch in Westeuropa weiteren Kreisen der Zionisten bekannt geworden sind. — Dr. Tschlenows Schrift wird etwa 80 Seiten stark werden und eine Mark kosten. Bezalel-Ausstellung in Neu-Sandez Im Laufe des Monats Juni wurde in Neu-Sandez (Galizien) eine Ausstellung der Jerusalemer Kunstgewerbeschule Bezalel veranstaltet. Das Interesse für die Ausstellung war in der Stadt, die 8000 jüdische Bewohner zählt, ein sehr reges, wiewohl die chassidischen Volkskreise leider sehr geringes Verständnis für die jüdischen Renaissancebestrebungen in Palästina bekunden. Auch zahlreiche angesehene Christen besuchten die Ausstellung, die einen Lichtpunkt in dem geistig verkümmerten Leben der Stadt bildete. Auch seitens der Behörden fand die Bezalel-Ausstellung. uneingeschränkte Anerkennung. Der Verein „Bezalel" zählt in Neu-Sandez seit Jahren eine stattliche Reihe von Mitgliedern, denen sich infolge der Ausstellung weitere Freunde der Jerusalemer Anstalt aus dem Kreise der dortigen jüdischen Bürgerschaft zugesellt haben.

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