Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 17 (1913)
- Issue
- 25 (20.6.1913)
- Date
- 1913-06-20
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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796 Nr. 25 DIE3§BELT Vom Jahresfest des „Makkabi“ in Konstantinopel Freiübungen der Turner konnte, trotz all der unendlich schwierigen Umstände der letzten zwei Jahre, das ist den aufopfernden Bemühungen des Turnlehrers Herrn Sonnenschein und denen der altbewährten und unermüdlichen Leiter des Vereines, der Herren Abramowitz, Abraham und Ziffer, zu danken. Die Heimsendung der Kriegsflüchtlinge Vergangenen Samstag sind mit dem großen Dampfer des Oesterreichischen Lloyd „Linz“ weitere 650 Kriegsflüchtlinge nach Burgas befördert worden, um von da aus in ihre Heimat weitergesendet zu werden. Unmittelbar vor Abgang des Schiffes traf ein Telegramm aus Sofia ein, welches ersuchte, die Heimsendung aufzuschieben, weil es an Transportwaggons in Burgas mangele. Es war jedoch zu einer Aenderung der getroffenen Dispositionen schon zu spät. Nachträglich kam sodann Nachricht, alle Emigranten hätten in Burgas verbleiben müssen. Jedoch erhielt gestern der Großrabbiner eine private Mitteilung, der zufolge alle Emigranten bereits in Adrianopel eingetroffen sein sollen. Auf alle Fälle wird jeder weitere Transport von Kriegsflüchtlingen in ihre Heimat vertagt werden müssen, bis eine neue Gegenorder von der „Union des Associations Israel ites" hier eintrifft. In Konstantinopel verbleiben demnach immer noch mehr als 2103 jüdische Kriegsflüchtlinge. Bezalel-Ausstellung in Zürich Zürich. Eine unserer bekanntesten Züricher Kunstfirmen, die Kunst und Spiegel A.-G., hat es in anerkennenswerter Weise übernommen, eine Bezalelausstellung zu arrangieren. Die erste Sendung ist bereits aus Jerusalem eingetroffen. Es sind den verschiedenen Ateliers entnommen worden: Silber-Filigrangegenstände, Treibarbeit in Silber, Treibarbeit in Messing und Kupfer, getriebene Metall- und Holzgegenstände, Arbeiten aus Olivenholz, Metallgegenstände nach Damaszener Art und handgeknüpfte wollene und baumwollene Teppiche. Es sind dies Gegenstände für Kultzwecke, für den täglichen Gebrauch und Zierstücke. Die Ausstellung wird nächste Woche eröffnet werden. Es steht zu hoffen, daß es dem „Bezalel" gelingt, auch in der Schweiz eine dauernde Niederlassung zu finden. f 3g V PALÄSTINA-RUNDSCHAU tf M 1 r\\ <iMS st (Von unserem Berichterstatter.) Lag Baomer in Palästina Es ist eine merkwürdige Erscheinung: Jüdische Festtage, die draußen im Galuth nur ein Scheinleben führten, füllen sich hier in Palästina mit neuem Inhalt und werden von neuem Glanz umstrahlt. Das jüdische Volk in Palästina ist nicht gewillt, ein pietistisches Muckerdasein zu führen. Noch vor wenigen Jahren hielt in Jaffa ein eifriger Pastor eine Bekehrungsrede, in der er das von Bädeker hartnäckig behauptete Weinen der Juden an der „Klagemauer" *) (hebräisch heißt sie viel anspruchsloser die „Westwand“) als Beweis für die Trostlosigkeit der jüdischen Volksseele anführte. Nun, die heranwachsende palästinensische Generation will von einer Trostlosigkeit nichts wissen. Nach der Neubelebung des Chanukahf estes kam die alljährliche C h a g i g a h von Rechob o t h, die sich zu einem jüdischen Volks- und Naturfest sondergleichen zu entwickeln verspricht. Und nun haben wir auch, ganz unverhofft, ein Lag-Baomer-Fest erlebt, das namentlich unserer Jugend unvergeßlich bleiben wird. Freilich in Jerusalem haben sie diesen Tag, der von sinnigen, zarten und halbmystischen Erinnerungen verklärt wird, stets in Ehren gehalten. Alljährlich pflegten dort große jüdische Volksmassen, mitunter bis zu 20 000 Seelen, an das Grab des Schim’on Hazaddik zu pilgern und den Tag im Freien bei Gesang und Musik in fröhlicher Stimmung zu verbringen. Und schon im vorigen Jahre kam der sinnige Brauch hinzu, am Lag Baomer einen Blumentag zu veranstalten. An diesem Brauch wurde auch in diesem Jahre festgehalten und da das Publikum wußte, daß der Reinertrag zur Unterstützung jener armen Kinder verwandt werden soll, die die Missions¬ *) Schreiber dieser Zeilen war oft bei der Kothel Maar a b i und hat dort n i e einen weinenden Juden bemerkt. anstalten verlassen haben, wurden die Blumen von der feilbietenden Schuljugend sehr gerne gekauft. Ueberhaupt stand diesmal in Jeruschalajim das Fest des Lag Baomer im Zeichen der Abwehraktion gegen die Mission und der Propaganda für den „Makkabi". Der Jerusalemer Zweigverein des Lehrerverbandes hat ein neues Flugblatt gegen die Schulen der Judenmission und der Turn verband „Makkabi" ein neues Werbeblatt für seine hohen Ziele verbreiten lassen. Der Aufmarsch der Schuljugend und des „Makkabi", der die türkischen und seine eigenen Fahnen trug, machte einen gewaltigen Eindruck. Am Grabe des Schim’on Hazaddik sprach Dr. Schmarja L e v i n in gewohnter Meisterschaft. (Vgl. den Bericht in der vorigen Nummer der „Welt".) Eine weitere Ansprache hielt noch Zerubabel, der Redakteur des Arbeiterblattes „Haachduth". In Jaffa nahm das Fest einen ruhigen Verlauf. Auch hier erfolgte in T e 1 - A w i w ein Aufmarsch der Schuljugend und des „Makkabi". Darauf folgten turnerische Uebungen der Gymnasialjugend, die ein tausendköpfiges Publikum herbeilockten. Die Ordnung wurde durch die Ordner der Gymnasiasten selbst aufrecht erhalten. Gegen Abend begab man sich auf ein anschließendes, neu erworbenes Terrain, wo die hier übliche „Hadlakah" (das Anzünden eines großen Freudenfeuers) stattfand. Auf dem Heimwege sang die Schuljugend, von tausenden Juden begleitet, nationale Lieder. Angesichts dieser begeisterten und fröhlichen jüdischen Schülerschar mußte man unwillkürlich an die jüdische Hochschuljugend von Oesterreich denken, die eben blutige Kämpfe zum Schutze ihrer Ehre an der Wiener Universität führen mußte, oder an unsere russische Jugend, die wie Freiwild von einer Universität zur anderen gejagt wird. Der Plan der Gründung einer eigenen jüdischen Universität in Palästina läßt sich nicht mehr lange hinausschieben ...