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Die Welt · 1913-06-27 · 26 (27.6.1913) · page 8

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
17 (1913)
Issue
26 (27.6.1913)
Date
1913-06-27
Page
– (sequence 8)
Language
German
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828 Nr. 26 „Laßt uns in Ruhe,“ rief so ein gelockter Jüngling aus, „was wollt Ihr von uns mit euren „Fragen“. Es sind alte, überholte Dinge. Wir, die neue Jugend, sind ganz anders geartet. Wir wollen leben usw. . . .“ „Stumpfsinn, Stumpfsinn ist mein Vergnügen“, wie es im alten Burschenliede heißt. Natürlich, von Diskussionen, Rededuellen, Ideengefechten kann da nicht mehr die Rede sein. Alle alten Werte sind zerbrochen und entwertet — und die neuen sind wertlos. Was wird aus dieser Jugend werden? Was wird diese neue Generation leisten? Das ist eine bange, schwere Frage. P. Gitelson. PALÄSTINA-RUNDSCHAU U M J =====___ _ (Von unserem Berichterstatter.). Pflanzungsgesellschaften Ahron Eisenberg, der Begründer und Vorsitzende der von der türkischen Behörde legalisierten palästinischen Pflanzungsgesellschaft „Agudath N’taim“, hat vor einer Zuhörerschaft von mehreren tausenden Personen die „Chagigah“, das alljährlich am Peßach stattfindende Volksfest in Rechoboth, eine Vorübung für die Zukunft genannt. Eisenberg sah im Geiste das altjüdische, nunmehr fast zwei Jahrtausende unterbrochene Fest der Oie Regel, der Wallfahrer, wieder auferstehen, unzählige tausende Juden an den hohen nationalen Festtagen nach Jerusalem pilgern, wo sie die Straßen und die Versammlungsorte mit Jubel und Gesang erfüllen. In ähnlichem Sinne kann man auf verschiedenen anderen Gebieten unserer palästinischen Tätigkeit von Keimen und Ansätzen zu einer größeren Zukunft sprechen. Wir sammeln für den Jüdischen Nationalfonds Pfennig um Pfennig und sind stolz darauf, daß bald die Zeit kommt, in der die Jahreseinnahmen dieses unseres Volksschatzes voraussichtlich eine Million und mehr betragen werden. Will man aber auch die in Zukunft zu erwartenden größeren Einnahmen an dem Bedarf messen, der sich aus unseren kolonisatorischen Aufgaben gebieterisch ergibt, so mag es genügen, daran zu erinnern, daß die eine Kolonie Pethach-Tikwah allein einen Wert von mehr als 10 Millionen Francs repräsentiert. (Die Lokalpatrioten dieser Kolonie werden wegen dieser niedrigen Schätzung sicherlich empört sein.) Nun ergibt eine einfache Multiplikation, daß hundert Siedlungen wie Pethach-Tikwah einem Kapital von einer Milliarde gleichkämen. Die Anlage von hundert solcher Siedlungen würde aber erst die Verwirklichung eines kolonisatorischen Minimalprogrammes bedeuten. Sie würden eine Bevölkerung von annähernd dreiviertel Million Seelen ernähren können. Es leuchtet in der Tat ein, daß, wenn Palästina jener wirtschaftlichen Entwicklung entgegengeführt werden soll, die nicht bloß die Hebung der jetzt lebenden Bevölkerung, sondern auch die Aufnahme neuer Volksmassen ermöglichen soll, wir für diese großzügige Kulturarbeit nicht bloß immense geistige und sittliche Kräfte, nicht bloß technische Hilfsmittel aller Art, sondern auch unvergleichlich größere Kapitalien werden in Anspruch nehmen müssen, als sie unserem Kolonisationswerk jetzt zur Verfügung stehen. Wird das jüdische Großkapital diese Aufgabe erfüllen? Vielleicht bei künftigen industriellen Unternehmungen größeren Stils oder auch beim Aufbau der künftigen Städte und neuen Stadtviertel. Schwerlich aber auf rein landwirtschaftlichem Gebiete. In Palästina scheint überhaupt der größte Teil des Landes für die Entstehung eines Großgrundbesitzes wenig geeignet zu sein. Außerdem liegt es ja ganz und gar nicht in unserem Interesse, hier jüdische Latifundien zu schaffen. Es ergibt sich also ohne weiteres, daß wir eine Entwicklung der jüdischen Landwirtschaft in Palästina nur vom jüdischen Mittelstand und den „kleinen Leuten“ zu erhoffen haben. Wäre nun der Boden Palästinas gleich dem von Ost-, Nord- und Mitteleuropa in der Hauptsache bloß für Getreidebau geeignet, so wären die Chancen für eine starke Heranziehung des jüdischen Mittelstandes äußerst gering. Denn es gibt heute in allen Ländern insgesamt etwa 12 000 jüdische Familien, die die Landwirtschaft als ihren ausschließlichen Beruf betreiben. (Ruppin, Die Juden der Gegenwart, 2. Auflage, S. 251.) Der jüdische Kaufmann aber, der sein wirtschaftliches Fortkommen auf dem ihm vertrauten Gebiete des Handels schlecht und recht findet, fürchtet naturgemäß, sich einem schwierigen und ihm gänzlich fernliegenden Berufe zuzuwenden, wie es der Getreidebau ist, zumal dieser in Palästina wenig einträglich erscheint und obendrein von der Regierung durch die Erhebung des Oschers stark schikaniert wird. Wie aber steht es mit dem Pflanzungsbau? Ruppin sagt: „G anz anders aber steht es, wenn dem Juden die Rückkehr zur Landwirtschaft unter dem Bilde eines leichten Berufes und einer sicheren Existenz erscheinen würde. Das wäre der Fall, wenn der Jude nicht alsAckerbauer,sondernalsPlantagenbesitzer seinen Einzug in die Landwirtschaft hielte. Die Plantagenkultur, für welche insbesondere Palästina sehr geeignet ist, verlangt weder harte Arbeit, noch besondere landwirtschaftliche Kenntnisse, sobald die Plantage erst Frucht gibt.“ (S. 255.) Ruppin führt weiter aus, daß die Juden als Plantagenbesitzer sich vorzüglich bewähren („In Palästina sind die jüdischen Pflanzungskolonien technisch sogar den deutschen Kolonien überlegen“) und daß die Söhne der Pflanzungsbesitzer, die bereits in einem landwirtschaftlichen Milieu leben, sich auch in den eigentlichen Getreidebau gut einleben. „Dieser Söhne wegen müssen die Väter zum Erwerbe von Pflanzungen veranlaßt werden.“ Als Dr. A. Ruppin vor vier Jahren diese Worte niederschrieb, war dies noch reine Theorie. Heute, nach kaum vier Jahren, läßt sich bereits auf eine Strömung hin weisen, die Ruppins Auffassung bekräftigt. Ich meine hier in erster Reihe die „Achusah“-Gesellschaften, von denen es jetzt in Amerika allein sieben gibt und die auch außerhalb Amerikas immer mehr Eingang finden. Ueber die amerikanischen Gesellschaften hat erst kürzlich Adolf L ö w y aus Chicago in Nr. 21 der „Welt“ einen instruktiven Artikel geschrieben. Er erzählt: „Es ist nicht selten, daß bei einem Meeting einer Achusah- Gruppe von 70 Personen 2500 bis 3000 Dollar eingezahlt werden. Viele Mitglieder zahlen ihre Raten Monate im voraus, säumige Zahler sind dagegen selten. Nirgends auf der Welt wird mit größerer Begeisterung gezahlt.“ Will man die finanzielle Tragweite dieser Strömung einschätzen, so genügt es, sich zu vergegenwärtigen, daß eine solche Achusah-Gruppe von 70 Mitgliedern im Verlaufe weniger Jahre noch vor der Uebersiedlung ihrer Mitglieder nach Palästina hier ca. 500 000 Francs investieren dürfte, — also fast ebensoviel, als jetzt der N.-F. in einem Jahre in Palästina zu investieren in der Lage ist. Und dabei sind die Mitglieder einer solchen Gruppe in der Regel nicht einmal reich, sondern meist tüchtige Arbeiter, w o r k m e n , die in Amerika arbeiten gelernt haben. — Bei der großen Bedeutung, die der Achusah-Bewegung zukommt, ist es notwendig, auch auf die Kulturen einzugehen, die für diese Gesellschaften in Betracht kommen. Alle bewässerbaren Kulturen scheiden, weil kostspielig und große

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