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Die Welt · 1913-06-27 · 26 (27.6.1913) · page 10

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
17 (1913)
Issue
26 (27.6.1913)
Date
1913-06-27
Page
– (sequence 10)
Language
German
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830 Nr. 26 DIEffiELT Jaffa, 8. Juni. Welches große Interesse die hiesige jüdische Bevölkerung der Musik entgegenbringt, geht daraus hervor, daß die hiesige Musikschule — wohl die erste im Orient —, die vor drei Jahren von Frau Sulamith R u p p i n begründet wurde, bereits ca. 100 Schüler und Schülerinnen zählt und das Schulgeld ca. 10 000 Fr cs. beträgt. Die Verwaltung des Stadtviertels Tel-Awiw hat eigens für die Zwecke der Musikschule ein geeignetes Gebäude errichtet und es der Anstalt gegen mäßige Miete zur Verfügung gestellt. Es ist bekannt, daß sich Herr Rabbinersohn in Kiew in besonders großherziger Weise der jüdischen Musikschulen in Jaffa und Jerusalem annimmt. Da aber diese Anstalten bestrebt sind, hervorragende europäische Kräfte heranzuziehen, ergibt sich trotz der wachsenden Einnahmen noch immer ein beträchtliches Defizit. Hauptsächlich um dieses zu beseitigen, bildete sich in letzter Zeit eine „Jüdisch-musikalische Gesellschaft“ zur Förderung der musikalischen Bestrebungen in Palästina, der bereits etwa 70 Mitglieder angehören. Dem Vorstand gehören an die Herren: Berlin, Diesengoff, Hopenko, Kaplansky, Ruppin, Schalit und T u r o f f. Am 7. Juni veranstaltete die Gesellschaft den ersten musikalischen Abend, der mit einem hebräischen Vortrag über Beethoven von Herrn Schalit eingeleitet wurde. Es folgte Beethovens fünfte Symphonie (C-moll), durch die Damen L e w i t und M u c h r i k meisterhaft zu Gehör gebracht. Herr Hopenko gab dann ein Violinkonzert, das ihn wieder auf der Höhe seines Könnens zeigte. Es folgten noch Darbietungen der Damen W a 1 d s t e i n und L e w i t. Der Gouverneur von Jerusalem, der hiesige K a i m a k a m und andere arabische Notabein waren während des ganzen Abends anwesend. Haifa, 8. Juni. Dieser Tage ist hier der Emir Schah ib Arselan, der zu den hervorragendsten arabischen Schriftstellern gehört, eingetroffen. Er gehörte früher zu den heftigsten Gegnern der jüdischen Palästina-Kolonisation, die er nur aus der feindseligen und verhetzten syrischen Presse kannte. Auf einer Reise durch Palästina jedoch, wo er Gelegenheit hatte, sich durch Augenschein von der großen Bedeutung des zionistischen Kulturwerkes zu überzeugen, erklärte er offen, daß seine frühere Gegnerschaft auf ungenügender Information beruhte. Infolgedessen wird er jetzt heftig von dem „Karmel“ in Haifa, der seine Hetzarbeit wieder aufgenommen hat, angegriffen. Demgegenüber fragt der jetzt hier erscheinende „Il-Nafir“, ob denn Palästina so reich an finanziellen Hilfsmitteln und an fleißigen, intelligenten und unternehmenden Menschen sei, daß man ohne weiteres auf die Mitarbeit der Zionisten verzichten könnte? Tiberias, 8. Juni. Hier sind Bestrebungen im Gange, den früheren Chachambaschi Abulafia, der vor einigen Monaten infolge der Intrigen gewisser Elemente demissionierte, wieder zur Uebernahme dieses wichtigen Amtes zu bewegen. Auch diejenigen Kreise, die früher gleichgültig den Gemeindeangelegenheiten gegenüberstanden, versprechen jetzt ihre Mitarbeit. — Chacham Abulafia gehört zu den sympathischsten Persönlichkeiten unserer Stadt. Da er wohlhabend ist, hat er früher das Amt des Chachambaschi unentgeltlich bekleidet. Die definitive Regelung dieser Angelegenheit wird durch Rabbiner S c h a k i aus Konstantinopel, der hier demnächst eintreffen wird, erfolgen. (Bekanntlich war es ein Chacham Abulafia, der vor einigen Jahrhunderten den jüdischen Jischub in Tiberias wieder begründete.) S a f e d , 8. Juni. Dem „Hapoel Haza’ir“ wird berichtet: Das hiesige Spitzenatelier, welches vor einem halben Jahre begründet wurde, zählt jetzt 60 Schülerinnen, darunter ca. 20, die auf diese Weise der Mission entzogen wurden. Dieser letztere Umstand verdient um so mehr gewürdigt zu werden, als es hier Mädchen gibt, die von Kindheit an bis zu ihrem 20. Lebensjahr in der Missionsschule erzogen werden und der Taufe bedenklich nahe gebracht werden. Betrachtet man nun diese armen sephardischen Mädchen, die jetzt im Spitzenatelier emsig arbeiten, wobei sie auch gute Gelegenheit haben, Hebräisch, jüdische Geschichte und andere Gegenstände des allgemeinen Wissens zu erlernen, so sieht man erst, von welchem Segen dieses Institut hier ist. Freilich: wenn das Atelier über ein größeres Budget verfügte, so könnte es die Zahl der aufzunehmenden Mädchen vergrößern. Hier gibt es seit langem eine Art Hausindustrie für Frauen, die in Verfertigung einer gewissen Kopfbedeckung der Männer besteht. Die Frauen verdienen bei dieser Arbeit, die sie nach Erledigung der häuslichen Arbeit verrichten, höchstens einen Franken wöchentlich. Wie würden sie sich freuen, wenn sie durch Verfertigung von Spitzen 20—30 Frcs. monatlich verdienen könnten. Es wäre zu wünschen, daß man diesen Frauen vom Atelier aus Heimarbeit gebe. Die in dem benachbarten Dorfe Miron, der Grabstätte des R. Schim’on bar Jochai, übliche Feier am Lag Bao m e r hat auch in diesem Jahre zahlreiche Gäste aus Palästina und anderen Ländern angelockt. Besonders fiel die starke Beteiligung der bucharischen Juden auf, die zu Pessach nach Jerusalem fahren und erst nach Abhaltung der hiesigen Feier in ihre Heimat zurückkehren. Hebron, 8. Juni. Am Lag Baomer (25. Mai) wurde hier in Anwesenheit des Kaimakams sowie zahlreicher Notabein aus den jüdischen und arabischen Kreisen der Stadt und ihrer Umgebung das neue Bankgebäude unserer Anglo-Palestine Company von Herrn S. H o o f i e n - Jaffa eröffnet. Das neue Gebäude, das sich im geschäftlichen Mittelpunkte der Stadt befindet, macht dort, inmitten der altorientalischen Umgebung, mit seiner europäischen und sauberen Einrichtung einen ausgezeichneten Eindruck. An diesem Lag Baomer waren es genau sechs Jahre, daß die A. P. C. ihre Tätigkeit in Hebron aufgenommen hat. Wenn sie nun auch die wirtschaftliche Position der hiesigen jüdischen Bevölkerung in hohem Maße gestärkt und dadurch auch das Ansehen des jüdischen Elementes gehoben hat, so kann dies doch nur als ein verheißungsvoller Anfang angesehen werden. In Südpalästina stehen nämlich dem jüdischen Kolonisationswerk noch große Aufgaben bevor. Die Umgebung von Hebron kommt besonders für diejenigen Pflanzungsgesellschaften in Betracht, die wegen der Knappheit ihrer Geldmittel auf billigen und fruchtbaren Boden reflektieren. In dieser Beziehung bietet Südpalästina kolonisatorische Möglichkeiten, die beachtet werden sollten. Auch für die städtische Siedelung bietet Hebron, das den Mittelpunkt eines bevölkerten Distrikts bildet, ein weites Arbeitsfeld. R a m I e h , 8. Juni. Herr Ephraim Deinard, ein bekannter jüdischer Gelehrter und Palästinafreund, der in diesem Jahre von Amerika nach Palästina übersiedelte, hat vor kurzem in der Nähe der Bahnstation Ramleh ein städtisches Terrain erworben und setzt sich jetzt dafür ein, die hiesige jüdische Siedelung zu vergrößern. An ähnlichen Bestrebungen hat es allerdings auch früher nicht gefehlt, doch vermißte man stets energische und kapitalkräftige Leute, die diese Bestrebungen nachdrücklich gefördert hätten. Da der kleinen Jüdischen Gemeinde eine Schule fehlte, zogen manche jüdische Familien, die sich vor Jahren hier niedergelassen hatten, nach Jaffa. Sollte es Herrn Deinard gelingen, hier den Grundstein zu einer größeren städtischen Siedelung zu legen, so würde er sich um die jüdische Kolonisation ein großes Verdienst erwerben. Denn Ramleh hat ein vorzügliches Klima, eine Bevölkerung von ca. 10 000 Seelen und könnte ein geeignetes städtisches Zentrum für die jüdischen landwirtschaftlichen Kolonien Rechoboth, Gederah, B’er-Jakob, Ben- Schemen usw. bilden. Wie Herr Deinard versichert, könnten dort jüdische Schlosser, Tischler, Schuhmacher, Uhrmacher und

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