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Die Welt · 1913-06-20 · 25 (20.6.1913) · page 7

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Journal
Die Welt
Volume
17 (1913)
Issue
25 (20.6.1913)
Date
1913-06-20
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 25 791 DIES^ELT Herr Fischer sticht seine Behauptung von dem bestehenden theoretischen Gegensatz durch verschiedene Beispiele zu stützen. So behauptet er, es gäbe im A. C. eine „Rechte“ und eine „Linke“, die immer gegeneinander stimmen. Das ist vollständig unrichtig. . Schon nach den ersten Plenarsitzungen des A. C. zeigte es sich ganz deutlich, daß die sogenannten „Richtungen“, von denen Herr Fischer fortwährend spricht, gar nicht existieren. Es gab und gibt im A. C. eine Majorität, die das E. A. C. unterstützt, und es gibt eine Minorität, die dem E. A. C. weniger freundlich gesinnt ist. Diese Minorität ist — wie Herr Fischer wiederholt selbst beklagt hat — in sich uneinig. Die Gegnerschaft des Herrn Fischer gegen das A. C. ist von durchaus anderer Art, als die der „Bankleute“, und mehrere A. C.-Mitglieder, die auf dem letzten Kongreß als Vertreter der „Opposition“ in das A. C. gewählt wurden, haben inzwischen eine Schwenkung vollzogen und stimmen meist mit dem E. A. C. Herr Fischer darf sich nicht wundern, daß die Opposition, die er und seine Freunde entfalten, von seiten der Majorität so entschieden bekämpft wird. Wenn nämlich die Prämisse des Herrn Fischer — die Existenz der berühmten beiden Richtungen — als falsch erkannt ist, so stellen sich seine Forderungen als geradezu ungeheuerlich dar. Er verlangt allen Ernstes, die Majorität der Organisation solle auf alle politische Arbeit verzichten und diese einem Komitee übertragen, in dem das E. A. C. freundlichst in Gestalt eines seiner fünf Mitglieder zugelassen wird. Weil Herr Fischer und einige wenige andere Persönlichkeiten im Zionismus zu der politischen Fähigkeit des E. A. C. kein Vertrauen haben, soll das E. A. C. sich selbst für unfähig erklären! Das ist wirklich stark, und es ist nur aus jenem Grundirrtum des Herrn Fischer zu erklären. Es gibt im Zionismus viele Legenden, mit denen aufgeräumt werden muß. Zu diesen Legenden gehört auch die weit verbreitete Annahme, daß die kleine Gruppe, die heute (aus den verschiedensten Motiven) der Leitung Opposition macht, über besondere politische Fähigkeiten und Beziehungen verfüge. Wir haben leider feststellen müssen, daß dies nicht der Fall ist. Wenn es nötig werden sollte, so wird das E. A. C. dem Permanenzausschuß des XI. Kongresses Einblick in die politischen Akten gewähren, damit der Permanenzausschuß sich ein Urteil darüber bildet, welche Personen politisch zu arbeiten verstehen. Wenn Herr Fischer zum Beweise für die Richtigkeit seiner Auffassung die Behauptung aufstellt, es sei politisch nicht das geringste erreicht worden, so ist es schwer, dies öffentlich zu widerlegen. Aber es ist wohl zunächst die Frage erlaubt, woher Herr Fischer weiß, daß seine politischen Freunde mehr erreicht hätten? Und was heißt das überhaupt: einen „Erfolg“ erreichen? Und welches war der „große Moment“, der ausgenutzt werden mußte, um den großen Erfolg zu erzielen? Ist dies wieder ein Rückfall in den Charterismus? Denkt Herr Fischer an einen großen, entscheidenden Erfolg, der Palästina endgültig dem jüdischen Volke überliefert? Oder versteht er im Sinne unserer politischen Auffassung unter Erfolgen irgendwelche Fortschritte bezüglich der Anknüpfung von Beziehungen oder bezüglich der Erleichterung unserer praktischen Arbeit? In diesem Falle müßten wir uns über die Behauptung des Herrn Fischer sehr wundern. Denn es kann ihm ja nicht verborgen geblieben sein, daß unsere Beziehungen zu den für uns wichtigsten Stellen durch die Arbeit der letzten zwei Jahre eine deutliche Belebung erfahren haben. Er muß ja wissen, daß gerade dort, wohin alle seine Anträge gleich der Magnetnadel des Kompasses zielten, durch die Tätigkeit der vom A. C. hierzu bestimmten Person eine wichtige Anknüpfung geschaffen worden ist, während die früher, zu Herzls Zeiten, mit eben dieser Stelle vorhandenen Verbindungen seit Jahren nicht mehr gepflegt worden waren ... Nichts könnte dem Schreiber dieser Zeilen sympathischer sein, nichts würde seiner politischen Auffassung mehr entsprechen, als wenn Herr Fischer die Entwicklung gerade dieser Beziehungen mit aller Energie verfechten würde. Das E. A. C. hat getan, was es konnte. Vielleicht hätte es noch mehr erreicht, wenn Herr Fischer und seine Freunde einfach mitgearbeitet, wenn sie Vorschläge gemacht hätten, die im Sinne dieser Politik lagen. Das haben sie nicht getan. Das „Positive“ der Anträge, von denen Herr Fischer spricht, bedeutete nichts anderes als den Versuch, dem E. A. C. eines seiner wichtigsten Arbeitsgebiete, die Politik, zu entziehen. Gewiß hat das E. A. C. den Antrag auf Schaffung des politischen Komitees nicht einfach zurückgewiesen, sondern dem Großen A. C. unterbreitet. Hätte das A. C. dem Antrag zugestimmt, so hätte das E. A. C. versucht, gemeinsam mit diesem politischen Komitee zu arbeiten, das aber keine selbständige oder gar übergeordnete Instanz hätte sein dürfen. Das Große A. C. hat den Vorschlag abgelehnt, denn es sagte sich mit Recht, daß die Personen, welche für das politische Komitee vorgeschlagen wurden, auch ohne diese Neubildung auf politischem Gebiet mitarbeiten könnten und daß die Verantwortung doch immer beim E. A. C. liegen müsse. Herr Fischer oder die Personen, die er im Auge hatte, wären sehr wohl in der Lage gewesen, mit dem E. A. C. zu arbeiten, denn das E. A. C. hat sich die größte Mühe gegeben, ihre Mitarbeit zu gewinnen. Manche dieser Herren haben auch mitgearbeitet, andere aber zogen es vor, dem E. A. C. fortgesetzt ihr Mißtrauen zu bekunden oder gar gegen dessen Willen zu handeln. Warum? Vermutlich gingen sie* mit Herrn Fischer von der Fiktion aus, die Majorität und ihre Leitung könne, da ihr Programm das „praktische“ sei, von der hohen Politik nichts verstehen. Vermutlich teilten sie Herrn Fischers Glauben, gewisse Personen besäßen besondere politische Kräfte, die den vom A. C. für die Politik ausersehenen Personen fehlten. Wir hegen nicht die Hoffnung, Herrn Fischer von der Unrichtigkeit dieser seiner Voraussetzungen überzeugen zu können. Aber die Oeffentlichkeit hat ein Recht darauf, zu erfahren, was hinter den Angriffen auf das E. A. C. eigentlich steckt. Es ist tief bedauerlich, daß wir das Urteil des zionistischen Publikums nicht durch die Bekanntgabe aller Tatsachen, die in den Akten des A. C. ruhen, befruchten können. Aber wir hegen die Hoffnung, daß sich unsere Leser aus der ziemlich allgemein gehaltenen Diskussion zwischen Herrn Fischer und uns ein Urteil darüber zu bilden vermögen, auf welcher Seite das Recht und die Logik ist. Noch einmal: Wir sind politische Zionisten, weil es sich uns um die Sache des jüdischen Volkes handelt. Die Führung und Entwicklung eines Volkes ist ohne Berücksichtigung der allgemeinen Macht-, Rechts- und Wirtschaftsverhältnisse nicht möglich. Diese Berücksichtigung findet ihren Ausdruck in einem System von Maßnahmen, das wiederholt dargestellt wurde und von uns als zionistische Politik bezeichnet wird. Der Charterstandpunkt der ersten Zeit ist in diesem politischen System nicht enthalten, aber das ändert den politischen Grundcharakter unserer Bewegung nicht. Wer den Charterstandpunkt in seiner alten Strenge und Logik teilt, mag ein Gegner unserer heutigen Politik sein. Wer aber das wiederholt entwickelte politische System der heutigen Leitung grundsätzlich anerkennt (und es gibt mit Ausnahme des reinen Charterismus kein anderes System), der darf nicht Opposition treiben, sondern soll mit Rat und Tat mitarbeiten. Mit ganz besonderer Befriedigung können wir feststellen, daß die politische Tätigkeit des E. A. C. bei fast allen Mitgliedern des Großen A. C. — insbesondere auch bei solchen Mitgliedern, die sich selbst als „politische Zionisten“ im engeren Sinne bezeichnen, d. h. besonderen Wert auf die politische Arbeit legen — volles Verständnis und entschiedene Zustimmung gefunden hat. Der Versuch des Herrn Fischer, heute, nachdem der Charterismus längst aufgegeben worden ist und auch von ihm (wie wir das vorigemal zeigten) nicht mehr vertreten wird, die Teilung in „praktische“ und „politische“ Zionisten auf-

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