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Die Welt · 1913-06-20 · 25 (20.6.1913) · page 10

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
17 (1913)
Issue
25 (20.6.1913)
Date
1913-06-20
Page
– (sequence 10)
Language
German
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794 Nr. 25 einer wissenschaftlichen Ausbildung. Nur der Jude, und hier besonders der gehetzte und geknechtete russische Jude, soll von der Quelle der Wissenschaft zurückgedrängt werden, obwohl gerade er so sehr nach ihr lechzt. Das ist nicht fortschrittlich, das ist nicht deutsch! Meine Herren! Sie wollen uns nicht, wir drängen uns Ihnen nicht auf!“ Nach dieser Erklärung verließen die jüdisch-nationalen Mediziner die Versammlung, der auch zahlreiche Universitätsprofessoren beigewohnt hatten. Oskar Straus und Oberrabbiner Dr. Sacerdoti in Audienz beim König von Italien (Von unserem Berichterstatter.) Die „W e 1t“ brachte in der vorletzten Nummer einen Bericht über eine Audienz des italienischen Gemeindebun des beim König von Italien. Der König, der schon in dieser Audienz seine Sympathie mit unseren Bestrebungen kundgetan hatte, empfing vorige Woche den bekannten amerikanischen Staatsmann und früheren Botschafter in Konstantinopel, Oskar Straus, in einer längeren Audienz, in der er sich mit unserem hervorragenden Stammesgenossen hauptsächlich über die Lage der Juden in Rußland und in Palästina unterhielt. Er erbat sich genaue Informationen über die Fortschritte der zionistischen Bewegung, für die er Worte der höchsten Bewunderung fand und erkundigte sich eingehend nach dem Anteil der einzelnen Länder und besonders Amerikas, an dem Zionismus, sowie nach den vom Zionismus geschaffenen Institutionen. Der König erzählte im Laufe des Gesprächs, daß ihm die traurige Lage der Juden in Rußland bekannt sei und kam auf die Drangsalierungen, die den ausländischen Juden beim Betreten russischen Bodens bereitet werden, zu sprechen. Er fügte hinzu, daß er die Entrüstung der amerikanischen Bürger über diese Behandlung begreiflich finde und wollte näheres über den russischamerikanischen Paßkonflikt erfahren. Der König äußerte sich dann über die italienischen Juden, und meinte u. a., daß sich die Juden für den diplomatischen Dienst besonders eignen. In der Audienz fand König Viktor Emanuel Worte der höchsten Bewunderung für die jüdische Kolonisationstätigkeit in Palästina, die er — wie er sagte — mit warmem Interesse verfolge. In derselben Woche empfing der König auch den neuen Oberrabbiner von Rom, Dr. Angelo Sacerdoti, mit dem er sich besonders über die Verhältnisse der römischen Gemeinde sowie über die Juden in Italien unterhielt. Dr. Sacerdoti ist ein Schüler des italienischen Rabbinerseminars, in dem er von seinen Lehrern Oberrabbiner Dr. S. H. Marg u 1 i e s und Professor Dr. H. P. C h a j e s zu einem nationalen Rabbiner erzogen worden ist. Dieser Tage hielt sich Dr. Sacerdoti in Florenz auf, und ich benutzte die Gelegenheit, um mir für die Leser der „Welt“ seine Eindrücke von der Audienz beim König schildern zu lassen. Dr. Sacerdoti erklärte mir, daß er mit vollem Herzen zu den Bestrebungen des Zionismus stehe und es versuchen werde, dem zionistischen Ideal in den Herzen seiner Gemeindemitglieder Eingang zu verschaffen. Er werde in dieser Hinsicht Hand in Hand mit den jungen römischen Gesinnungsgenossen gehen, die auf seine Mithilfe rechnen könnten. Der König — erzählte der Rabbiner — war überaus liebenswürdig und befragte mich über die Lage des Judentums in Italien, über die Rabbinatsverhältnisse sowie über die jüdischen Schulen und das italienische Rabbinerseminar. Der König sprach mit großem Interesse von den Versuchen des „Bundes der jüdischen Gemeinden“ zur Reorganisierung des italienischen Judentums. Er zeigte sich auch informiert über die jüdische Jugendbewegung in Italien, für die er — wie er ausdrücklich erklärte — herzliche Sympathie empfinde. Dr. Faitlovichs Bericht über seine dritte Reise in Abessinien Der Präsident des Pro Falascha-Komitees, Rabbiner Dr. S. H. M a r g u I i e s in Florenz, erhielt von Dr. F a i 11 o v i c h außer dem bereits in der vorigen Nummer der „Welt“ veröffentlichten Schreiben aus D o b a r e k noch einen zweiten Brief aus Gondar, datiert vom 13. April, aus dem wir folgende Stellen reproduzieren: „Ungeachtet der vielen Schwierigkeiten, macht sich der von uns erzielte moralische Erfolg schon sehr fühlbar. In diesem kurzen Zeitraum hat sich ein großer Wandel im Gemüte der Falaschas vollzogen. Sie fühlen .nicht mehr Furcht und Schande, sich als Falaschas zu bekennen. Der Gedanke, dem auserwählten Volke anzugehören und nicht mehr, wie sie glaubten, ein armseliger und verlassener Rest Israels zu sein, erfüllt sie mit Stolz und mit Hoffnung auf eine bessere Zukunft. Meine früheren zwei Reisen in Abessinien haben aber nicht nur die jüdischen Gefühle der Falaschas gestärkt, sondern auch ihr Ansehen bei ihren Landsleuten anderer Religionen gehoben. Mein Eintreten für sie in Abdis-Abeba vor vier Jahren hatte damals glücklicherweise den gewünschten Effekt. In meiner Audienz bei Kaiser Menelik versprach er mir, eine Proklamation zu erlassen, daß jede Bedrückung der Falaschas verboten wäre. In der Tat wurde sofort nach meiner Abreise von Abdis- Abeba ein kaiserlicher Befehl zu ihren Gunsten erlassen und sofort in Kraft gesetzt. Allein die Dinge haben in Abessinien, keine Stabilität und die Behörden, auch die höheren, der einzelnen Provinzen, vergessen oft der früheren kaiserlichen Befehle. Nach den mir von den Falaschas gemachten Mitteilungen hat sich ihre Situation, und besonders die der Maurer und der Tischler, in den letzten zwei Jahren wieder verschlechtert. Sie werden von neuem gezwungen, gegen ihren Willen Arbeiten auszuführen. Die Landhäuptlinge haben die alten Gewohnheiten wieder aufgenommen und verlangen von ihnen Tributarbeit. Deswegen ersuchen mich die Falaschas, wieder zu ihren Gunsten einzutreten und ihre Klagen bei der Zentralregierung vorzutragen. Aber bei der jetzigen Lage in Abessinien kann ich nichts in dieser Beziehung ausrichten. Ich muß mir diese Aufgabe für einen günstigeren Augenblick aufsparen. Mit großer Genugtuung konnte ich wahrnehmen, daß die Bekehrungsbewegung (zum Christentum) unter, den Falaschas keine Erfolge aufzuweisen hat. Die Missionare begeben sich jetzt in die entlegenen Gemeinden, bleiben aber auch dort enttäuscht. Die besten Daten über die jetzige Unwirksamkeit der christlichen Mission unter den Falaschas werden Sie in den in der Januar-Nummer 1913 des „Freund Israels“, Organ der Baseler Mission, abgedruckten Briefen der hiesigen Missionare finden.“ Dies der interessante Inhalt des Briefes des unermüdlichen und selbstlosen Falascha-Forschers. Leider ist es, ungeachtet der vielen Aufrufe des „Internationalen Pro Falascha-Komitees“, bis zur Stunde nicht gelungen, das Interesse der breiten jüdischen Oeffentlichkeit für diese das Gesamtjudentum interessierende Frage zu gewinnen. Es sind kaum die Mittel für die Errichtung der ersten Falascha-Schule in T e k u 1 aufgebracht worden. Großherzige Philanthropen, an denen es unter den Juden wirklich nicht mangelt, sollten ihr Augenmerk endlich auch dieser wichtigen Angelegenheit zuwenden und nicht zulassen, daß ein so treuer und zäher Bruchteil unseres Stammes dem Judentum verloren gehe. Kongreß der jüdischen Gemeinden Italiens Der Bund der jüdischen Gemeinden Italiens teilt in einem Comxnunique mit, daß demnächst in Rom

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