Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 17 (1913)
- Issue
- 25 (20.6.1913)
- Date
- 1913-06-20
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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Nr. 25 795 DIEE^ELJ der allgemeine öffentliche Kongreß der jüdi sehen Gemeinden Italiens stattfinden wird und ersucht die wenigen Gemeinden, die ihm noch nicht beigetreten sind, ihren Beitritt zu erklären. Der „B u n d" versichert, sein Interesse von nun an auch den Falaschas widmen zu wollen; er habe sich dieser Tage deswegen mit dem Präsidenten des „Pro Falascha Comite“, Dr. S. H. Margulies, in Verbindung gesetzt. Zur Beilis-Affaire (Von unserem Berichterstatter.) Petersburg. Wie zu erwarten war, hat die Kiewer Gerichtskammer in ihrer Sitzung vom 6. Juni die Anklageschrift gegen Beilis genehmigt und den Beschluß gefaßt, diesen wegen Beteiligung an der Ermordung Justschinskys vor das Geschworenengericht zu stellen. Sowohl der Vorsitzende Kamenzow als auch der Berichterstatter Ryshow haben ihre abweichende Ansicht zu Protokoll gegeben und in ausführlich motivierten Eingaben, die den offiziellen Materialien beigefügt wurden, den Standpunkt vertreten, daß Beilis, gegen den nicht einmal irgendwelche indirekte Indizien vorliegen, sofort freigelassen werden sollte. Die anderen Mitglieder des Gerichtshofes widersetzten sich jedoch diesem Antrag, weil es „unbequem“ gewesen wäre, den ganzen Prozeß jetzt zu liquidieren und somit einzugestehen, daß man den Angeklagten zwei Jahre lang unschuldig im Gefängnis hat schmachten lassen. Sie fanden es deshalb bequemer, daß das Geschworenengericht ihn freispreche. Um also nicht zugeben zu müssen, daß man einen unschuldigen Menschen zwei Jahre lang im Gefängnis schmachten ließ, hält man es für richtig, den armen, notorisch' unschuldigen Mann noch ein paar Monate gefangen zu halten! Denn die Gerichtsverhandlung soll ja erst im Herbst stattfinden, trotzdem die „Nowoje Wremja“ sich vor kurzem heuchlerisch darüber empörte, daß die jüdischen Ränkeschmiede ein absichtliches Verschleppungsspiel trieben, um inzwischen die öffentliche Meinung und das Gericht in ihrem Sinne bearbeiten zu können. — Die Stützen der staatserhaltenden Parteien ruhen inzwischen nicht. Am 11. Juni hielten in Petersburg in den Redaktionsräumen der „Semschtschina", wie auch in der Wohnung des antisemitischen Dumaabgeordneten Samislowsky, Vertreter der rechtsstehenden Organisationen, der Nationalisten und des rechten Oktobristenflügels unter Beteiligung von Beamten des Justizministeriums Beratungen über die Beilis - Affäre ab. Der berüchtigte Schmakow referierte über die genehmigte Anklageschrift und die Versammlung faßte den Beschluß, dahin zu wirken, daß die Verhandlung gegen Beilis ohne Hinzuziehung von Geschworenen stattfinde, daß strengstens verboten werde, an den Gutachten der Sachverständigen Kritik zu üben und Fragen zu behandeln, die mit dem Prozeß in Zusammenhänge stehen. Ferner sollen die Berichte über die Gerichtsverhandlung vom Vorsitzenden geprüft werden und erst nach dessen Genehmigung veröffentlicht werden dürfen. — Auf der nächsten Versammlung der genannten Gruppe soll ein hochstehender Kiewer Justizbeamter als Referent auftreten. Aus Kiew wird der „N. J. K." ferner berichtet: Als Verteidiger des Angeklagten Beilis werden außer dem bekannten jüdischen Advokaten Grusenberg die Petersburger christlichen Advokaten Karabtschewski und Z a r u d n i fungieren. Die Mutter des ermordeten Knaben Justschinsky hat den Dumaabgeordneten Samislowsky und die berüchtigten Judenfresser S c h m a k o. w aus Moskau und Bulätzel aus Petersburg als ihre Rechtsbeistände in der bevorstehenden Gerichtsverhandlung nominiert. Eine Palästinabewegung unter den Chassiditn Polens (Von unserem Berichterstatter.) Warschau. Die hiesige jüdische Presse weiß von einer sehr bemerkenswerten Palästinabewegung zu berichten, die in letzter Zeit in den streng orthodoxen Chassidimkreisen Polens Platz gegriffen haben soll. In Lodz haben sich Freunde dieser Bewegung zu einem Verein mit der Bezeichnung „Beth-Lechem- Jehudah" zusammengeschlossen, der bereits seine konstituierende Versammlung abgehalten und ein Exekutivkomitee gewählt hat. Ueber die Entstehung und Entwicklung des Vereins berichtet der „Moment“ folgendes: Im Sommer vorigen Jahres fand am „Gerer Hof" (d. h. im Domizil des Gerer Chassidimrabbis) eine vertrauliche Versammlung statt, an der auch der Pilitzer Rabbi teilnahm, und die sich mit der Frage von „Jischub Erez-Israel" befaßte. Die Sache wurde in Lodzer Chassidimkreisen bekannt, und es entspann sich ein lebhafter Briefwechsel zwischen den Urhebern der „Bewegung" und einigen angesehenen und reichen Chassidim in Lodz. Schließlich verfaßte der Pilitzer Rabbi eine Art Aufruf, der in Chassidimkreisen vertraulich verbreitet wurde. Der Sache nahm sich dann ein begeisterter Mann aus den Kreisen der Chassidim an. Diesem, Reb Mosche Müller aus Lodz, ist es bereits gelungen, die hervorragendsten und einflußreichsten Rabbis, ebenso auch zahlreiche kapitalkräftige Männer für die Sache zu gewinnen und es wurde sogar bereits ein sehr interessanter Plan, betreffend Landerwerb und Seßhaftmachung von etwa 4000 Personen in Palästina auf genossenschaftlicher Grundlage ausgearbeitet. Die Idee eines großzügigen Kolonisationswerkes in Palästina auf religiös-sozialer Basis greift, dank der sympathischen Stellungnahme der maßgebenden Chassidimrabbis, immer weiter um sich. Der „Moment" verspricht, in weiteren Artikeln näheres über die merkwürdige Bewegung zu berichten. Mr. Alfred Austin und Dr. Herzl (Von unserem Berichterstatter.) London. Mr. Alfred Austin, der eben verstorbene englische Hofdichter, wurde von Dr. Herzl auf einer seiner Reisen nach England besucht. Als Dr. Herzl starb, widmete ihm der antisemitisch gesinnte Wiener Korrespondent der „Times" nur einen ganz kurzen Nekrolog, aber Mr. Alfred Austin ließ es sich nicht nehmen, in dem Blatt einen Brief zu veröffentlichen, worin er in schwungvoller Sprache auf die hohe Bedeutung und den edlen Charakter des Verstorbenen hinwies. Vom „Makkabi“ in Konstantinopel (Von unserem Berichterstatter.) Konstantinopel. Im „Makkabi" wird stetig und mutig fortgearbeitet, und alle Schwierigkeiten, die die Katastrophen der letzten Jahre ihm in den Weg gelegt haben, vermögen nicht, ihn dauernd zu lähmen. Das große Jahresfest, das der „Makkabi" vergangenen Sonntag wieder auf dem Riesensportplatze in der Vorstadt Kadiköj abhielt, lieferte dafür lebendiges Zeugnis. Viele Tausende von Juden hatten den weiten Weg auf den Festplatz nicht gescheut, um der geliebten Vertretung der hiesigen Jugend ihre Bewunderung und Verehrung zu beweisen. Die Hunderte schmucker junger Turner in ihren schneeweißen, rotgegürteten und mit blauem Magen-David geschmückten Kostümen und die reizenden Turnerinnen in ihren blauweißen Matrosenuniformen, machten wieder einmal prächtigen Eindruck. Es ist selbstverständlich, daß die- Leistungen wie immer auf der Höhe waren. Daß das der Fall sein