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Die Welt · 1913-06-27 · 26 (27.6.1913) · page 4

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
17 (1913)
Issue
26 (27.6.1913)
Date
1913-06-27
Page
– (sequence 4)
Language
German
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824 DIESqKELT Nr. 26 Die Ito und Angola (Von unserem Berichterstatter.) London. Dieser Tage ist der Bericht der Kommission, die von der Jewish Territorial Organisation nach Angola zur Untersuchung eines geeigneten Landstrichs in dieser portugiesischen Besitzung entsandt worden war, erschienen. Führer der Kommission war Dr. Gregory, Professor der Geologie an der Universität Glasgow (der auch an der Tripolis-Expedition teilnahm), sowie der bekannte Afrikaforscher Sir Harry H. J ohnston, der, wenn ich nicht irre, gegen das Anerbieten von Uganda vom englischen Standpunkte seinerzeit entschieden portestierte. Sir Harry Johnston, der sich selbst als einer der besten Kenner Angolas bezeichnet, sowie ein anderes Mitglied der Kommission, Mr. H. W. N e v n i s o n , ein hervorragender Publizist, haben sich ohne Umschweife gegen die Möglichkeit einer jüdischen Kolonisation in Angola ausgesprochen. Prof. Gregory, der sich mehr mit der Beschaffenheit des Landes als mit menschlichen Imponderabilien beschäftigt, meint, daß gewisse Möglichkeiten nicht ganz ausgeschlossen wären, europäische Kolonien in einem gewissen Teile des Landes zu gründen. Aber Mr. Zangwill selbst, der eine historisch-politische Einleitung zu dem Bericht geschrieben hat, erkennt die unüberwindlichen Schwierigkeiten, die einer jüdischen Großkolonisation in Angola im Wege stehen, vollständig an. Es ist nicht nur der Umstand, daß das Land keinen zusammenhängenden Gebietskomplex aufweisen kann, sondern daß die portugiesische Regierung gar keine besondere Lust zeigt, den Juden irgendwelche nationalautonome Rechte einzuräumen. Es ist ja mit der portugiesischen Humanität auch gar nicht weit her. Als der Ito-Kongreß in Wien voriges Jahr sich einige Einwendungen gegen das Angolaprojekt erlaubte, erklärte Senator R o q u e in einer öffentlichen Rede, daß die Juden niemals in Angola die verlorene Herrlichkeit Zions wiederherstellen würden. Daß Mr. Zangwill dessenungeachtet scheinbar noch nicht alle Hoffnung aufgegeben hat und das Urteil seiner geographischen Kommission abwarten will, gewährt uns einen Einblick in die Hoffnungslosigkeit seiner langwierigen Landsuche. Die Marconidebatte im Parlament Es ist bezeichnend für die Vornehmheit der englischen Gesinnung, daß in der Marconidebatte im Parlament kein Wort fiel, daß irgendwie antisemitisch angehaucht war. Man darf aber daraus keine falschen Schlüsse ziehen. Denn kein Geringerer als Mr. A s q u i t h selbst erklärte, daß in dieser Sache religiöse und Rassen-Momente mitgespielt haben. Auch ist noch in aller Gedächtnis, wie sich gerade Mr. Lloyd George in Mr. Asquiths Anwesenheit einen Angriff auf Lord Rothschild als einen nicht vollwertigen Briten erlaubte. Jedenfalls hat die unselige Marconi-Affäre eine Atmosphäre geschaffen, die der antisemitischen Agitation gewisser Kreise sehr günstig ist. Das englische Foreign Office und Rumänien Die Bemühungen des Vereinigten Komitees der Anglo- Jewish Association und des Board of Deputies, den Juden in dem bulgarischen Landstriche, der an Rumänien abgetreten werden soll, ihre politischen und bürgerlichen Rechte zu wahren, sind durch einen Brief des rumänischen Gesandten an Sir Edward Gre y, der die erwünschten Zusicherungen enthielt, belohnt worden. In dem Briefe, den Grey an das Komitee in dieser Sache gerichtet hat, heißt es, er habe dem Gesandten mitgeteilt, daß er diese Zusicherungen zur Kenntnis nehme. Georges Clömenceau über die Rechtsstellung der rumänischen Juden (Von unserem Berichterstatter.) Paris. Der Appell des ehemaligen italienischen Ministerpräsidenten Luigi Luzzatti zugunsten der rumänischen Juden hat auch in Frankreich ein lautes und bedeutsames Echo gefunden. Der frühere Ministerpräsident Georges Clemenceau veröffentlicht in Nr. 43 des „L’Homme Libre“ einen Leitartikel „Les Juifs en Roumanie“, in dem er gegen die Rechtsbeugung Rumäniens den Juden gegenüber energisch Stellung nimmt. Herr Clemenceau gibt zunächst eine aktenmäßige Darstellung der Verhandlungen auf und nach dem Berliner Kongreß betreffs der Unabhängigkeitserklärung Rumäniens. Er weist darauf hin, daß der französische Minister des Aeußeren Frey einet in einem Rundschreiben vom 16. August 1880 betonte, die Maßnahmen der rumänischen Regierung zur Ausführung des Art. 44 des Berliner Vertrages seien ganz unzulänglich. Allein trotz dieser und anderer Vorstellungen habe sich der neue Staat geweigert, die eingegangenen Verpflichtungen zu erfüllen. Herr Clemenceau schließt seinen Artikel mit einer Aufforderung an den gegenwärtigen französischen Minister des Aeußeren, diese „jämmerliche Frage“ wieder aufzugreifen, wie es sein Vorgänger Frey einet getan habe. Das Eintreten Clemenceaus für die Juden Rumäniens hat in der Presse große Beachtung gefunden. Aufgabe der französischen Juden wäre es, durch ein geschlossenes, energisches Vorgehen die im Artikel geforderte Intervention des französischen Ministeriums hervorzurufen. Herr Klotz, der jüdische Minister des Innern, hat allerdings die Blättermeldungen, die ihm Schritte zugunsten seiner rumänischen Stammesgenossen zuschrieben, schleunigst und energisch dementieren Die französische Kammer über die Entschädigungs-Ansprüche der Juden in Fez Bekanntlich warten die Juden in Fez schon über ein Jahr auf die Entschädigung für die Einäscherung und Plünderung des Judenviertels, wobei sie bekanntlich auch den Verlust mehrerer Menschenleben zu beklagen hatten. Der Machsen hatte hierfür die Summe von 10 Millionen Frs. vorgesehen, die aus der projektierten größeren Anleihe bestritten werden sollte. Die Kammerkommission, in der dieser Tage das Anleiheprojekt geprüft wurde, erklärte, daß die Forderungen der Juden übertrieben seien. Auch die Eingeborenen hätten großen Schaden erlitten und müßten aus der Entschädigungssumme bedacht werden, nicht nur die Juden allein. Außerdem setzte die Kommission den Gesamtbetrag der Entschädigung auf 4 Millionen Frs. herab. Den Juden in Fez wird also nach langem Warten eine Enttäuschung beschießen sein. Oberrabbiner Dr. Margulies über den Zionismus (Von unserem Berichterstatter.) Der Florentiner Oberrabbiner und Direktor des italienischen Rabbinerseminars, dessen Verdienste um die Neubelebung des italienischen Judentums, um die Förderung der jüdischen Wissenschaft und zahlreicher gemeinnütziger jüdischer Bestrebungen bekannt sind und auch in der „Welt“ wiederholt gewürdigt wurden, hielt am Schabuothfeste in der hiesigen Hauptsynagoge eine ganz von zionistischem Geist beseelte Predigt, die es verdient, hier auszugsweise wiedergegeben zu werden. Das Thema der Predigt lautete: „Ist das Judentum ein Volk oder bloß eine

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