Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 17 (1913)
- Issue
- 28 (11.7.1913)
- Date
- 1913-07-11
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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Mi. 28 LT 891 Drohungen gegen die Juden In Russisch-Polen P e t r i k a u. In der Ortschaft Pozniewicz im Gouvernement Petrikau ließen vorige Woche die gegen die Juden aufgehetzten Bauern den jüdischen Dorfbewohnern ein „Ultimatum“ zukommen, worin die Juden kategorisch aufgefordert werden, innerhalb einer kurzen Frist das Dorf zu verlassen; sonst würde es ihnen genau so ergehen wie vor einigen Wochen der jüdischen Familie in Pontnew im Gouvernement Kalisch, wo bekanntlich die Bauern des Nachts die Wohnung der jüdischen Familie in Brand steckten und die Unglücklichen im Feuer umkommen ließen. Diese Drohung versetzte die Juden der Ortschaft in einen derartigen Schrecken, daß die meisten von ihnen schleunigst nach Petrikau flohen. Hier wandten sie sich an die Behörden um Schutzmaßnahmen gegen die gefährlichen Drohungen, wurden aber überall glatt abgewiesen. Pontnew macht übrigens auch sonst auf dem flachen Land in Polen Schule. In der Ortschaft Modrejewo wurden vorige Woche sieben polnische Knaben abgefaßt, die ein jüdisches Gebäude in Brand gesteckt hatten. Das Feuer griff dann auch auf die Synagoge über, die versammelten Polen weigerten sich jedoch, an den Löscharbeiten teilzunehmen. Bei ihrer Vernehmung gaben die jugendlichen Brandstifter zu, daß sie durch die antisemitische Boykottagitation zu ihrer Tat veranlaßt worden seien. Pogrom - Panik in Kalisch Warschau. In Kalisch brachen am Sonntag Diebe in die Josephskirche ein und raubten drei Brillantkronen und andere Kostbarkeiten von den Heiligenbildern. Da das Gerücht verbreitet wurde, daß der Einbruch von Juden begangen worden sei, brach unter der Bevölkerung, die einen Pogrom befürchtete, eine Panik aus. Der Polizei gelang es inzwischen, die Diebe beim Verkauf der Steine zu verhaften, und die Ruhe kehrte sofort zurück, als man hörte, daß die Diebe Russen sind. Die jüdischen Diebe werden also im allgemeinen Interesse gebeten, sich ausschließlich an die Synagogen zu halten! Eine bedeutsame Aeußerung des Chief Rabbi (Von unserem Berichterstatter.) London. Der englische Chief Rabbi, der neben dem Erzbischof von Canterbury und dem katholischen Kardinal-Erzbischof von Westminster, den Londoner Kongreß gegen den Mädchenhandel begrüßte, nahm die Gelegenheit wahr, um den Anteil Rußlands an der jüdischen Misere darzulegen. Er wies in flammender Rede darauf hin, wie in St. Petersburg pnd Moskau es Jüdinnen verwehrt ist, am Universitätsstudium teilzunehmen, da sie sich dort nicht aufhalten dürfen. Wohl aber erhalten diese Jüdinnen das Aufenthaltsrecht und damit die Möglichkeit zum Studium, wenn sie sich entschließen, die ,,gelbe Karte“ der Prostituierten zu nehmen. Nicht genug der Schande damit — es ist vorgekommen, daß solche Mädchen nachher trotzdem ausgewiesen wurden, weil sie „nachweislich ihren Beruf nicht ausüben“. Die Rede, die an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig ließ, machte einen ungeheuren Eindruck und wurde wiederholt lebhaft applaudiert. Es ist schwer zu sagen, ob die Kühnheit des Chief Rabbi oder die Freundlichkeit gegen Rußland die Presse dazu bewog, seine Rede nicht vollständig wiederzugeben. Die russischen Delegierten bewogen einen der ■englischen Vorsitzenden des Kongresses eine Erklärung gegen die Behauptung des Chief Rabbi abzugeben, und einer von ihnen schrieb auch einen Brief an die „Times“ in diesem Sinne; aber der Chief Rabbi ließ es sich nicht nehmen, dieses Thema gleichfalls in einem Briefe an diese Zeitung zu beleuchten. Es ist leider selten, daß ein jüdischer Geistlicher bei einer solchen offiziellen Gelegenheit mit so viel Mut und Energie für sein Volk eintritt. Amerikanische Parlamentarier für die Emanzipation der rumänischen Juden New York. In einem Massenmeeting, das hier vor kurzem im Waldorf- Astoria-Saale stattfand, wurde die Bildung eines amerikanischen Komitees für die Emanzipation der rumänischen Juden beschlossen. Auf dem Meeting hielten verschiedene amerikanische Parlamentarier, Richter und sonstige angesehene Männer des öffentlichen Lebens flammende Reden für die Rechte der rumänischen Juden. Die Bildung des Emanzipationskomitees wurde sogleich in die Wege geleitet, und der Speaker des amerikanischen Repräsentantenhauses, Mr. Champ Clark, wurde zum Vorsitzenden gewählt. Dem Komitee gehören ferner Mr. Frank T i 1 f o r d , Mr. Edward Lauterbach und eine Reihe angesehener amerikanischer Politiker an. pIMIlHIiilM Dem jüdischen Volk das den Verhandlungen des XI. Kongresses das lebhafteste Interesse entgegenbringt, wird die tägliche Kongreßausgabe ' der „WELT" einen authentischen und - schnellen Bericht dieser bedeutsamen Tagung bringen. Schon die Tatsache, daß der Kongreß an dem Ort stattfindet, wo Theodor Herzl die Anfänge unserer Organisation schuf und daß die Stadt des XI. Zionisten - Kongresses zugleich g | ein jüdisches Zentrum j | mit einer großen, bewußt jüdischen Befj | völkerung ist, sichert den Verhandlungen 1 | die Teilnahme und das Interesse eines U | großen jüdischen Publikums. Jeder Zionist - | muß es sich daher zur Aufgabe machen, die Wirkung des Kongresses durch die weiteste Verbreitung der Kongreßaus- - 1 gäbe der „WELT" zu verstärken. jg Z Die Kongreb-Ausgabe der „Welt" erscheint während des Kongresses sechs- D mal und kostet bei freier täglicher Zustellung für Deutschland M. 2,40 — W D Österreich-Ungarn Kr. 2.80 — Rußland Rbl. t JO — England sh. 2 10 — Hol- W 3 land Hfl. 1.70 — Vereinigte Staaten Doll. 0.70, für alle übrigen Länder U W Frs. 3.60. Die Abonnenten der .Welt" zahlen die Hälfte. 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