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Die Welt · 1913-06-27 · 26 (27.6.1913) · page 9

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Journal
Die Welt
Volume
17 (1913)
Issue
26 (27.6.1913)
Date
1913-06-27
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Nr. 26 die^elt Kapitalien erfordernd, meist aus. Von den nichtbewässerbaren Kulturen dominiert der Mandelbaum, der bereits jetzt in unseren Kolonien auf relativ großen Flächen angepflanzt ist. Seine Vorzüge sind: erstens verhältnismäßig geringes Anlagekapital (Boden samt Pflege bis zur Fruchttragung ca. 150 Frcs. pro Dunam); zweitens, daß er schon im fünften Jahre nach der Anpflanzung Frucht zu tragen beginnt; drittens unbegrenzte Haltbarkeit der Früchte (im Gegensatz zu Orangen, Trauben usw.), so daß ein günstiger Markt abgewartet werden kann. Vor fünf Jahren pflegte man in Palästina für ein Rottel Mandeln (d. h. 2,88 kg) 2 Frcs. zu zahlen und selbst dieser Preis galt als ein günstiger. (In der von der P. L. D. C. herausgegebenen Broschüre „Die Anlage von Pflanzungen in Palästina“ wird für 40 kg Mandeln ein Preis von 32 Frcs. angesetzt.) In diesem Jahre zahlt man den Kolonisten im voraus 3 Frcs. und mehr pro Rottel. Freilich fehlt es auch nicht an warnenden Stimmen, welche behaupten, daß diese günstigen Preise nur solange anhalten werden, als der ägyptische Markt nicht überfüllt ist. Andere hingegen meinen, .daß auch dann noch die Mandelkultur lohnend sein wird. Es wäre zu wünschen, daß sich die verschiedenen Achusah- Gruppen zu einem Verbände organisierten, der seinen Zwecken entsprechende Versuchsfelder einrichten und die ihn besonders beschäftigenden Fragen (z. B.: Welche Sorten haben die besten Chancen auch auf dem europäischen Markt?) studieren sollte. Der nächste Zionistenkongreß wird wohl eine gute Gelegenheit zur Schaffung eines solchen Verbandes bieten. In zweiter Reihe käme der Oelbaum in Betracht. Er erfordert allerdings mehr Jahre bis zur Fruchttragung als der Mandelbaum, auch sind bei ihm schlechte Ernten häufig, dafür aber entschädigt er durch ein außerordentlich hohes Alter und durch den Umstand, daß seine Produkte fast einen unbeschränkten Absatz zu sehr lohnenden Preisen finden. Ueberdies glauben manche Fachleute, daß es gelingen könnte, die Ernten dauernd zu heben. (Wieder eine lohnende Aufgabe für praktische Versuchsfelder, wie sie oben angeregt wurden.) In neuerer Zeit wird auch der Kultur des Rizinusb a u m e s mehr Aufmerksamkeit zugewandt, was ebenfalls noch praktisch erprobt werden müßte. In Pethach-Tikwah hält man auch die Anlage von Eukalyptus-Pflanzungen für sehr rentabel. So teilt der dortige Agronom Pascal über seine Pflanzung von Eukalypten folgende Daten mit: Die Anlage von 50 Dunam kostete ca. 1000 Frcs. In den folgenden drei Jahren betrugen die Unterhaltungskosten jährlich ca. 300 Francs. Im fünften Jahre erhielt er für aus dieser Anlage gefälltes Holz (zur Verwendung für Zäune und Stützen für junge Fruchtbäume) 2600 Frcs.! Zu bedenken ist ferner, daß der Eukalyptus bezüglich der Bodenqualität gar nicht wählerisch ist und daß man nach den ersten vier Jahren fast gar keine Unterhaltungsunkosten mehr hat. In der Tat scheint der Eukalyptus selbst bei Verwendung für Heizungszwecke noch sehr lohnend zu sein, und in Pethach-Tikwah und seinen Tochterkolonien wird er auch sehr viel angepflanzt. Für Pflanzungsgesellschaften ist es aber schon deshalb empfehlenswert, einen beträchtlichen Teil des Bodens mit Eukalypten zu bepflanzen, weil diese am wenigsten Schwierigkeiten bieten und dadurch eine größere Mannigfaltigkeit in die Anlage kommt, die aus ökonomischen Gründen sehr wünschenswert ist. Auch hier müßten noch die verschiedenen Arten erforscht werden. Alles in allem kaiyi man den Pflanzungsgesellschaften getrost eine große Zukunft Voraussagen. Ein Risiko scheint ausgeschlossen, da es sich um Produkte handelt, die ihren sicheren Markt haben. Wenn das eine oder andere Mitglied nachher aus irgendwelchen Gründen nicht nach Palästina wird übersiedeln können oder wollen, so wird es ihm stets möglich sein, seine Anlage durch eine Vertrauenspersom zu verwalten oder auch zu veräußern. Denn an Käufern für bereits fruchttragende Plantagen wird es wohl nie fehlen. Ja, es können auch von vornherein solche Pflanzungsgesellschaften begründet werden, deren Mitglieder in absehbarer Zeit kaum übersiedeln können, die aber einen Teil ihres Vermögens in Palästina - 829 anlegen wollen. Auch in diesem Falle könnten sie bei Beschäftigung jüdischer Arbeiter der Kolonisation großen Nutzen bringen. Man darf auch die Hoffnung hegen, daß mit der Zeit jüdische Gemeinden und Gesellschaften ihre Fonds in Palästina in gewinnbringenden Pflanzungen anlegen werden. Wenn beispielsweise der griechische Religionsfonds, wie es heißt, bloß in und um Jerusalem ca. 30 Millionen Francs investiert hat, — warum sollten jüdische Gemeinden nicht ein gleiches tun? Nebenbei bemerkt: Der genannte griechische Fonds hat in Jerusalem wahrlich keine schlechten Geschäfte gemacht . . . Ein kleiner Anfang ist auch in dieser Richtung schon gemacht worden: die Baronin Cohn - Oppenheim - Stiftung in Dessau hat bekanntlich eine Pflanzung in K i n e r e t h angelegt. Soeben kommt die Nachricht, daß die zionistische Föderation in Südafrika einen Fonds von 100 000 Frcs. aufbringen und, auf Anregung des Herrn Israeli-Kretschm a r, ihn in Palästina in einer Plantage anlegen will. Wenn diese Tendenz weiter um sich greifen wird, so wird sie eine wichtige Ergänzung der privaten Pflanzungsgesellschaften sein. Auf eines müssen noch die Pflanzungsgesellschaften aufmerksam gemacht werden. Nach dem jetzigen System werden für ein Mitglied durchschnittlich 70—100 Dunam mit unbewässerbaren Kulturen bepflanzt. Der Ertrag einer solchen Anlage reicht wohl hin für den Lebensunterhalt einer Familie. Hingegen werden die Mitglieder bei ihrer Uebersiedlung noch ca. 4—5000 Frcs. für den Bau eines Häuschens, zur Haltung einiger Kühe usw., mitbringen müssen. Die Inanspruchnahme eines Kredits für den Hausbau hat den Nachteil, daß die jährlichen Rückzahlungen oft drückend auf eine kleine Wirtschaft wirken. Wenn aber in nächster Zukunft die eigentliche Pflanzungsarbeit von Privatgesellschaften geleistet werden wird, dann wird der N.-F. seine Mittel für die wichtigste seiner Aufgaben wieder frei bekommen: für den Erwerb und die Nationalisierung des Grund und Bodens in Palästina. Aus den Städten Jerusalem, 8. Juni. In letzter Zeit häufen sich wieder die Krankheitsfälle. Malaria herrscht vor, aber auch Typhus ist nicht selten. Da nun das Jaffaer jüdische Krankenhaus wieder einmal aus Mangel an Mitteln geschlossen ist, so werden alle Schwerkranken von ganz Judäa hierher gebracht, was eine Ueberfüllung der Krankenhäuser zur Folge hat. Freilich gibt es hier ein Krankenhaus, welches nie voll wird. Das ist das Hospital „Schaare Zedek", das seinen Vorstand in Frankfurt a. M. hat. Dieses Hospital, welches durch seine moderne Einrichtung, seine peinliche Sauberkeit und seine Aufmerksamkeit für die Bedürfnisse der Kranken als mustergültig angesehen werden kann, ist für mehr als 60 Betten eingerichtet, kann aber aus Mangel an Mitteln, wie behauptet wird, nicht mehr als 30 arme Kranke aufnehmen. Die übrigen 30 Betten bleiben unbenützt, — zu einer Zeit, wo in andern Hospitälern mitunter auch auf den Korridoren auf improvisierten Betten Schwerkranke untergebracht werden. Solche Zustände beweisen die unbedingte Notwendigkeit, das Krankenhäuserwesen in Palästina einheitlich zu organisieren. Dies ist eine Aufgabe, die alle Freunde Palästinas in Europa und Amerika ohne Unterschied der Parteirichtung zu gemeinsamem Tun vereinen sollte. Welche Unsummen könnten schon dadurch erspart werden, daß nicht jedes Krankenhaus auf eigene Rechnung seine Sendboten in aller Herren Länder zur Sammlung von Spenden schicken würde. Wenn eine Gesamtorganisation für alle jüdischen Hospitäler Palästinas existierte, so würde ihr sicherlich kein irgendwie vermögender Jude seinen Beitrag versagen. Es wäre wünschenswert, wenn auf dem nächsten Zionistenkongreß diese Frage zur Sprache käme.

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