Mannheim
Compact Memory

Die Welt · 1913-07-11 · 28 (11.7.1913) · page 8

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
17 (1913)
Issue
28 (11.7.1913)
Date
1913-07-11
Page
– (sequence 8)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
98% known words query
IRI
…/3315709-3316567-3316602--57658-3376126
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

892 —*= DlElffiELTi- — Nr. 28 XVI. Jahresversammlung der Federation of American Zionists (Spezialbericht i Die 16. Jahresversammlung der amerikanischen Zionisten- Federation fand vom 22. bis 24. Juni in Cincinnati statt. Etwa hundert Delegierte aus allen Teilen der Vereinigten Staaten nahmen an den Beratungen teil. Die diesjährige Convention zeichnete sich namentlich dadurch aus, daß zum ersten Male seit Jahren auch der Order Knigths of Zion, der nach langen Zwistigkeiten sich mit der Federation ausgesöhnt hat, durch seine Delegierten in der Convention vertreten war. Der Orden bildet jetzt eine Unterabteilung (Subfederation) der allgemeinen amerikanischen Organisation, und es ist ihm ein bestimmt abgegrenztes Tätigkeitsgebiet zugewiesen worden. Von großer Bedeutung war die Anwesenheit des bekannten demokratischen Politikers Louis D. Brandeis aus Boston auf der Convention. Mr. Brandeis, der wohl schon lange mit den zionistischen Bestrebungen sympathisierte, aber erst seit der Anwesenheit des Herrn S o k o 1 o w in Amerika begonnen hat, tätigen Anteil an der Bewegung zu nehmen, hat sich in einer vor kurzem in New York abgehaltenen Konferenz an die Spitze eines Komitees gestellt, das eine in den Vereinigten Staaten legalisierte Gesellschaft zur Förderung der landwirtschaftlichen und industriellen Entwicklung Palästinas ins Leben rufen will. Die Zionisten in Amerika versprechen sich von der Verwirklichung dieses großzügigen Projekts eine mächtige Förderung unserer Bestrebungen in Amerika. Es unterliegt keinem Zweifel, daß weite Kreise der amerikanischen Juden, die bisher dem Kolonisationswerk in Palästina fernstanden, sich an einer solchen Kolonisationsgesellschaft, die ihren Sitz in Amerika hat, und an deren Spitze ein so hervorragender Mann wie Mr. Brandeis steht, gern beteiligen Erster Verhandlungstag Die Convention wurde Sonntag, den 22. Juni, um 11 Uhr vormittags, im Hamilton County Memorial Building durch den Vorsitzenden des Exekutivkomitees Mr. Louis L i p s k y eröffnet. Der zweite Bürgermeister von Cincinnati, Mr. Johnsohn, ein Jude, begrüßte die Convention namens der Stadt Cincinnati mit herzlichen Worten. Hierauf wurden die überaus zahlreich eingelaufenen Begrüßungstelegramme und Zuschriften verlesen, Von denen besonders die Begrüßungsschreiben der Herren Professor Dr. Warburg, David Wolffs o h n , Justizrat Dr. Bodenheimer und Dr. R u p p i n hervorgehoben seien, auf die wir am Schluß des Berichts zurückkommen. Mr. Lipsky verlas den Bericht der Exekutive, der eine Uebersicht über die zionistische Tätigkeit in den Vereinigten Staaten und über die allgemeine Lage der Bewegung enthielt. Ueber die Beziehungen der amerikanischen Federation zum Engeren Actions-Comit€ führt der Bericht des Exekutivkomitees folgendes aus: „Das Exekutivkomitee stand in regelmäßigem und umfassendem Briefwechsel mit dem Actions-Comite und wurde über alle Fortschritte der Bewegung unterrichtet. Das Actions- Comite widmete sich mit Hilfe seines vortrefflichen Bureaus der Kräftigung der zionistischen Bewegung in den verschiedenen Ländern. Es wandte seine Aufmerksamkeit den verschiedenen Seiten der zionistischen Tätigkeit zu, indem es mit regem Verantwortungsgefühl unsere politischen Interessen wahmahm und nach besten Kräften die praktischen Aufgaben des Ansiedlungswerkes in Palästina förderte. Große politische Demonstrationen sind nicht in die Erscheinung getreten, allein das A.-C. wirkte eifrig und verständnisvoll dahin, politische Beziehungen anzuknüpfen und unsere auf sicheren Grundlagen aufgebaute Position in Konstantinopel zu festigen. ü r die „W e 11".) Obwohl es mit unzulänglichen Mitteln arbeiten mußte, hat das A.-C. Tüchtiges geleistet und verdient durchaus unsere Anerkennung. Das Nationalfondsbureau in Köln bewährt seinen Ruf als wirksam und mit gutem kaufmännischen Sinn arbeitende Verwaltungsstelle. Die Jüdische Kolonialbank schüttet ihre Dividenden regelmäßig aus und hat ihre Kapitalanlagen in Palästina vermehrt. Die Organisation hat ihre Kräfte in den Dienst der jemenitischen Auswanderung nach Palästina gestellt und ansehnliche Beträge für Arbeiterwohnstätten flüssig gemacht. Wir haben eine mächtige, über alle Länder verbreitete Organisation geschaffen, mit einem durchaus sachkundigen und gut unterrichteten Komitee an der Spitze, das berufen ist, unsere nationalen Aktionen durchzuführen. Das Actions-Comite mag der Kräftigung, der persönlichen Reorganisation bedürfen, allein die gegenwärtige organisatorische Form der Leitung als eines Komitees hat sich als die beste für unsere komplizierten Interessen bewährt, denn sie bewirkt die Ausschaltung aller persönlichen Ambitionen und alles Cliquen- Es steht zu hoffen, daß der im September stattfindende Kongreß etwaige Mängel, die die Erfahrung zutage gefördert hat, abstellen wird, ohne radikale Aenderungen m der jetzt im Stadium der Entwicklung befindlichen Politik eintreten zu Aus dem Bericht geht ferner hervor, daß an Schekelgeldern bis zum 6. Juni d. J. ca. 2600 Dollar bei der Federation, etwa 450 Dollar beim Order Bnai Zion und 350 Dollar bei dem Order Knights of Zion eingegangen waren. Der Jüdische Nationalfonds erfreut sich in den Vereinigten Staaten großer, stets wachsender Popularität. Jm abgelaufenen Jahre gingen beim amerikanischen Nationalfondsbureau ca. 30 000 Dollar für den Nationalfonds, außerdem 7000 Dollar für den dem N.-F. angegliederten Emma Lazarus- Fonds (zur Gründung einer Gartensiedelung für die jemenitischen Juden in Palästina) ein. Für den Zentralfonds gingen bisher ca. 3000 Dollar ein. Die Achusa-Gesellschaften verfügen bereits über ein Kapital von einer halben Million Dollar; 250 Mitglieder der verschiedenen Achusa - Gesellschaften haben den festen Entschluß gefaßt, sich in einigen Jahren, sobald die palästinensischen Pflanzungen Ertrag liefern werden, in Palästina anzusiedeln. Die Federation zählt jetzt im Verein mit den beiden Orden Bnai Zion und Knights of Zion 158 Vereine. Lehr erfreulich ist die Ausbreitung der Bewegung unter der Jugend, auch der weiblichen, die in den Hadassah-Cerdes der Daughters of Zion organisiert ist. Der Bericht bespricht dann eingehend die großen ideellen und materiellen Erfolge der Propaganda-Tournee des Herrn Sokolow und bringt eine ausführliche Darstellung des Projektes zur Gründung einer amerikanischen Palestine-Company, die in einer bedeutsamen Konferenz nach einem Referate des Herrn Sokolow in New York beschlossen wurde. Nachdem die verschiedenen Kommissionen gewählt worden waren, wurde die erste Sitzung geschlossen. Die Nachmittagssitzung des ersten Tages begann mit einem glänzenden Referat von Professor Dr. Horace M. Kal 1 en von der philosophischen Fakultät der Universität Wisconsin, über die Notwendigkeit der Gründung einer hebräischen Universität in Jerusalem. An dieses Referat schloß sich eine lebhafte Aussprache. Die Convention sprach ihre Sympathien für diesen Plan aus und empfahl den amerikanischen Delegierten, auf dem bevorstehen-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.