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Die Welt · 1913-06-20 · 25 (20.6.1913) · page 8

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Journal
Die Welt
Volume
17 (1913)
Issue
25 (20.6.1913)
Date
1913-06-20
Page
– (sequence 8)
Language
German
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792 Nr. 25 recht zu erhalten, ist durchaus mißglückt. Ejs mag noch hier und da eine Unklarheit geben, es mögen noch hier und da Reste der alten Gegnerschaft in Erscheinung treten — im wesentlichen ist die Synthese vollzogen. Vieles bleibt noch zu tun, die Politik des Zionismus ist noch in den Anfängen, die Personen, welche die politische Arbeit zu leisten vermögen, sind dünn gesät und müssen allmählich in ihre Arbeit hineinwachsen. Deshalb sollten wir es vermeiden, durch inneren Hader die äußeren Schwierigkeiten noch zu vermehren. So wenig Herrn Fischers Einteilung in politische und praktische Zionisten gerechtfertigt ist, so wenig haltbar ist seine Kritik an der positiven Leistung unserer leitenden Männer. Was er der Leitung vorwirft, daß sie nämlich politisch zu arbeiten bemüht ist — das hält die gesamte zionistische Organisation für notwendig, und wenn er persönlich kein Vertrauen zu den Mitgliedern des E. A. C. besitzt, so muß er sich der gegenteiligen Meinung der Majorität fügen. Die politischen Leistungen des E. A. C. mögen ihm unbedeutend erscheinen, aber das rechtfertigt keine prinzipielle Opposition. Und deshalb müssen wir an dem herben Urteil festhalten: Die Opposition ist eine rein negative. Das Positive, das nach den Andeutungen des Herrn Fischer in ihren Anträgen enthalten sein soll, begegnet bei der Majorität nicht dem geringsten Widerspruch. Daher ist für Herrn Fischer und seine Freunde die Möglichkeit fruchtbarer Mitarbeit gegeben. Das Negative dieser Anträge aber — die Absicht, dem E. A. C. die politische Arbeit zu entziehen — läßt sich weder durch Handlungen oder Unterlassungen des E. A. C., noch durch kunstvolle Theorien rechtfertigen. Sorgen wir dafür, daß die Arbeit, wie sie von dieser Leitung in den letzten zwei Jahren auf allen Gebieten inauguriert wurde, in der Zukunft ausgebaut, verbessert und vervielfacht wird. Dann wird hoffentlich die Opposition von heute ihren Irrtum erkenen und freudig Mitarbeiten, um zur Vollendung zu bringen, was heute nur ein Anfang ist. R. L. n□□□□□□ WELTCHRONIK □□□□□□ Zurückweisung einer Beleidigungsklage gegen „Die Welt“ ' Berlin. In Nr. 1 der „Welt" d. J. hatten wir einen Bericht unseres Budapester Korrespondenten über den „Ito-Unfug in Ungarn" veröffentlicht, in dem die aggressive Agitation der ungarischen Ito-Anhänger u. a. wie folgt gekennzeichnet war: „Die Budapester Generalagentur der Ito betrachtet nämlich. die ganze Bewegung als ihr eigenes Geschäft. Sie erkühnt sich, als eine Konkurrentin der zionistischen Bewegung aufzutreten, und da sie auf reeller Basis keinen „Absatz" finden kann, arbeitet sie mit den Mitteln des unlauteren Wettbewerbes." Durch diese Satze fühlte sich der Redakteur des antizionistischen Blattes „Egyenlöseg" in Budapest, Max Szab o I c s i, der in seinem Blatte seit etwa einem Jahre Mitglieder für die Ito wirbt und diese Werbearbeit mit maßlosen Angriffen gegen unsere Bewegung verquickt, in seiner persönlichen Ehre beleidigt. Er strengte daher beim Amtsgericht Charlottenburg gegen den verantwortlichen Redakteur der „Welt", Dr. Moritz Zobel, eine Klage wegen öffentlicher Beleidigung an. Das genannte Amtsgericht hat nun durch Beschluß vom 16. Mai d. J. die Klage Szabolcsi’s zurückgewiesen. In der Begründung heißt es u. a.: „Der Inhalt des fraglichen Artikels kann nur im Zusammenhang mit den vorher in der Zeitung „Egyenlöseg" erschienenen Aufsätzen gewürdigt werden, welche sich auf die zionistische Bewegung beziehen, in deren Dienst sich die „Welt" gestellt hat. In der Zeit vom Juni 1912 ist die zionistische Bewegung von dem „Egyenlöseg" in schärfster Weise angegriffen und herabgesetzt worden. Z. B. spricht die Nummer 26 vom 30. Juni 1912 von „zionistischen Trugbildern". In Nr. 27 vom 7. Juli 1912 heißt es: „Die zionistische Organisation duldet keine Arbeit. Diese Herren wollen ja gar nicht arbeiten, sondern nur Stellen untereinander verteilen und eine systematische amtliche Hierarchie schaffen zur Bemäntelung der Untätigkeit." Der Artikel „Zionismus und Itoismus" in Nr. 36/37 vom 10. 9. 12 sagt: „Weil sie (die Zionisten) ihr unmittelbares Daseinsrecht nicht einlösen konnten, weil sie ihrem positiven Ziele nicht näher kommen konnten, warfen sie sich auf verworrene Traumgesichte, auf phantastische Ungeheuerlichkeiten." Die Nummer 38/39 vom 24. September 1912 redet von der „völligen Dekadenz des Zionismus." Wenn gegenüber solchen systematischen Herabsetzungen der zionistischen Bewegung die „Welt" die erwähnten Sätze bringt, so kann darin unter den obwaltenden Umständen nur eine erlaubte Kritik der Itobewegung erblickt werden. Abgesehen davon erscheint es überhaupt zweifelhaft, ob der Artikel der „Welt" gegen den Privatkläger gerichtet ist, da der „Egyenlöseg", wie es in der Nummer vom 3. November 1912 heißt, absolut nicht darauf reflektiert, das offizielle Organ der Ito zu sein und sich das Recht zur Kritisierung derselben vorbehält. Eine strafbare Beleidigung des Privatklägers liegt daher nicht vor." Gegen diesen Beschluß des Amtsgerichts Charlottenburg hat der Kläger Beschwerde beim Königlichen Landgericht III eingelegt. Die Beschwerde wurde am 4. d. M. auf Kosten des Beschwerdeführers verworfen. U. a. wird in dem Beschluß des Landgerichts ausgeführt: „Der Beschuldigte vertritt die Anschauungen des Zionismus und er hat damit das Recht, in dessen Zeitschrift, deren Redakteur er ist, Anschauungen, die seiner Auffassung nicht entsprechen, und Handlungen, die der Verwirklichung seiner Auffassung entgegenstehen oder von denen er dies annimmt, in einer Weise zu kennzeichnen, die zwar im vorliegenden Falle unter Anwendung äußerst scharfer Worte erfolgte, aus denen aber nicht auf eine Absicht der Beleidigung weder der Form noch den Umständen nach geschlossen werden kann. Mit Recht hat daher das Amtsgericht im Hinblick auf § 193 a. a. O. die Privatklage zurückgewiesen." Die Vorgänge an der Wiener Universität (Von unserem Berichterstatter.) Wien. Durch die Kundgebung des Rektorates vom 3. Juni, die in der letzten Nummer der „Welt" bereits mitgeteilt wurde, hat sich die Situation verschärft. Die wachsende Erregung der jüdischnationalen Studentenschaft kam in einer großen Studenten Versammlung am 5. Juni zum Ausdrude, in welcher die Studenten Buchbinder, Wecsel, Kohn und Freundlich, ferner Herr Dr. Abe- 1 e s die durch die Ankündigung des akademischen Senates geschaffene Situation besprachen. Die Versammlung nahm zur Kenntnis, daß sich der j ü - dische Hochschulausschuß aufgelöst habe, da

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