Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 17 (1913)
- Issue
- 28 (11.7.1913)
- Date
- 1913-07-11
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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Nr. 28 DIE3§ffiLT den Wiener Kongreß für das Jerusalemer Universitätsprojekt nachdrücklich einzutreten. Es folgte eine Debatte über die allgemeine Lage der zionistischen Organisation und die Tätigkeit des Actions- Comites. Die Leitung der Federation schlug der Convention eine Resolution vor, die dem E. A. C. die Befriedigung der amerikanischen Zionisten über seine Tätigkeit im allgemeinen und die tatkräftige Förderung der Palästinaarbeit im besonderen ausspricht. Charles Co wen beantragte im Namen der politischen Zionisten eine Resolution, in der das A.-C. aufgefordert wird, der politischen Arbeit erhöhte Aufmerksamkeit zuzuwenden. Die erste Resolution wurde jedoch mit großer Mehrheit angenommen. Am Abend fand in Odd-Fellows Hall ein Festessen zu dreihundert Gedecken statt. Es herrschte ungeheurer Enthusiasmus. Unter den Anwesenden bemerkte man den bekannten jüdischen Gelehrten Professor Gotthard Deutsch vom Hebrew Union College und viele prominente Persönlichkeiten der jüdischen Bevölkerung von Cincinnati. Tischreden hielten u. a. Dr. Harry Friedenwald, Ehrenpräsident der Federation, Mr. Louis Lipsky, Max Shulman, Großmeister des Order Knights of Zion, Richter Breastone und Professor Gotthard Deutsch. Auf dem Bankett wurden 1000 Dollar für zionistische Zwecke gesammelt. Zweiter Verhandlungstag In der Montagssitzung hielt Miß Henriette Szold ein überaus eindrucksvolles Referat über „Zionistische Arbeit in Palästina“. Miß Szold gab zunächst eine allgemeine Uebersicht über die Lage des alten Jischub in Palästina und die verschiedenen Wohlfahrtsinstitutionen. Die Rednerin besprach mit großer Sachkenntnis die Licht- und Schattenseiten der Chaluka, ging dann zur Darstellung der Erfolge der neuen ländlichen Siedelung über und kam schließlich auf die Tätigkeit der zionistischen Frauen vereine in Amerika zu sprechen, die es unternommen haben, geschulte Krankenpflegerinnen nach Palästina zu entsenden. Die Referentin verspricht sich von diesem sozialen Hilfswerk eine wesentliche Besserung des allgemeinen Gesundheitszustandes der jüdischen Bevölkerung und ein wirksames Gegegengewicht gegen den Seelenfang der verschiedenen Missionsanstalten. Dem Referate von Miß Szold folgte eine ausführliche Diskussion, und es wurde beschlossen, allen zionistischen Vereinen die Gründung von Hadassah-Cercles nach dem Muster der bisher bestehenden zu empfehlen. Die Convention nahm sodann unter ungeheurer Begeisterung eine Resolution an, wonach ein Nahum Sokolow-Fonds für jüdische Arbeiterhäuser in Palästina geschaffen werden soll. Die Nachmittagssitzung war dem Berichte der verschiedenen Delegierten über den Stand der zionistischen Tätigkeit in ihren Wohnorten gewidmet. Aus diesen Berichten geht hervor, daß die praktische Palästinaarbeit überall bedeutende Fortschritte macht. Die Delegierten des Order Knights of Zion berichteten über die äußerst günstigen Erfolge der Achusa- Bewegung in ihren Gruppen. Die von den Knights of Zion geschaffenen Achusa-Gesellschaften haben bisher bereits 40 000 Dollar bei der Anglo-Palestine Company in Jaffa erlegt. Derselbe Orden hat auch u. a. 1000 Dollar für den zionistischen Zentralfonds gesammelt. Frau Bella Pevsner erstattete Bericht über ihre Propaganda-Tournee in Kalifornien, wo sie insbesondere für den Bezalel mit großem Erfolg tätig war. Mr. J. H. Rubin, Sekretär des amerikanischen Nationalfondsbureaus, berichtete über die Tätigkeit dieses Bureaus im abgelaufenen Jahre. Es wurde ferner über die beiden Zeitungsorgane der Federation, die englische Monatsschrift „Maccabaean“ und die 893 jüdisch-deutsche Wochenschrift „Dos Yiddishe Folk“ berichtet. — Von den gefaßten Resolutionen seien die folgenden hervorgehoben: „Das Actions-Gomite soll ersucht werden, eine großzügige Propaganda für den Verkauf von Kolonial-Bank-Shares einzuleiten.“ „Die Convention spricht Herrn S o k o 1 o w ihren Dank für seine vortreffliche Propagandaarbeit in Amerika aus und beschließt die Gründung eines Fonds auf seinen Namen zur Errichtung von Heimstätten für jüdische Landarbeiter in Palästina.“ „Es sollen Schritte unternommen werden, um einen nationalen Verband zur Verbreitung der hebräischen Kultur in Amerika ins Leben zu rufen.“ „Die Convention ermächtigt das Exekutivkomitee, eine Gesellschaft für Bodenerwerb in Palästina in großem Maßstabe zu gründen.“ „Die Convention empfiehlt allen Zionisten den Achusa- Plan nach Kräften zu fördern.“ Leon Zolotkoff, gewesener Präsident des Order Bnai Zion, berichtete über die Tätigkeit und die Fortschritte dieses Ordens. — Große Begeisterung rief ein Begrüßungstelegramm der von der Achusa-Gesellschaft in St. Louis gegründeten palästinensischen Kolonie „Poriah“ hervor. — Die Convention sandte ein Glückwunschtelegramm an Richter M. Sulzberger in Philadelphia anläßlich seines 70. Geburtstages. Der Mayor (Bürgermeister) von Buffalo lud die amerikanischen Zionisten in einem überaus herzlich gehaltenen Schreiben ein, die nächste Convention in Buffalo abzuhalten. Am Abend des letzten Verhandlungstages fand ein großes Massen-Meeting im Lyric-Theater statt, bei dem Mr. Louis Lipsky den Vorsitz führte. Unter großem Enthusiasmus der tausendköpfigen Versammlung sprachen die Herren Dr. Harry F riedenwald, Jacob de Haas, Leon Zolotkoff, Bernhard Rosenblatt, Reverend O. L. Sarchi aus Louisville, Reverend Eben aus Cleveland, A. G o 1 d - b e r g , Richter Breastone und Frau Bella Pevsner. Dem englischen Brief des Herrn Prof. W a r b u r g entnehmen wir folgendes: Ich bin sehr erfreut zu hören, daß Ihre Federation bald ihre 16. Jahresversammlung in Cincinnati abhalten wird, und habe das Vergnügen, den Delegierten, die dort zusammentreten werden, meine herzlichsten Grüße zu übersenden. Ich glaube, daß es bei dieser Gelegenheit nicht notwendig ist, eine lange Botschaft an Ihre Convention zu richten, da mein Amtskollege, Herr Sokolow, während der beiden letzten Monate eine Reihe beredter und belehrender Ansprachen in allen bedeutenden Städten der Vereinigten Staaten gehalten hat, die mit Geschick und in autoritativer Weise alle gegenwärtig besonders interessierenden Fragen der zionistischen Bewegung behandelten. Ich und meine Kollegen im Engeren Actions-Comite empfinden große Befriedigung darüber, daß Herr Sokolow mit solchem Enthusiasmus von allen Gruppen der jüdischen Gemeinschaft in den Vereinigten Staaten aufgenommen worden ist, und daß sein Appell zur Mitarbeit an unserem nationalen Werk in allen Kreisen Sympathie gefunden hat. Es ist unsere ernste Hoffnung, daß er die Ueberzeugung der Schwankenden gefestigt und die Zweifler bekehrt hat, und daß es ihm gelungen ist, in einem Lande, von dem es oft heißt, daß es in einer materialistischen Lebensauffassung versunken sei, dem zionistischen Ideal neues Leben zu geben. Die Ereignisse des letzten Jahres im nahen Osten beschäftigten uns naturgemäß insofern, als es schwierig war zu erkennen, ob der Schauplatz der Feindseligkeiten sich nicht so ausdehnen würde, daß unsere Interessen ernstlich dadurch berührt werden könnten. Es ist daher für uns befriedigend, daß, abgesehen von der zeitweiligen Störung der Propaganda-