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Die Welt · 1913-06-20 · 25 (20.6.1913) · page 6

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Journal
Die Welt
Volume
17 (1913)
Issue
25 (20.6.1913)
Date
1913-06-20
Page
– (sequence 6)
Language
German
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790 Ni-. 25 rasa gemacht werden! Freilich wird es nicht ganz nach dem Plane der Scharfmacher gehen, denn die Träger des zionistischen Gedankens, die Begründer der Bewegung, werden sich nicht beirren lassen. — Die Leitung hat den sehr fähigen und ihr treu ergebenen Beamten viele Rechte eingeräumt und sie in vielen Fällen fast auf eigene Faust arbeiten lassen. Die Beamten will ich absolut nicht angreifen, aber die Leitung kann dies gar nicht verantworten, um so weniger, als viele A. C.-Mitglieder sich oft energisch dagegen ausgesprochen haben. Daß auch die praktische Arbeit in Palästina schlecht gemacht wurde, wäre damit zu entschuldigen, daß nur eine früher begonnene Arbeit fortgesetzt worden ist, wiewohl die Herren der jetzigen Majorität das eigentliche Verdienst und die Verantwortung auch für den Anfang haben, aber daß die Leitung allen Ermahnungen, allen ehrlichen, dringenden Warnungen in einer unglaublichen Verblendung keine ernste Beachtung beimessen wollte und will, das ist nicht zu entschuldigen. Diese Kritik, welche die schlechte Verwaltung betrifft und die die Herren Kann und Wolffsohn speziell geübt haben, wurde auch als unberechtigt zurückgewiesen, trotzdem sie leider erwiesenermaßen vollkommen auf wahren Angaben beruhte. Auch dieser Opposition hat man nachgesagt, sie biete nur Negatives, aber man sagte doch nicht, sie wisse nicht, was sie wolle; dieser Kritik war es möglich geworden, durch die rücksichtslose Offenheit des Herrn Kann deutlich zu sein. — Und heute gibt es viele Praktische, die einzusehen beginnen, daß unsere Administration keine rentierende praktische Arbeit leisten könne. Nicht unerwähnt darf ich es lassen, daß alle unsere Verwaltungen im Verhältnis zu unseren Einnahmen übertrieben große Spesen machen. — — Wir Politischen betrachten die Schaffung der Möglichkeit zu arbeiten, das methodische Aufbauen von Grund auf als unsere Hauptaufgaben. In allen Ländern der Welt können gegen die Einwanderung von Juden Schranken erhoben werden, die rechtlose Lage der Juden als Volk bringt dies mit sich. Ein Land muß es geben, in das die Juden immer frei einwandern dürfen, wir müssen irgendwo zu Hause sein. Und wenn in Palästina gerade scharfe Beschränkungen bestehen, so haben wir unser Hauptaugenmerk darauf zu richten, diese zu beseitigen. Ich glaube, hiermit eine ausführliche Rechtfertigung unserer oppositionellen Stellung gegeben zu haben. — Wir werden fortwährend gefragt, was wir politischen Zionisten eigentlich wollen? Nichts — als Arbeit im Zionismus, welche unsere Sache vorwärtsbringt. Ich habe Vertrauen zu unserer Sache; alle die Meinungsverschiedenheiten können unserer an sich so mächtigen Bewegung doch nichts anhaben, der gesunde Menschenverstand unserer zu neuem Leben erwachten Juden wird uns schließlich den richtigen Weg finden lassen. Finale In Nr. 23 dieses Jahrgangs hat Herr Fischer sich ausführlich über die theoretischen Gegensätze innerhalb der Organisation verbreitet. Seine Absicht war, den Nachweis für das Bestehen zweier gegensätzlicher Anschauungen zu erbringen, die Trennung in „praktischen" und „politischen" Zionismus auch weiterhin zu rechtfertigen. Wir sind damals den Ausführungen des Herrn Fischer entgegengetreten. Wir haben darzulegen gesucht, daß die von ihm behaupteten theoretischen Gegensätze in der Anschauung der Majorität längst zu einer Synthese verbunden sind, daß zwar ursprünglich tiefgehende Differenzen bestanden, daß die heutige Leitung aber von bestimmten politischen Ueberzeugungen geleitet wird, die zu einem umfassenden System der Arbeit geführt haben. Wir erklärten demgemäß den theoretischen Beweis des Herrn Fischer für mißglückt .und forderten, er solle nun durch Tatsachen erweisen, daß die Leitung — auch wenn sie theoretisch recht habe — ihrer Aufgabe nicht gewachsen sei. Nun hat Herr Fischer sein Tatsachenmaterial vorgetragen, und man muß .sagen, daß es erstaunlich arm ist. Niemand wird glauben, daß die Leitung von Zufriedenheit über ihre Tätigkeit überfließe, ja, die Leitung selbst oder auch die Redaktion dieses Blattes könnten viel wichtigere Beschwerden über die Versäumnisse der letzten zwei Jahre Vorbringen, als Herr Fischer dies tut. Herr Fischer kritisiert im Grunde gar nicht die Tätigkeit der Leitung, sondern er wiederholt nur immer von neuem die von uns ausführlich widerlegte Behauptung von der Existenz der beiden gegensätzlichen Richtungen. Diese Behauptung ist die Prämisse seiner Schlußfolgerungen, aus ihr leitet er seine Vorwürfe ab. Schält man aus seinen Ausführungen das Wesentliche heraus, so läßt sich dies etwa in folgende Sätze fassen: „Die Vertreter der .praktischen* Richtung sind nach ihrer theoretischen Anschauung über den Zionismus und nach ihrer persönlichen Eigenart nicht fähig, die für uns nötige politische Arbeit zu leisten; daher hätten sie die moralische Verpflichtung gehabt, den .Politischen*, die durch ihre Denkweise und durch ihre persönlichen Fähigkeiten dazu geeigneter sind, die politische Arbeit zu überlassen.** In der Polemik gegen den vorigen Artikel des Herrn Fischer haben wir uns ausführlich mit den angeblich noch immer existierenden beiden „Richtungen** befaßt. Wir wollen das bereits Gesagte nicht wiederholen, wir wollen auch nicht nochmals auf die Frage der Palästina-Arbeit eingehen, müssen aber ausdrücklich auf das damals Gesagte verweisen. Akzeptiert man die Prämisse des Herrn Fischer, so werden seine Angriffe begreiflich. Er macht der heutigen Majorität und der Leitung geradezu einen Vorwurf daraus, daß sie politisch arbeitet. Er sagt, es sei besser, seinen Prinzipien treu zu bleiben, d. h. also, die „Praktischen** dürfen nicht Politik treiben. Diese Voraussetzung des Herrn Fischer müssen wir von vornherein ablehnen. Wir lassen uns absolut nicht unseren Charakter als politische Zionisten bestreiten. Hundertmal ist es gesagt worden, daß zweifellos ein theoretischer Unterschied zwischen dem früheren Charterismus und der heutigen Auffassung besteht. Würden sich die sogenannten „Politischen" offen zum Charterismus bekennen („keine praktische Arbeit vor Erreichung größerer rechtlicher Konzessionen**), so gäbe es wirklich einen Unterschied der Richtungen. Denn wir — die Majorität — sagen: Unaufhörliche Arbeit in Palästina ist die Voraussetzung politischer Erfolge; weitgehende Konzessionen, deren Inhalt dem gegenwärtigen Stand der Wirtschafts- und Bevölkerungsverhältnisse nicht entspricht, sind nicht zu erlangen, und es ist daher unklug, sie zu fordern; Politik in unserem Sinne heißt die Gewinnung derjenigen Sympathien (in Konstantinopel und anderswo), die mit Rüdesicht auf die voraussichtliche Entwicklung in der Zukunft für uns notwendig sind; die Gewinnung dieser Sympathien muß durch unablässige und mit verschiedenen Mitteln betriebene Aufklärungsarbeit erfolgen; die gewonnenen Sympathien sollen sich auch in praktische Förderung unserer Sache umsetzen, d. h. in die Aufhebung der den allgemeinen Landesgesetzen widersprechenden Beschränkungsmaßregeln und weiterhin in die Gewährung derjenigen Rechte, die unserer jeweiligen Zahl und Bedeutung im Lande entsprechen. Auf Grund dieses Programmes nennen wir uns politische Zionisten und treiben wir Politik. Sind Herr Fischer und seine Freunde Charteristen im alten Sinne, so gibt es in der Tat zwei Richtungen. Sind sie es nicht, so müssen sie unser politisches Programm akzeptieren und dann haben sie nicht das Recht, von der Leitung zu fordern, sie solle die politische Arbeit in andere Hände

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