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Die Welt · 1913-07-04 · 27 (4.7.1913) · page 5

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
17 (1913)
Issue
27 (4.7.1913)
Date
1913-07-04
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 27 857 DIE3§KELT in dieser Frage streng ihre freiheitlichen Grundsätze wahrten und sich nicht dazu hergaben, dem Polenklub - auf ^Rechnung der Juden politische Handlangerdienste zu leisten. Die polnischen Volksvertreter bekamen von den Rednern der linken Parteien, namentlich von Herrn Roditschew, der ihre gesamte heuchlerische Politik ins gebührende Licht setzte, recht bittere Wahrheiten zu hören, die ihnen noch lange in die Ohren klingen werden, obgleich der Wortführer des Polenklubs, Herr Garusse witsch, mit saurer Miene erklärte, daß die Polen sich aus der Freuridschaftskündigung der Kadetten nichts machten. Jüdisches Turn- und Sportfest in Wien am 7. und 8. September Wien. Am 7. und 8. September wird die Jüdische Turnerschaft auf dem Sportplatz Hohe Warte ein Jüdisches Turn- und Sportfest veranstalten. Damit wird sich zum drittenmal den Delegierten eines Zionistenkongresses Gelegenheit bieten, den Fortschritt in der Arbeit der national-jüdischen Turner zu beobachten. Nach dem ersten Kongreß-Schauturnen vor den Delegierten des VI. Kongresses (Basel 1903) wurde die jüdische Tumerschaft begründet, so daß die Organisation diesmal in Wien die Feier ihres zehnjährigen Bestehens festlich begehen wird. Die vier Jahre seit dem Hamburger Kongreß und seinem Schauturnen haben der Turnerschaft in erster Linie die Aufnahme und den Ausbau des sportlichen Betriebes in ihren Vereinen gebracht und dieser Fortschritt wird in dem Programm der Wiener Veranstaltung besonders zum Ausdruck kommen. Neben den vielseitigen Uebungen des Turnens werden u. a. alle Zweige der Leichtathletik, Fußball und Fechten zur Vorführung gelangen. In den Kreisen und Vereinen des Verbandes wird mit Eifer für das Fest gerüstet, so daß sich die Veranstaltung zu einer eindrucksvollen Kundgebung der tum- und sportfreudigen jüdischen Jugend gestalten dürfte. Zu den Landtagswahlen in Galizien (Von unserem Berichterstatter.) Lemberg. Am 28. Juni fand eine von den Poale-Zion einberufene jüdische Wählerversammlung in Lemberg statt, in der Dr. Sternberg, Dr. Rosenfeld, Adolf Stand und ein Vertreter der jüdischen Sozialisten gegen die Provokation der jüdischen Bevölkerung des ganzen Landes, die in der Kandidatur Loewensteins liegt, protestierten. Montag beriefen die Zionisten in dem großen Tikwat- Zionsaäl ein Massenmeeting ein. Die Referenten Dr. Leon Reich und Leon W echsler forderten die jüdische Wählerschaft auf, geschlossen gegen die Wahl Loewensteins zu kämpfen. In Drohobycz hat das zionistische Ortskomitee einen eigenen Kandidaten in der Person seines Vorsitzenden Dr. Mauryci R.a.c htmann' aufgestellt. Die Kultusratswahlen in Lemberg Dienstag, am 24. Juni, fanden die Wahlen der Kultusräte des ersten Wahlkörpers statt. Unser Gesinnungsgenosse, Mitglied des A.-C. Dr. Alexander Hausmann, wurde mit 213 Stimmen gewählt. Er ist der zweite Vertreter unserer Organisation in der Leitung dieser bedeutenden jüdischen Gemeinde. Ein Appell amerikanischer Juden an den Deutschen Kaiser N e w Y o r k. Einer hiesigen Reuter-Meldung zufolge hat das American Jewish Emancipation Committee in einem Kabeltelegramm an den Deutschen Kaiser die Bitte ausgesprochen, der Kaiser möchte seinen Einfluß geltend machen, um Rumänien zu bestimmen, seinen jüdischen Bewohnern endlich gemäß § 44 des Berliner Vertrags die vollen Bürgerrechte zu verleihen. Das Telegramm ist u. a. von Mr. Champ Clark und mehreren amerikanischen Senatoren und Abgeordneten unterzeichnet. Ein jüdisches Kunstarchiv Berlin. Ueber die Gründung eines jüdischen Kunstarchivs in Berlin wird uns geschrieben: Die Quellen zur wissenschaftlichen Bearbeitung jüdischer Kunstdenkmäler und der Biographien jüdischer Künstler fließen nur spärlich. Das zahlreich vorhandene Material ist weit zerstreut, oft noch an unbekannten Orten bewahrt, und kommt nur durch Zufall an das Tageslicht. Viele Gemeinden besitzen wertvolle Kunstgegenstände, auch viele Familien bewahren unter den Erbstücken Gegenstände, deren kunst- und kulturgeschichtlicher Wert ihnen nicht zur Genüge bekannt ist. An verschiedenen Orten bestehen bereits öffentliche Sammlungen von Kultusgeräten, Münzen, Handschriften und interessanten Drucken. Was aber das Erfordernis einer wissenschaftlichen Bearbeitung aller dieser Dinge ist, die archivalische Kenntnis, d. h. die sachgemäße Notierung und Vergleichung, fehlt noch vollkommen. Was von den jüdischen Kunstaltertümem zu sagen und zu beklagen ist, gilt auch von der Kenntnis der jüdischen Künstler unserer Zeit. Der häufig gemachte Einspruch, daß die Juden als Künstler nur mäßig begabt und nichts Ursprüngliches zu leisten imstande seien, ist durch das tatsächliche Material bereits als irrtümlich nachgewiesen. Der bekannte Kunsthistoriker Herr Karl Schwarz hat es sich zur besonderen Aufgabe gemacht, die jüdischen Kunstdenkmäler und die Werke der jüdischen Künstler zu studieren und hat auf Grund des von ihm bereits seit Jahren gesammelten Materials ein jüdisches Kunstarchiv gegründet, dessen Zweck es ist, alle einschlägigen Dokumente und Nachrichten (auch photographisches Material) an einer Zentralstelle zu sammeln und zu erschließen. Das Jüdische Kunstarchiv steht in Verbindung mit dem Gesamtarchiv der deutschen Juden zu Berlin N 24, Oranienburger Straße 28. Durch diese Verbindung mit einem öffentlich anerkannten Institut ist die ordnungsgemäße Verwaltung und die Sicherstellung des Materials für alle Zeiten gewährleistet. Das Archiv enthält auch eine Lichtbilderzentrale, die für Vorträge über jüdische Kunst und jüdische Künstler geeignetes Material beschaffen wilL Das Jüdische Kunstarchiv wendet sich i einem Aufruf an alle Kreise, in erster Linie an unsere jüdischen Künstler, mit der Bitte um Ueberlassung recht zahlreichen Materials. Nähere Auskunft über das Jüdische Kunstarchiv, sowie die Statuten, sind durch das Gesamtarchiv der deutschen Juden zu erhalten. Zur Gründung des Jüdischen Kunstarchivs schreibt uns ferner unser bekannter Gesinnungsgenosse Herr Hermann Struck: Ich möchte mir erlauben, diese neue Gründung allen Interessenten auf das angelegentlichste zu empfehlen. Es ist ein streng wissenschaftliches Unternehmen, das ohne jeden materiellen Nebenzweck nur dem einen Ziel dient, alles erreichbare Material über jüdische Kunstdenkmäler und die Werke jüdischer Künstler zu sammeln und zu bearbeiten. Eine große Anzahl jüdischer Künstler hat bereits ihr Interesse für das Kunstarchiv betätigt, und ich bin Qst überzeugt, daß auch jeder Kunstsammler und die an Judentum und Kunst interessierten Behörden es mit Mitteilungen und Einsenden von Material fördern werden. Der Begründer und Leiter dieses Kunstarchivs, Herr Kunsthistoriker Karl Schwarz, ist seit Jahren als eifriger und zuverlässiger Forscher auf

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